Gladbach – Stuttgart: Trauerfeier

Die Borussia hat den ersten Heimsieg mal wieder verpasst. Nach dem elften sieglosen Auftritt dieser Saison macht sich beim Verlieren eigentlich längst Routine breit. Doch noch immer findet der VfL neue Wege, sich zu Hause selbst das Genick zu brechen. 2:0 in Führung liegen gegen das schlechteste Auswärtsteam der Liga und noch 2:3 verlieren? Kein Problem!

Nachts um 2:53 Uhr ist die Welt in Ordnung. Im Borussia-Park stehen Rainer Bonhof und Stefan Effenberg gemeinsam auf dem Rasen. Halbzeit auf Sky. Gladbach führt mit 2:0 und ist diese verdammte rote Laterne bereits seit 16 Spielminuten los. Noch besser: Der Relegationsplatz ist trotz Kölns Darf-doch-nicht-wahr-sein-Sieg gegen die Bayern nur drei Punkte entfernt, selbst bis zum Zwölften aus Wolfsburg sind es lediglich vier Zähler.

So wie beiden Ex-Borussen in der Pause Rede und Antwort stehen, könnte man fast meinen, die FIFA habe die Regelspielzeit im Fußball auf 45 Minuten verkürzt. Aber, wirft Reporter Jan Henkel schnell ein, so eine 2:0-Führung sei an diesem Samstag, der in Wirklichkeit schon lange ein Sonntag ist, bislang ja nicht viel wert gewesen. Wie Recht er da hat und wie Recht er gut 45 Minuten später noch haben wird. So viel ist gewiss. Denn als ich in der Nacht zum Sonntag vorm Fernseher sitze, ist Gladbachs Traum vom ersten Heimsieg längst geplatzt wie eine Wasserbombe im Gesicht des nervigsten Jungen in der Nachbarschaft.

Wahrscheinlich hätte ich mir die Wiederholung auf Sky mitten in der Nacht nicht einmal angetan, wenn es beim 2:0 geblieben wäre. Doch es ist einfach nicht begreifbar, wie sich so viel Gutes in nur einer Halbzeit wieder zum Schlechten wenden kann. Also wird die nächtliche Sitzung auf dem Wohnzimmersessel zur bitternötigen Therapiestunde.

Die Stadionabstinenz als Geburtstagsgeschenk

Nachdem meine Serie von 55 Heimspielen in Folge im Oktober 2009 gerissen war, kam ich von Mal zu Mal immer besser damit klar, dass es an manchen Tagen im Leben unüberwindbare Hürden gibt, die einen vom Stadionbesuch abhalten. Dreieinhalb Jahre lang war es mir jedes zweite Wochenende gelungen, die Borussia in diesen Rahmen namens Leben zu pressen. Aber schon damals nach dem 0:0 im Derby gegen Köln, das ich mir in einer Dortmunder Wohnheimkneipe ansehen musste, hatte ich es geahnt: „Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass 55 Heimspiele in Folge bis an mein Lebensende als persönliche Bestleistung Bestand haben werden.“

Zum Glück ist der 80. Geburtstag des Großvaters ein weitaus genehmerer Anlass, das bis dato wichtigste Spiel der Saison zu verpassen, als irgendein Uni-Seminar. Im Grunde gibt es ja kaum ein größeres Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung für ein Familienmitglied, als ihm zu Ehren nicht ins Stadion, sondern in die örtliche Dorfkneipe zu pilgern. Aber all die Gewissheit, allein mit der eigenen Anwesenheit jemanden glücklich zu machen, kann die innere Unruhe auch nicht richtig stillen.

Und so sitze ich um 18:30 Uhr neben meinen Eltern und meinem Bruder an einer riesigen Tafel mit 25 Menschen, von denen 21 eine Gelassenheit ausstrahlen, die nur von den ausgestopften und tatsächlich freudig dreinblickenden Jagdtrophäen an der Wand übertroffen wird. In Gedanken voll bei der Sache und ohne blassen Schimmer, dass außerhalb dieses Raumes irgendetwas Wichtiges vonstatten gehen könnte.

Doppelschlag durch Dante und de Camargo

Meine Freunde haben extra einen persönlichen SMS-Ticker organisiert, im 15-Minuten-Takt wechselt die Handy-Schicht und jemand anders berichtet vom Fernseher, was sich im Borussia-Park abspielt. Zuerst meldet sich sogar Stuttgart-Fan Sebastian zu Wort, der nach ein paar Minuten anscheinend aufgeben muss, weil es von seiner Mannschaft tendenziell die schlechteren Nachrichten gibt.

