Rückpass Köln: Nur gegen Leverkusen besser

Nur Patrick Herrmann fällt mit seiner Note ein wenig ab inmitten von Kollegen, die den Eindruck erwecken, ein Mathelehrer hätte da eine etwas zu leichte Klassenarbeit gestellt. Im Schnitt gab es nur gegen Leverkusen diese Saison bessere Noten.

Christofer Heimeroth (Kicker-Note 2,5): Bei all den Pfützen auf dem Feld wurde jeder Rückpass zum Va-Banque-Spiel – eine Aufgabe, die Christofer Heimeroth jedoch problemlos meisterte. Ansonsten war er gegen Jajalo zur Stelle, blieb stehen und parierte. Klasse war seine Parade von Yalcins Kopfball. Und dann ist da eben seine stoische, wirklich bemerkenswerte Ruhe, die einen von außen eher verrückt macht, seine Vorderleute jedoch enorm zu beruhigen scheint – 2,5.

Tobias Levels (Kicker-Note 3): Kurz vor dem Ende hatte er mal wieder seine “Five seconds of magic”: Levels setzte sich an der Grundlinie durch, tunnelte seinen Gegenspieler und war plötzlich auf und davon. Auch wenn kein Treffer daraus resultierte, verdeutlicht diese Szene seine gute Form vom Samstag. Hinten war er häufig gegen Podolski gefordert, schlug sich wacker. Allein die anhaltende Ungenauigkeit bei Flanken ließ zu wünschen übrig. Unterm Strich geht die 3 in Ordnung.

Anderson (Kicker-Note 3): Die Fehlpassquote von 53 Prozent erschreckt auf den ersten Blick. Dabei lieferte der Innenverteidiger nach zuletzt schwachen Auftritten mal wieder eine starke Leistung ab. Novakovic beispielsweise war von ihm und seinen Kollegen völlig abgemeldet. Andersons Passquote ist wohl auch mit seinen teils kopflosen Pässen zu erklären – hoch und weit, das war bei den Verhältnissen immerhin nicht das schlechteste Mittel. Letztendlich eine verdiente 3.

Roel Brouwers (Kicker-Note 3): Bis er verletzt raus musste (Muskelfaserriss) lieferte Brouwers eine einwandfreie Leistung ab. Nur einmal wackelte er, als Jajalo ihn aussteigen ließ und die beste FC-Chance der ersten Hälfte hatte. Ansonsten wie gesagt: gutes Stellungsspiel, Zweikampfstärke und eine makellose Passquote. Schade nur, dass das Startelfcomeback nur 45 Minuten dauerte. Zum Trost gibt’s eine 3 von hier in den Reha-Bereich.

Filip Daems (Kicker-Note 3,5): Der Kicker sieht Daems eine Nuance schwächer als seine Nebenleute – was unterm wenig nachvollziehbar ist. Aus dem Spiel nach vorne hielt sich der Kapitän zwar höflich raus, war hinten jedoch meist hellwach und meisterte den Weg zurück in die Innenverteidigung blendend. Schlechter als bei seinen Kollegen war es nicht, deshalb 0,5 hoch auf eine glatte 3.

Thorben Marx (Kicker-Note 3): Das Urteil gleicht sich zwar jede Woche, aber für die Konstanz und Zuverlässigkeit von Thorben Marx ist das Beileibe kein Armutszeugnis. Er spielt seinen Stil runter – Bälle erobern, die Viererkette entlasten, sich dabei aber vorne aus dem Gröbsten raushalten. Das hat im Duett mit Mit-Sechser Bradley diese Saison zeitweise großen Erfolg. Und für den Gewohntheits-3,5er Marx ist eine 3 wohl schon eine echte Auszeichnung.

Michael Bradley (Kicker-Note 2): Vor der Saison sollte er endlich den Durchbruch schaffen, in einzelnen Spielen ist ihm das endlich gelungen. Stets entscheidend dabei: seine Fehlerquote. Spielt Bradley forsch nach vorne, findet er mit seinen Pässen seine Mitspieler und strahlt dabei auch noch Torgefahr ist, dann ist er riesiger Gewinn fürs Spiel des VfL. Leider hapert es bisweilen noch an der Konstanz. Gegen Köln war er 90 Minuten lang konstant gut – was sich in der Note 2 dann auch widerspiegelt.

Marco Reus (Kicker-Note 2,5): Jogi Löw ließ ihn links liegen. Das hatte sich über die bisherige Saison so abgezeichnet, zu inkonstant war Reus, seine Form folgte stets dem Rest der Mannschaft. Reus musste mitgerissen werden, konnte selbst nur selten mitreißen. Das Spiel in Köln war nun einer seiner besten Auftritte. Sein Querpass auf de Camargo vor dem 0:3 zeugte von Größe. Nach schleppendem Beginn war spätestens in Hälfte zwei jeder Ballkontakt eine Gefahr – für die FC-Abwehr. Da darf der Kicker, sonst so gnädig mit Reus, gerne eine glatte 2 ziehen. Und Jogi Löw wird es zur Kenntnis genommen haben.

