Rückpass Mainz: Zwei Welten

Ein Quartett überzeugte, der Rest fiel gegenüber Heimeroth, Levels, Reus und Bobadilla deutlich ab. Nicht nur notentechnisch bewegt sich die Borussia so in zwei Welten. Fünftbester Angriff, schwächste Defensive – auch da ist die Diskrepanz enorm.

Christofer Heimeroth (Kicker-Note 2): In Eins-gegen-eins-Situationen zeichnet sich der 29-Jährige neuerdings besonders aus. Gegen Mainz behielt er gleich viermal gegen völlig freistehende Gegner die Oberhand. Seine Ruhe ist weiterhin bemerkenswert, jetzt war aber sogar mal ein weiter Abwurf dabei, um das Spiel schnell zu machen. Beim 2:3 mag er etwas gezögert haben, immerhin waren zwei Verteidiger bei Allagui, der die Aufgabe auch sehr sehenswert löst. Die Kicker-Note 2 wirkt geradezu außerirdisch für einen Borussenkeeper in dieser Bundesliga-Spielzeit, ist aber völlig gerechtfertigt.

Tobias Levels (Kicker-Note 3): Den Noten nach fiel die Viererkette diesmal ab wie eine schwarze Piste am Vorarlberg. Auf der rechten Seite war Tobias Levels der stärkste: Robust im Zweikampf, mit Drang nach vorne, einwandfrei von der Einstellung her. Lediglich beim 1:1 sah er etwas schlecht aus, als er nicht rechtzeitig rausrückte. Ansonsten: Ordentlich, Note 3.

Anderson (Kicker-Note 4): Der Junge kann einem Leid tun: Heißt sein Partner nicht Filip Daems, hat man in den vorhergegangenen anderthalb Spielen gesehen, wie sehr es dem 22-Jährigen Sicherheit verleiht. Gegen Mainz war er wieder ein schwächerer Part inmitten ganz schwacher Kollegen. Mit einer gerechtfertigten 4 aber immer noch bundesligatauglicher als die beiden folgenden Kandidaten.

Filip Daems (Kicker-Note 5): Wer davon ausging, dass Daems in der Innenverteidigung – so wie damals, in Liga zwei – besser aufgehoben sei als auf der Außenbahn, der dürfte mittlerweile etwas schlauer sein. Was fürs Unterhaus gereicht hat, ist in der Bundesliga nicht genug. Daems ist in jeder Hinsicht ein limitierter Verteidiger, dessen Stellungsspiel zum Dahinwerfen ist. Die Note 5 ist nur konsequent. Und man muss sich fragen, ob die Vertragsverlängerung vor ein paar Wochen die richtige Lösung war.

Sebastian Schachten (Kicker-Note 5,5): Gegen die Bayern zückte der Kicker eine 6, was man ansatzweise unterschreiben konnte. Nun gegen Mainz hatte er zwei haarsträubende Aussetzer, von denen zum Glück nur einer unmittelbar zu einem Gegentor führte. Beim entscheidenden 2:3 war Schachten nicht weit. Es ist hart, aber auch Schachten muss sich dem Leistungsprinzip im Profifußball stellen: Und das siedelt ihn unterm Strich nicht in der Bundesliga, sondern irgendwo im Bereich Paderborn an. Macht die Borussia so weiter, kann er sich ja vielleicht bald wieder in diesen Kreisen behaupten. Die 5,5 lassen wir mal so stehen.

Thorben Marx (Kicker-Note 4): Die Verantwortlichen haben vermeintliche Leitwölfe wie Thorben Marx Anfang der Woche in die Pflicht genommen. Gegen Mainz erfüllte er die nur phasenweise. Ansonsten wirkte das, was Marx ablieferte, ziemlich hölzern. Vom fehleranfälligen Bradley ließ er sich häufig anstecken, so dass eine 4,5 in meinem Augen die Leistung besser trifft. Folgendes hat sich gezeigt: Gladbachs Sechser sind in vielen Fällen nicht weniger eine Quelle für folgenschwere Fehler als die Viererkette.

