Rückpass Dortmund: Die üblichen Verdächtigen

Die zwei unterschiedlich starken Halbzeiten des VfL spiegeln auf die Noten wider. Sie sind nicht überragend, aber im Schnitt auch nicht so schlecht. Hoffnungsträger waren einmal mehr die üblichen Verdächtigen: der Keeper, der Rechtsverteidiger und ein Überflieger im Angriff.

Christofer Heimeroth (Kicker-Note 2): Mit 13 Gegentoren in fünf Bundesliga-Spielen liest sich die Bilanz von Heimeroth zwar nur unwesentlich besser als die von Logan Bailly. Doch der Wechsel hat sich dennoch längst bezahlt gemacht. Seine Reflexe gegen Barrios und Kagawa in Hälfte eins hielten Gladbach nicht nur im Spiel, sondern bewegten sich im Rahmen der Weltklasse. War sicher beim Abfangen von Flanken, solide in der Spieleröffnung, nahm zur rechten Zeit das Tempo raus. Lediglich beim 2:1 wäre mit einem Hauch mehr Entschlossenheit mehr drin gewesen, als Kagawa schneller am Ball war – aber das grenzt bei einer so guten Leistung (Note 2) schon an Haarspalterei.

Tobias Levels (Kicker-Note 3): Über die linke Dortmunder Seite ging fast nichts – auch ein Verdienst des erneut soliden Levels. Der hat jetzt viermal in Folge eine 3 bekommen. Und mehr kann man von einem Außerverteidiger im Abstiegskampf wohl nicht erwarten – robust verteidigen, dosiert angreifen und wenige Fehler machen. Ach ja, schnelleres Herausrücken bei Steilpässen des Gegners wäre noch ein Verbesserungsvorschlag. Denn da schlief Levels erneut. Ansonsten: weiter so.

Anderson (Kicker-Note 5): Lief Barrios meist nur hinterher, was einen Schnelligkeitsdefizite vermuten lässt. Dem Brasilianer fehlt in seinem gesamten Auftreten das nötige Selbstbewusstsein, um schwierige Aufgaben souverän zu lösen. Diesmal verteidigte er neben einem Kollegen, der sein erstes Bundesliga-Spiel seit anderthalb Jahren machte. Es gibt leichtere Herausforderungen für einen 22-Jährigen. Derzeit reicht es nur phasenweise für dieses Niveau, was die 5 im Großen und Ganzen rechtfertigt.

Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Kicker-Note 4): Gerade in Hälfte eins war sein starkes Kopfballspiel mit dafür verantwortlich, dass durch die Mitte wenig ging. Alle Borussen sahen also ein sehr ordentliches Comeback des zurückgekehrten Aussortierten. Nach der Pause schlief er dann in einigen entscheidenden Situationen. Callsen-Bracker lief Kagawa vorm 2:1 hinterher, Großkreutz vor dessen 3:1. Zieht man die Defizite von seinen starken Aktionen in der ersten Hälfte ab, landet man wie der Kicker bei einer 4.

Filip Daems (Kicker-Note 3,5): Zweimal ging Daems in den ersten 45 Minuten etwas zu zögerlich gegen Piszczek zu Werke. Daraus resultierten die beiden dicksten Chancen für Dortmund. In der Offensive war er hinter dem starken Reus wenig gefordert. Die 3,5 vom Kicker kann ich nicht ganz teilen, weil Daems doch wieder seine technischen Defizite offenbarte und als Linksverteidiger eher den Eindruck macht, wir befänden uns im Jahr 2000. Deshalb von mir nur eine 4.

Thorben Marx (Kicker-Note 4,5): Die Leitwolf-Forderung aus der Vorwoche konnte Marx nicht in die Tat umsetzen. Wie bei Daems wurden auch beim Sechser erneut große Defizite deutlich bei der Ballannahme und im Passspiel. In den Spielen gegen Mainz und den BVB hat Marx so kaum zu dem gefunden, was ihn sonst so wichtig macht: nah am Mann sein, Rückendeckung für Bradley geben und Hilfsarbeiter für die Viererkette spielen. Resultat ist eine 4,5, die in Ordnung geht.