Filip Daems tritt nach elf Minuten einen Bobadilla-Köln-Gedächtnisfreistoß (Bobadilla, Köln – als sei das Jahre her). Doch das Memorandum ist nicht ganz so erfolgreich wie das Vorbild. Tasci hat noch seinen Arm in genügend natürlicher Haltung dazwischen und das Ding zischt knapp am Pfosten vorbei.

Alle paar Minuten vibriert von nun an das Handy in der Hosentasche, wobei mich jede SMS ein Jahr meiner Lebenserwartung kostet. Gladbach dreht im Borussia so rasant auf, dass Lisa mir das 1:0 durch Dante zusammen mit den beiden Reus-Chancen davor beichten muss. Gerade in jenem Moment wird die Vorsuppe gereicht, die ich der Kellnerin mit meiner Becker-Faust beinahe aus der Hand schlage. Nur wenige Minuten später vibriert es erneut, 2:0 durch de Camargo und die Einlage der Suppe scheint vor lauter Euphorie aus Goldnuggets zu bestehen.

Keine “Bayern-Imitation”? Denkste!

Vier Wangenpaare im Raum wandern steil nach oben. Zur Halbzeit schreibt Kerstin: „Ich leg‘ mich schonmal fest, 7:0 gewinnt ihr nicht. Stuttgart steckt nicht auf, aber ich glaub‘ auch nicht, dass ihr die Bayern imitiert.“ Im Rausch der ersten Zwei-Tore-Führung im eigenen Stadion seit zehn Monaten glaube ich plötzlich selbst daran. Und wenn ich mich viele Stunden später ahnungslos vor den Fernseher gesetzt hätte, wäre ich nach 45 Minuten der Wiederholung wohl siegesgewiss ins Bett gegangen.

Anders als in der Gaststätte wäre ich dann jedoch insofern schlauer gewesen, als ich die Viertelstunde vor der Pause und damit undurchdachte Gladbacher Versuche gesehen hätte, die Kontrolle über das Spiel zu behalten. Hoch, weit und blind – so lautet auf einmal und mal wieder völlig unerklärlich das Motto. Es hat den Anschein, als hätte es die Borussia – zum ersten Mal seit dem 2:2 auf Schalke wieder so früh so hoch in Führung – schlicht und einfach verlernt, die Rolle des Gejagten zu spielen.

Zur zweiten Halbzeit bringt VfB-Coach Bruno Labbadia zwei neue Spieler, nimmt seine schwächsten runter, stellt das System ein wenig um und wird in gesunden Dosen offensiver. Man ist weit davon entfernt, sich Bruno Labbadia als Trainer zu wünschen. Aber solch eine Maßnahme würde Michael Frontzecks Kompetenz in dieser Situation überschreiten. Während der Trainer noch vor einer Woche die richtigen Worte gefunden zu haben scheint, hätte eine Striptease-Einlage einer prallen Blondine diesmal wohl mehr Wirkung gezeigt.

Nach 27 Minuten ist die rote Laterne wieder da

Die erste Portion Wildschweinbraten ist kaum verteilt, da kommt die erste SMS nach der Pause. Und gleich breitet sich in meinem Magen ein Gefühl aus, als sei eine ganze Herde darin unterwegs. Pogrebnyak hat getroffen, nach 51 Minuten, ungefähr 39 Minuten zu früh, um die Nachricht vom Anschlusstreffer halbwegs gelassen aufzunehmen.

Schon die nächste SMS lässt das Wohnungsinventar wieder um einen Gegenstand wachsen. Harnik hat getroffen – die rote Laterne ist wieder da. Zum 15. Mal ist der VfL in dieser Saison in Führung gegangen, gegen Bayern und Mainz beispielsweise gleich zweimal. Zum elften Mal hat er mindestens den Ausgleich kassiert. Nur in Leverkusen ging er nach dem Ausgleich noch einmal in Führung und brachte den Sieg danach über die Runden. Es sind die großen Bilanzen, die bei der Borussia die Aura des Abstiegs verbreiten. Doch das Gespenst steckt mindestens so sehr im Detail.

Danach herrscht lange Zeit Funkstille, was nicht daran liegt, dass von den Großstädten Dortmund und Wuppertal aufs Dorf gesimst wird. Es passiert einfach nicht viel im Borussia-Park. In der Nacht wird die Wiederholung auflösen, dass Gladbach daran die größere Schuld trifft.

