2008×12 – September

Entscheidend is auf’m Platzhirsch des Monats:
Magdeburgs Oberbürgermeister

Der Monat begann mit einem Nasenbeinbruch und einer Länderspielabsage. Wenn ich ein Monat wäre, könnte ich mir weitaus schönere Einstiege vorstellen. Das ganze relativiert sich, wenn man hört, wer sich beim Werbetermin auf Spiekeroog verletzte: Es war Torsten „Rosinante“ Frings, seines Zeichens Agressive Leader der deutschen Nationalmannschaft. Da ist die Überraschung schon nicht mehr ganz so groß. Die angekündigte Relativierung ziehe ich jedoch gleich wieder zurück: Frings brach sich die Nase nämlich beim Basketball. Und das muss man erst einmal hinkriegen. Vonwegen „körperloses Spiel“.

Der Auftakt zur Qualifikation für die WM 2010 bescherte der DFB-Elf ein 6:0 gegen Liechtenstein – mit einem Podolski-Doppelpack, den Uli Hoeneß natürlich nicht ungenutzt ließ. Sinngemäß hieß es aus der Bayern-Zentrale: „Zwei Tore gegen Liechtenstein, das kann ich auch.“

Ein ähnlicher Zwischenruf blieb aus, als Miroslav Klose vier Tage später im Alleingang einen Punkt in Finnland rettete. Drei Rückstände, haarsträubende Abwehrfehler und eine lange anhaltende Kollektivlethargie – Klose sprang in die Bresche und traf zum vierten Mal dreifach im Dress der Nationalmannschaft. Alles in allem eine „Sonnenfinsternis mit Abstrichen“. Trotz Priester-Kerner und Anglizismen-Réthy.

Wie neugeborenen fühlte man sich Anfang September am Betzenberg. Lautern hatte zehn Punkte aus den ersten vier Spielen geholt – Platz eins für die „Roten Teufel“, deren sportliche Existenz ein paar Monate zuvor noch am seidenen Faden gehangen hatte. Zunächst war es „ein gelungener Umbruch in der Pfalz, der (noch) unter Vorbehalt steht“. Rang zwei nach der Hinrunde hat jegliche Vorbehalte jedoch mittlerweile ausgelöscht.

Möglicherweise sind die Vorbehalte auch nur an den Niederrhein verfrachtet und an Jos Luhukays Trainerstuhl geheftet worden. Nach vier Pleiten in Serie geriet der Niederländer mehr und mehr ins Kreuzfeuer. In Hannover gab es mächtig „auf die Mütze an der Linie“. Das 1:5 schien zunächst ein Betriebsunfall gewesen zu sein. Die 0:1-Niederlage gegen die Hertha signalisierte jedoch unmissverständlich: „Es geht noch Hertha“. Beim Pokalaus in Cottbus besiegelten „drei Elfer“ letztendlich „einen Untergang“. Und auch das 0:1 in Hamburg war trotz eines vermeintlich knappen Spielausgangs nur wenig erheiternd, sondern geradezu einschläfernd. Wobei zur Verteidigung der Borussia angemerkt sei, dass sich der HSV nicht wirklich eines Tabellenführers würdig zeigte. Unterm Strich also vier Niederlagen für die Fohlen im September und nur ein eigener Treffer, dafür aber gleich fünf Elfmeter für den Gegner. Der Anfang vom Ende fürs Jos Luhukay.

Entscheidend is auf’m Platz erlebte zudem ein Revival und zwei Premieren. Olympique Lyon wurde zur zwölften „Mannschaft der Stunde“ gekürt, nachdem die altehrwürdige Auszeichnung mehr als fünf Monate geruht hatte. Der zweite Tag der zweiten Pokalrunde wurde über 210 Minuten im Live-Ticker protokolliert. Außerdem übernahm Hertha BSC Berlin erstmals die Tabellenführung in der internen UEFA-Fünfjahreswertung der Bundesligamannschaften im Europapokal.

Wo vorhin schon von Liechtenstein die Rede war: „Die Kleinen“ haben nicht nur aufgeholt, in geraumer Zeit winkt einigen Underdogs sogar eine EM-Teilnahme. Die UEFA hat nämlich beschlossen, das Teilnehmerfeld ab 2016 von 16 auf 24 Mannschaften aufzustocken. Hat fast den Anschein, als ob sich der Kontinentalverband nicht lumpen lassen wollte nach den Trikotnummer-Kapriolen des großen Bruders FIFA im Vormonat. Den Amerikanern wird die UEFA-Mentalität gefallen. Auf der anderen Seite des Atlantik ist man sich schon lange sicher: „Everyone’s a winner“.

Zu den Gewinnern des Monats September gehörten viele, auf keinen Fall jedoch Olympia-Immigrant Rafinha und Kollege Kuranyi. Pfiffe hagelte es für beide en masse. Der eine bekam von den gegnerischen Fans sein Fett weg. Der andere sowohl von denen des Gegners als auch von den eigenen. Für Kuranyi war und ist das Ende der Leiden da noch lange nicht in Sicht. Sein großer Auftritt folgte bekanntlich erst im Oktober.

Wenig Feierliches bescherte der September auch dem Osten der Republik. Magdeburg fühlte sich bei der Standortvergabe für die Frauen-WM 2011 mächtig verschaukelt. Den Quotenplatz im Osten hatten ihnen nämlich die Dresdener abgeluchst. Auch das fußballerische Brachland Sinsheim erhielt den Vorzug. Dabei hat das OK vermutlich nur vorausschauend gedacht: Das neue Stadion an der A6 könnte 2011 nämlich dem amtierenden Deutschen Meister gehören. Vonwegen Brachland.

Der Deutsche Meister in spe, namentlich die TSG 1899 Hoffenheim, sorgte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht ausschließlich auf dem Platz für Furore. Immer wieder schön, wenn zwei sich bashen, die ansonsten von anderen gebasht werden. So reagierte Dietmar “Torwand-Wettbüro” Hopp sowohl unpassend als auch passend auf die Anfeindungen der Dortmunder Gästefans. Einerseits verstimmte seine überzogene Klage gegen einen 19-jährigen BVB-Fan die Fußballrepublik. Der hatte Hopps Konterfei auf einem Doppelhalter mit einer Zielscheibe übermalt. Andererseits war Hopps verbaler Konter auf die wiederholten Beschimpfungen durchaus gelungen:”Unfassbar, dass ausgerechnet die Dortmunder so auftreten, wo ihr Verein doch in der jüngeren Vergangenheit 100 Millionen durch Misswirtschaft verpulvert hat. Ich gönne diesen Fans von Herzen, dass sie sportlich von uns so gedemütigt wurden.”

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, lieber BVB.

29. Dezember 2008 von Jannik Sorgatz
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