Patrick Herrmann (Kicker-Note 4): Erst hatte es den Anschein, Herrmann wolle nicht nass werden. Als er dann realisiert hatte, dass es nicht anders gehen würde, machte er noch immer keinen besseren Eindruck. Federgewichte wie er müssten bei derartigen Bedingungen eigentlich aufblühen. Stattdessen war er offensichtlich beeindruckt von der Derbykulisse und dem Wetter – dabei war es weder sein erstes Derby noch sein erstes Regenspiel. Am Ende humpelte er angeschlagen vom Platz, weil er einmal mehr seinen körperlichen Defiziten Tribut zollen musste. Wird wieder bessere Tage erleben, das Wetter auch, deshalb nehmen wir die 4 mal so hin.

Igor de Camargo (Kicker-Note 2,5): Strahlte lange nicht die große Präsenz aus, war aber dann zur Stelle, als er gebraucht wurde. Nach anderthalb wirklich guten Spielen ist allmählich abzusehen, welche Rolle de Camargo im 4-2-3-1 von Michael Frontzeck einnehmen wird: Hinter dem unermüdlich ackernden Bobadilla ist er der, der in die freien Räume stößt und dann bestenfalls von den Vorlagen seiner Nebenleute Reus, Arango etc. profitiert. Die werden ihn schon ordentlich bedienen. Und die 2,5 aus Köln wird in dem Fall nicht die einzige bleiben.

Raul Bobadilla (Kicker-Note 1,5): Es ist zum Verzweifeln mit dem 23-Jährigen – sowohl, wenn er die Erwartungen nicht erfüllt, als auch, wenn er es tut – Samstag zum Beispiel. “Wasserbüffel”, da hat es der Boulevard tatsächlich einmal getroffen. Wobei Wasserbüffel mit einem weniger filigranen Fußgelenk gesegnet sind. Bobadilla zeigte somit in Köln mal wieder Facetten, die man so noch gar nicht von ihm kannte. Der Einsatz stimmt immer, mannschaftsdienlich war es diesmal obendrein und wenn er die Torgefahr häufiger zeigen kann – bleiben keine Wünsche offen. Der Kicker zückte eine verdiente 1,5, die ihn zum besten Akteur des ganzes Spieltages machte.

Dante (46. eingew., 66. ausgew., keine Note): Zwanzig Minuten dauerte Dantes Comeback nach überstandenem Fußbruch. Zwanzig Minuten dauerte es, bis er im Kölner Regen auf einer Trage vom Platz getragen werden musste. Der 27-Jährige führte sich ein mit einem schweren Fehlpass ohne Folgen, danach stand die Offensive im Fokus. Wann Dante wieder in denselbigen rücken wird, steht noch nicht fest. Die Weihnachtsferien haben jedenfalls bereits am Samstag für ihn begonnen – und mögen hoffentlich nicht bis Karneval dauern.

Mo Idrissou (57. eingew., Kicker-Note 3): Am 2:0 war er maßgeblich beteiligt, als er gedankenschnell Bobadilla bediente, anstatt das Dribbling zu suchen. Hatte zwar das Glück, sich in eine muntere Offensive einfügen zu dürfen, trug mit Engagement und Mannschaftsdienlichkeit jedoch auch seinen Teil dazu bei. Befriedigend – und deshalb eine 3.

Sebastian Schachten (66. eingew., keine Note): Durch Dantes und Brouwers’ Ausfall ist Schachten plötzlich schneller in den Dunstkreis der Startelfkandidaten zurückgekehrt, als erwartet. Gegen taumelnde Kölner machte er seinen Job ordentlich und hat die schwache Leistung gegen die Bayern hoffentlich abgehakt.

Kicker-Schnitt: 2,79
Mein Schnitt: 2,71

16. November 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Beim Derby-Bericht hast du dich sichtlich in den selben Rausch geschrieben in den die Mannschaft sich gespielt hat….dein bester Bericht: Note 1 ;)

    aber heute…. scheinst du einen mordsmäßigen Kater zu haben ;)
    …hohe Fehl(pass/er)-quote :P

  2. Erstmal Danke fürs Lob, Christian! Und dann auch für den Hinweis auf die vielen Fehler – ich sollte wohl nicht während langweiliger Vorlesungen schreiben, die wirken anscheinend echt wie ein Kater.;) So circa zehn Buchstabendreher und vergessene Buchstaben hab’ ich verbessert. Wenn Du noch was findest, nur raus damit. (Ich geh’ mal davon aus, Du meintest die Schreib- und keine Notenfehler, oder? Ansonsten: Ruhig Deine Meinung dazu.)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

*