Stellst du dich blöd an, kommt auch noch der Schiedsrichter dazu

Natürlich wäre es nicht genug der Qual, sich selbst von den Beinen zu holen. Nein, ohne Schubser von hinten geht es nicht. Man kann nicht einmal fallen und sich noch mit den Händen abstützen. Nein, es muss voll aufs Gesicht gehen. Nach einer Ecke von Reus kommt wieder Dante zum Kopfball, Keeper Ulreich kommt nicht dran, wofür Dante selbst jedoch am wenigsten kann. Idrissou kann mühelos einschieben – denkste. Schiedsrichter Kinhöfer schien so irritiert gewesen zu sein von all den Leuten in weißen Trikots, dass er die Aktion von Dante gegen Ulreich sofort abgepfiffen hatte. Doch der Übeltäter war kein belgischer Brasilianer, sondern ein deutscher Österreicher – Harnik hatte seinen Torwart am allermeisten behindert.

Ein Punkt wäre nach 2:0-Führung zwar immer noch zu wenig. Wer aber in zehn Heimspielen erst drei geholt hat, der muss selbst eine Steigerung der Ausbeute um 33 Prozent dankend annehmen. Doch dann klingelt mein Handy und im Grunde erklärt sich ein plötzlicher Anruf nach zig SMS fast von selbst: Es gibt Elfmeter, Elfmeter für Stuttgart. Ich eile schnell raus an die frische Luft auf den Hinterhof der Gaststätte. Das niederrheinische Funkloch schluckt beinahe alles, was vom anderen Ende übermittelt wird, aber die Essenz kommt an: Gebhart hat das 3:2 erzielt. Geschockt lasse ich das Handy wieder in der Hosentasche verschwinden. Auf einer Leine hat der Wirt, ein passionierter Jäger, seine Beute vom Vormittag aufgehängt: Elf tote Kaninchen. Kein Witz, ich habe nachgezählt.

In der Geburtstagsrunde werden vier Leute kreidebleich, vier Wangenpaare erleben nach dem steilen Aufstieg den noch tieferen Fall. Keine der anderen zwölf Saisonniederlagen hat so weh getan. Wahrscheinlich hat keine andere Niederlage in meinem Fanleben so weh getan. Obwohl lediglich der Punkteabstand von vor zwei Wochen wiederhergestellt ist, fühlt es sich in diesem Moment unmittelbar nach dem Abpfiff an wie der Abstieg.

Fußball-Masochismus vor dem Fernseher

Um halb zwei geht es schließlich nach Hause, nach fünf weiteren Stunden, in denen man sich echt zusammenreißen musste, um ein Geburtstags- und kein Trauerfeier-Gesicht zu machen. Egal wie spät es ist, ich will trotzdem wissen, wie man ein 2:0 im eigenen Stadion gegen das schwächste, noch sieglose Auswärtsteam der Liga verspielen kann. Um zwei Uhr beginnt das Spiel in voller Länge.

Und ja, es sieht wirklich besser aus im ersten Durchgang, alles sieht besser aus als noch in der Hinrunde. Stefan Effenberg lobt im Halbzeitgespräch die Neuzugänge. Alles besser, alles toll. So kann das was werden mit dem Klassenerhalt. Dass Gladbach bereits 15 Minuten lang aufgehört hat, Fußball zu spielen, ist da nicht von Belang. Stuttgart wird dargestellt wie der sichere Absteiger – nur um wenige Minuten danach eigenständig den Stein vom Eingang des Höhlengrabs wegzurollen, auf die Füße aller Borussen. Nach 73 Minuten habe ich genug gesehen, es ist mittlerweile halb vier.

Am nächsten Morgen hat mein Vater beim Bäcker anscheinend zu lange warten müssen und ist auf dumme Gedanken gekommen. Auf dem Wohnzimmertisch liegt der Express. Axel S. hat geschrieben und Axel S. sieht – ich drücke es mal so aus, dass die Aussage von der Meinungsfreiheit gedeckt wird – nicht sympathisch aus. „Pleiten-Park“, „Plattbach“ – seine Wortspiele sind so kreativ wie ein Hell‘s Angel im Töpferkurs für Fortgeschrittene. Das Siegtor hat „Gebhard“ erzielt, die VfB-Spieler anschließend ausgelassen vor der Nordkurve gefeiert (will schwer für sie hoffen, dass sie die Südkurve genommen haben) und sechs Punkte auf den Relegationsplatz sind so viele „wie nie zuvor“. Nach dem bittersten Spiel der Saison tut es da fast schon gut, wenn man herausfindet, dass es Leute gibt auf dieser Welt, die ihren Job noch schlechter machen als Frontzeck, Levels, Daems und Co.