Michael Bradley (Kicker-Note 4,5): Bis auf die da schon zahlreichen Ballverluste gehörte Bradley in den ersten Hälfte noch zu den engagiertesten Borussen. Dann jedoch baute er völlig ab, trat immerhin die Flanke zum 1:0 in den Strafraum. Die verheerenden Fehlerketten bei den Gegentoren zwei und drei gingen jeweils von einem seiner Ballverluste aus. Fuchs am Flanken zu hindern, hielt Bradley nicht für die richtige Lösung. Stattdessen gab es Begleitschutz, der Rest ist bekannt. Während gute Spiele von Bradley in dieser Saison nicht mehr so selten sind, hat er die schwachen Momente noch nicht abstellen können. Meist nimmt er sich gleich mehrere davon. Bradley liebt die großen Spiele, vor großer Kulisse, mit großer Brisanz – so ein Derby wie gegen Köln. Jetzt muss er lernen, sich mal fürs Tagesgeschäft aufzuraffen. Drei Punkte gibt es da auch. Eine 5 würde es gegen Mainz besser treffen.

Marco Reus (Kicker-Note 2): Neben einem soliden Heimeroth, einem kämpfenden Levels und einem effektiveren Bobadilla ist Reus derzeit einer der wenigen konstanten Lichtblicke in Gladbach. Mit nunmehr vier Toren und sechs Vorlagen ist er innerhalb von drei Spielen auf Platz zwei der Scorer-Liste geklettert. Gegen Mainz musste er endlich einmal nicht nur mitgerissen werden, sondern nahm das Heft selbst in die Hand. Zwei sehenswerte Toren kamen dabei herum. Doch es zeigte sich auch, wie einsam Reus auf diesem Niveau war. Auch Verlierern kann man deshalb eine 1,5 geben.

Igor de Camargo (Kicker-Note 4,5): Igor de Camargos Leistungen kann man irgendwo zwischen Bobadilla und Arango ansiedeln: Nicht so engagiert und präsent wie sein einer südamerikanischer Kollege, aber längst nicht so phantomartig wie der andere. Ein paar Mal war das Bein des brasilianischen Belgiers zu kurz, ein Elfmeter blieb im verwehrt. Das alles hätte wohl für mehr als eine 4,5 gereicht – die gibt es aber allein schon wegen der Arbeitsverweigerung, als er sich den Schweiß von der Stirn wischte, anstatt Christian Fuchs anzugreifen.

Juan Arango (Kicker-Note 5): Nach durchaus beherzten Auftritten in dieser Saison war das wieder der durch und durch lethargische Arango, der dem Spiel in keiner Phase seinen Stempel aufdrückt. Mit dem desolaten Schachten dahinter bildete er eine linke Seite, die gegenüber der Seite mit Reus und Levels deutlich abfiel. Reißt Arango sich nicht zusammen, ist er so im Abstiegskampf wohl fehl am Platz – wir hoffen auf Besserung. Gegen Mainz war‘s mangelhaft (5).

Raul Bobadilla (Kicker-Note 3): Nachdem sich Bobadilla bereits um den sechsten, siebten Spieltag herum einen Stammplatz gesichert hat, den aber zwischenzeitlich verlor, ist er nun wieder gesetzt – und zeigte gegen Mainz auch wieder, warum. Als einzige echte Spitze gibt er zwar nicht den klassischen Strafraumstürmer, dessen Arbeit allein aufs Toreschießen ausgerichtet ist. Feine Vorlagen wie im Zusammenspiel mit Reus beim 2:1 sind aber genauso gern gesehen. Kann Bobadilla dieses Niveau einmal langfristig halten und seine Rolle uneigennützig durchziehen, wird er noch sehr wichtig werden im Abstiegskampf. Typen wie Bobadilla machen das Angriffsspiel der Borussia weniger berechenbar. Die 3 ist eine Note für den richtigen Weg.

Mo Idrissou (72. eingew., keine Note): Wurde von Frontzeck zwar nicht ins kalte, dafür jedoch ins falsche Wasser geworfen. Als ebenso defensivfauler Ersatz für den schwachen Arango war Idrissou beim Stand von 2:1 wohl die falsche Alternative (anstatt eines weiteren Sechsers, beispielweise). Für Entlastung sorgte er nicht. Schützend kann man sich vor ihn stellen, indem an festhält: Woran Schachten scheiterte, dafür ist Idrissou auf keinen Fall zuständig. Dennoch bleibt zu notieren, dass der Kameruner derzeit nicht die gute Rolle wie zu Beginn der Saison spielt.

Karim Matmour (89. eingew., keine Note): Kam im letzten Mute der Verzweiflung.

Kicker-Schnitt: 3,86
Mein Schnitt: 3,91

25. November 2010 von Jannik Sorgatz
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