2008×12 – August

Entscheidend is auf’m Platzhirsch des Monats:
Der Saisonstart

So ein Saisonstart hat ja schon etwas Gutes an sich: Er explodiert nicht von jetzt auf gleich wie eine Silvesterrakete im Wohnzimmer, sondern wirft seinen Schatten voraus wie ein Tiefdruckgebiet von den Azoren. Da die berüchtigte Testspielphase im Juli und in den ersten Augusttagen das einzige sportliche Lebenszeichen der Bundesligavereine darstellt, ist sie freilich nicht zu unterschätzen (Auftritte von Hertha in der UEFA-Cup-Quali jetzt einmal außen vor). Und weil Testspiele so eminent wichtig sind, gilt es um alles in der Welt, die Ergebnisse irgendwie in ein rechtes Licht zu rücken.

Anfang August mündete dieses Bestreben in der so genannten „Stiftung Warentest“, die das Abschneiden der Bundesligisten gegen den VfB Fallersleben, die WSG Svarovski Wattens oder eine Amateurauswahl von Pinneberg in vier Teilen unter die Lupe nahm. Die nobelpreisverdächtige Formel (Punkte pro Spiel / Koeffizient) * 10 lieferte letztendlich ein Bild, das in den Monaten darauf nur noch Seltenheitwert besaß: Bremen belegte Platz eins der Testspieltabelle, direkt dahinter rangierte eine gewisse Borussia aus Mönchengladbach. Zu meiner Verteidigung sei angefügt: Sieben der ersten neun Mannschaften in dieser Rangliste belegen auch heute – am 28. Dezember 2008 – einen einstelligen Tabellenplatz. Immerhin. Dass mir ausgerechnet bei Gladbach ein offensichtlicher Vorzeichenfehler unterlief, fällt wohl unter den Begriff “Schicksal”.

Eine Borussia im Höhenflug sorgte auch in der ersten Runde des DFB-Pokals für Furore. Mit 8:1 wurde Bielefeld auf der heimischen „Alm“ abgefertigt. Zum vorletzten Mal in diesem Kalenderjahr bewies der Aufsteiger dabei echten Killerinstinkt – auch wenn es nicht die Arminia, sondern Landesligist VfB Fichte aus derselben Stadt war, der dran glauben musste. Das Los bescherte Gladbach für die zweite Runde eine Reise nach Cottbus, über deren Ausgang ich an dieser Stelle lieber (noch) nicht sprechen möchte. Erst einmal verursachte die Auslosung sowieso einen sommerlichen Clinch mit dem Weihnachtsmann: Das ersehnte Pokal-Heimspiel blieb der „Elf vom Niederrhein“ auch anno 2008 verwehrt (was natürlich genauso gut mit ihrer eigenen Schwäche zusammenhängt).

Wie gerade erwähnt, war der Kantersieg in Bielefeld Gladbachs vorletzte Sternstunde der Hinrunde. Ende August versetzte ein 3:2-Sieg gegen Werder Bremen den ausverkauften Borussia-Park bei brütender Hitze in pure Ekstase (dass in den schwarz-grünen Trikots des Gegners nicht das Bremen steckte, welches man ursprünglich erwartet hatte, kristallisierte sich ja erst etwas später heraus). Alexander Baumjohann erzielte mit einem Maradona-Gedächtnis-Solo das „Tor des Monats“ August. Neben einer kleinen Plakette für die Wohnzimmervitrine brachte ihm sein Meisterstück wohl auch einen Bankplatz beim FC Bayern München ab der kommenden Saison ein.

Der enttäuschende Bundesligaauftakt gegen Stuttgart (1:3) und Hoffenheim (0:1) sei fix unter den Teppich gekehrt. Schließlich sollte es bis Jahresende noch viel schlimmer kommen. Da kann man sich von derartigen Lappalien nicht aufhalten lassen.

Derweil ist das Sommerloch im Juli wohl nicht all seine genialen Einfälle losgeworden. Aus diesem Grund nämlich verursachte die Trikotnummer-Affäre an der Otto-Fleck-Schneise ein riesiges Post-sommerlöchriges Tohuwabohu. Der FIFA war eingefallen, dass alle Zahlen über 18 doch irgendwie doof sind. Also wurden die Rückennummern bei internationalen Pflichtspielen – auch Uneingeweihte ahnen, was kommen wird – auf eben jene Zahlen 1 bis 18 limitiert. An für sich kein Problem – PODOLSKI lässt sich bestimmt auch über eine 14, 15 oder 16 drucken. Doch spätestens als der DFB es für viel zu kompliziert befand, für jedes Länderspiel einen komplett (!) neuen Trikotsatz zu drucken, überholte dieses Brennpunkt-Thema den Südossetien-Konflikt in der Gunst deutscher Nachrichtenagenturen. Ein paar Wochen später knallten in Frankfurt dann jedoch die Sektkorken: Irgendeinem Blitzmerker war eingefallen, dass Jogi Löw selten ein- und denselben Kader für zwei aufeinander folgende Länderspieltermine nominiert. Als dann noch jemand einwarf, dass die Spieler ja sowieso für jedes Spiel druckfrische Trikots bekommen, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Heureka!

Auch in anderer Hinsicht blieb der DFB seiner Linie (un)treu: Pierre Womé zerlegte den Kiefer von Ashkan Dejagah beinahe in alle Einzelteile und wurde dafür (nachträglich wohlgemerkt) für nur drei Spiele auf die Tribüne verbannt. Kurz vor Hinrundenende übrigens brachte Hannovers Keeper Florian Fromlowitz den Wolfsburger Edi Dzeko per Notbremse im Strafraum zu Fall, wurde für dieses fragwürdige Foul vom Platz gestellt und für zwei Spiele gesperrt. Einen Tag zuvor hatten Claudio Pizarro und Diego der Karlsruher Mannschaft Backpfeifen und Würgegriffe am laufenden Band verpasst – und wurden für nur drei bzw. vier Partien aus dem Verkehr gezogen. Na, wenn das so ist.

Neben ein paar Flachwitzen und dem olympischen Fußballturnier stand vor allem Schalkes Aus in der Champions-League-Quali im Mittelpunkt. Die Königsblauen verbrannten in Madrid mit einer grottenschlechten Leistung so viel Geld – da können Hypo Real Estate, Lehman Brothers und Co. nur von träumen. Für S04 gab’s jedoch kein Rettungspaket, sondern den Trostpreis schlechthin: Die Teilnahme an UEFA-Cup. Schalke lehnte beleidigt ab und verabschiedete sich nach der Gruppenphase aus dem Wettbewerb.

Zu guter Letzt ein weiteres bestimmendes Thema des Monats: Muss ein Kicker-Redakteur wissen, wie Nikolce Noveski aussieht und dass seine Visage nicht zu einem gewissen Nikolce Novakovic gehört? Im Prinzip schon – schließlich soll die Bäckereifachverkäuferin morgen früh ja auch nicht das Röggelchen mit dem Vitalbrötchen verwechseln. Wobei die sich auch verdammt ähnlich sehen…

28. Dezember 2008 von Jannik Sorgatz
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