Michael Bradley (Kicker-Note 4): In der Schule kommt es ja bisweilen vor, dass Schüler mit schlechten Voraussetzungen am Ende die bessere, Schüler mit guten Voraussetzungen die schlechtere Note bekommen – für dieselbe Leistung. Bei den Sechsern der Borussia hat es der Kicker diesmal offensichtlich anders gehandhabt – obwohl Bradleys Spiel wieder einmal voll von teils merkwürdigen Fehlpässen war und obwohl er die tödlichen Pässe von Götze und Co. des Öfteren mit seiner Passivität erst ermöglichte. Deshalb auch für den Amerikaner eine 4,5, bei dem man sich immer wieder fragt, warum er nicht öfter seine starken Auftritte wie bei der WM oder in Köln auspacken kann.

Patrick Herrmann (Kicker-Note 4,5): Sollte die Defensive stärken, was ihm auch gelang – Dortmunds Linksverteidiger Schmelzer machte eines seiner schwächeren Spielen. Im Angriff war Herrmann dafür meist genauso abgemeldet. Nach der Pause tauchte er dann einmal vorm Tor von Weidenfeller auch, verzog aber etwas überhastet. Die körperlichen Defizite wurden einmal mehr deutlich. Weil er seine Defensivaufgaben dennoch so erfüllte, wie Frontzeck sich das gedacht haben wird, geht rauf auf eine glatte 4.

Marco Reus (Kicker-Note 2): In der Saison 2008/2009 war Marko Marin der arme Überflieger, der einem Leid tun konnte, weil er so unterfordert wirkte wie ein Fünftklässler im zweiten Schuljahr. Auch Namensvetter Reus rechnet vorne längst mit binomischen Formeln, während seine Mitspieler sich maximal im Zahlenraum bis 1000 bewegen. Das lässt er jedoch keineswegs raushängen, sondern hängt sich voll rein. Resultat war sein viertes Tor in den letzten vier Spielen. Schade, dass Überflieger vom Tabellenletzten in der Nationalmannschaft eher vernachlässigt werden. Was die Kollegen Großkreutz und Götze können, kann Reus (Note 2) nämlich auch. Derzeit einer der wenigen Lichtblicke. Die Theorie, dass Reus nur neben Mitspielern glänzen kann, die auch einen guten Tag erwischt haben, ist hiermit verworfen.

Igor de Camargo (Kicker-Note 5): Mal wieder stellt sich die Frage, was für einen Typ Fußballspieler der Neuzugang eigentlich vertritt. Kein Konterstürmer, kein Strafraumstürmer – ein Strafraumgrenzenstürmer? Etwa in dieser Position vergab er beim Stand von 2:1 die dicke Chance zum Ausgleich – weil ihm die Ideen und die Kaltschnäuzigkeit fehlten. Eine große Hilfe ist er so im Abstiegskampft nicht. Diesmal gibt’s eine 5 – verbunden mit der Hoffnung, bald wieder den de Camargo vom Bayern-Spiel sehen zu dürfen.

Mo Idrissou (Kicker-Note 3,5): Irgendwie vielsagend, wenn ein Trainer eine zweite Spitze bringt, um die Defensive zu stärken. Das ging im Fall von Idrissou jedoch auf, weil der so weit nach hinten ackerte, dass er in einer Szene plötzlich zwischen Anderson und Callsen-Bracker auftauchte. Dadurch ging ihm jedoch jegliche Torgefahr ab. Ob ein pressender Bobadilla der Defensive nicht ebenso gut getan hätte, weil er den Gegner weiter vom eigenen Tor fernhält – darüber lässt sich nur spekulieren. Idrissou machte das, was ihm so sicherlich mit auf den Weg gegeben wurde. Dafür eine 3,5.

Raul Bobadilla (65. eingew., keine Note): An beiden Einwechselspielern lief die Partie weitgehend vorbei. Bobadilla hatte wenigstens noch eine gute Torchance, die er allerdings nicht nutzen konnte. So bleibt lediglich zu hoffen, dass Frontzeck ihn zu Hause gegen Hannover wieder von Beginn an bringen wird.

Karim Matmour (65. eingew., keine Note): Matmour? Hat gespielt? Ja, hat er.

Kicker-Schnitt: 3,73
Mein Schnitt: 3,77

30. November 2010 von Jannik Sorgatz
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