Die Liga der Anderen (XII): Bochums Krampf

In der “Liga der Anderen” kommen jede Woche Fans diverser Profiklubs zu Wort, die über ihr aktuelles Seelenleben erzählen. Grenzen sind ihnen dabei keine gesetzt. Mit Max kommt heute ein Zweitligist zu Wort (was jedoch keineswegs bedeuten soll, dass auf dieser Seite die Gedanken an Liga zwei Überhand nehmen). Der VfL Bochum gurkt sich so ziemlich durch die Saison, ist derzeit “Best of the rest” – und Max hat die Aufstiegshoffnung noch lange nicht begraben.

Von Max (Bochum)

Zunächst widme ich all denjenigen ein paar Zeilen, die das Treiben der Bochumer Jungs in der 2. Bundesliga nicht so akribisch verfolgen: Der VfL steht nach 15 teilweise glücklichen aber insgesamt nicht überzeugenden Auftritten auf dem neunten Platz. Er ist sieben Punkte vom angestrebten Aufstiegsplatz entfernt und hat zwar schon sieben Siege eingefahren, aber auch ebenso viele Spiele verloren. Die bitterste Niederlage war dabei wohl das 1:4 im heimischen Rewirpower-Stadion gegen den damaligen Letzten der Tabelle, Ingolstadt. Die Bayern hatten zu dem Zeitpunkt gerade mal ein Spiel gewonnen und zehn verloren. Das nur als eine kleine Einordnung für die nächsten Zeilen.

Nur der Fußball kann uns den Wiederaufstieg vermasseln

Natürlich lässt die Tabellensituation wenig Hoffnung auf den angekündigten Wiederaufstieg. Allerdings sieht es nicht mehr ganz so finster aus, wenn man neun Jahre zurückblickt. Denn dann weiß jeder, der den ersten Absatz als überflüssig angesehen hat, dass es damals nicht viel besser aussah. Wir waren nach 15 Spieltagen ebenfalls sieben Zähler hinter dem Tabellenzweiten und hatten nur zwei Pünktchen mehr als in diesem Jahr. Am Ende der Saison haben wir es trotzdem geschafft und den dritten Platz erreicht (der zweite wäre durchaus drin gewesen).

Obwohl damit eigentlich schon bewiesen ist, dass Bochum einen der zwei Aufstiegsplätze gebucht hat, gibt es noch eine Kleinigkeit, die uns auf dem Weg dahin das Genick brechen könnte: Fußball! Und zwar der Fußball, der an der Castroper Straße im Moment gespielt wird. Schaut man sich die Spiele des VfL an – auch die Siege – könnte man glauben, dass sie so sehr damit beschäftigt sind, ihr eigenes Angriffsspiel zu boykottieren, dass sie es nicht immer schaffen das Spiel des Gegners zu zerstören.

So kann ich die Kommentatoren und Schreiberlinge in TV und Ticker durchaus verstehen, wenn sie die Spiele mit “so sieht Profifußball manchmal leider auch aus” oder “man muss es so sagen: Drecksspiel!” beschreiben. Die VfL-Spiele sind dabei noch viel eher für den neutralen Zuschauer als den langjährigen Fan zu ertragen. Denn wenn die Bochumer Hintermannschaft im Verbund mit dem Mittelfeld ein paar geschickte Querpässe auspackt
und den Gegner damit vielversprechende Schusssituationen beschert, sollte man über diesen Slapstick-Fußball eigentlich nur herzhaft lachen.

Nun bin ich allerdings Fan von diesem Verein und daher lache ich nur, wenn ich daran denke, dass wir mit diesem Fußball sieben Siege eingefahren haben. Und genau darauf baue ich auch meinen Optimismus. Wir gewinnen die Hälfte unserer Spiele selbst dann, wenn wir beschissen kicken. Das bedeutet in logischer Schlussfolgerung, dass wir nach der Winterpause, ein bis zwei Trainingslagern und mit nur halb so beschissenem Fußball gar kein Spiel mehr verlieren.

Der Trainer muss bleiben

Friedhelm Funkel ist seit 2009 schon der fünfte Mann an der Seitenlinie. Und guckt man sich die aktuelle Situation an, sieht man deutlich, dass die häufigen Trainerwechsel der Mannschaft nicht gut getan haben. Nimmt man hinzu, dass der Vorstand des VfL im Moment auch nicht die benötigte Konstante darstellt, wäre es unverantwortlich, den Spielern abermals einen neuen Chef vor die Nase zu setzten. Vielmehr sollte man der Erfahrung eines Funkel vertrauen und ihn nicht für die Leistungen der Spieler verantwortlich machen. Schließlich sind es oft technische Unzulänglichkeiten und individuelle Fehler der Einzelnen, die den eigenen Angriff erst gar nicht zu Stande kommen lassen.

Was die Bochumer Spieler überhaupt im Training machen, habe ich mich zwar schon oft gefragt, aber ich denke schon, dass der Trainer sie nicht unbedingt Karten spielen lässt. Daher sollte man einsehen, dass die Qualität des Bochumer Kaders nicht nur in der 1. Liga, sondern auch in der 2. unterdurchschnittlich ist. Funkel hat schon zaghaft damit begonnen, neuen Spielern eine Chance zu geben und ist damit auf dem richtigen Weg. Nur von heute auf morgen geht da nicht viel, das funktioniert aber auch mit einem neuen Trainer nicht.

Concha spielt das nächste mal in der 1. Liga

Bochums Matias Concha hat beim 1:0-Sieg gegen Union Berlin am vergangenen Montag einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitten. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht an der Diskussion um das brutale Foul beteiligen, sondern einfach mal den neueten Stand durchgeben: Concha wurde operiert und befindet sich auf dem Wege der Besserung. Jedoch wird er mindestens bis April ausfallen, was im Klartext bedeutet, dass für ihn die Saison gelaufen ist. Da kann man auch verstehen, dass er zwar die Entschuldigung zur Kenntnis nimmt, aber keinen Besuch des Übeltäters Younga-Mouhani wünscht.

Gute Besserung!

10. Dezember 2010 von
Kategorien: Innenrist | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

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