Gegen St. Pauli wird Dante fehlen. Sein Platzverweis war vom Funkloch verschluckt worden. Vor einer Sperre bewahrt ihn das nicht. Stuttgart wird von der Überzahl nicht mehr viel gehabt haben, dafür profitiert die Konkurrenz vom Fehlen des einzigen Hoffnungsschimmers mit Afro. „St. Pauli ist sehr heimstark“, verkündete Michael Frontzeck am Tag nach dem 2:3 im Interview (beim 3:54). In der Tat: Der Aufsteiger hat zu Hause neun Punkte mehr geholt als die Borussia – das reicht für Platz 17 in der Heimtabelle. Nachdem vor einer Woche scheinbar alles in Butter war, ist es nun einfach nur erbärmlich.

PS: Falls Kommentator “Si” das hier lesen sollte: Deine Mail am Samstag habe ich gelesen und beantwortet, mein Mail-Programm hat sich aber geweigert, sie zu verschicken, weil deine Adresse angeblich nicht existiert.

07. Februar 2011 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 11 Kommentare

Kommentare (11)

  1. Uff. Was ein Spiel. Im Gegensatz zu Dir habe ich es in “Echtzeit” gesehen. Unfassbar. Stuttgart war mausetot. Ich hab es nicht verstanden. Wenn dann noch Herr Kinhöfer hinzu kommt. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.
    Ich drück trotzdem weiter die Daumen, Pauli schlagen. Ranrücken.

  2. Hallo Jannik,

    lass den Kopf nicht hängen. Schlimmer geht’s nimmer. Wenigstens ist Dein Bericht dazu in der Lage, für ein Wenig Belebung unter den toten Borussen zu sorgen.

    PS: Hab sehr lange nichts mehr von Dir gehört.

    Gruß Daniel

  3. guter artikel zur miesen lage.. ich habe mich schon lange nicht mehr so aufgeregt wie samstag. im normalfall regt man sich über das unvermögen seiner eigenen mannschaft auf aber wenn der schiri dann noch hinzukommt hat man auch noch einen grund seine wut rauszulassen. aber es ist niemand zu schaden gekommen.
    zu wissen wie das spiel ausgeht und sich dann nachts das ganze leid nochmal anzuschauen, respekt. das hätte ich nicht durchhalten können.

  4. 11 tote Kaninchen, wirklich? Wenn das nicht mal das schlechtste Omen der ganzen Saison ist!!!

  5. War am Vorsonntag in Frankfurt und habe mich über den Dreier gefreut. Nach dem 2:0 zur Pause war ich mir eigentlich sicher,
    daß nichts mehr anbrennen würde. Aber denkste. Haarsträubende
    Fehler (Daems,Levels) und die Nichtreaktion auf die Stuttgarter
    Mittelfeldumstellung haben das Blatt schnell gewendet. Warum hat
    man nicht Fink als 3. Defensivmann gebracht oder Idrissou weiter
    nach hinten beordert ? Nordveit und Neustädter waren doch für jeden
    erkennbar hoffnungslos überfordert. Zeigte sich auch schon in Halbzeit 1 in Ffm, wo sie sich dann aber deutlich gesteigert haben.
    Und zu guter Letzt noch Herr Kinnhöfer. Er hatte ganz eindeutig
    auf Torwartbehinderung entschieden. Wohl nachdem er zum x-ten mal
    am Fernseher seinen Fehler erkannt hatte, entdeckte er auf einmal
    Dantes Hand als Grund für die Aberkennung eines ganz regulären Tores.
    Wäre es tatsächlich so gewesen, hätte er es mit einer einfachen Geste allen Beteiligten und den Zuschauern deutlich machen können.
    Wo hat er eigentlich hingeschaut, als der linke Außenmann der Stuttgarter Mauer den Daems-Freistoß mit dem sich zu Ball hinbewegenden Arm um den Pfosten lenkte ?
    Die Krönung dann der Elfer. Dante spielt eindeutig zuerst den Ball, der rechtwinklig vom Stürmer zur Seite rollt (Kann dieser ja wohl kaum so geschossen haben).Dieser läßt sich natürlich dankbar über das ausgestreckte Bein fallen. Der Rest ist bekannt.
    Waren ohnehin nicht die einzigen Fehler des “Supergespanns”. Ich
    denke zum Beispiel noch an den Abseitspfiff gegen den allein auf den
    Torwart zulaufenden de Camargo. Dummerweise stand noch ein Stuttgarter Abwehrspieler mindestens 3-4 Meter näher zum Tor, was auch der Sky-Kommentator sofort anmerkte.
    Ich hoffe der Schiedsrichter-Beobachter hat die Superleistung der
    arroganten Herren in Schwarz zutreffend gewürdigt. Ich zweifle aber
    daran. Ist ja auch einer aus dieser Zunft.

  6. Ich weiß nicht, ob ich das hier und heute schreiben darf, aber ganz ohne Häme: sehr vergnügliche Lektüre. Sprachlich und so. Über das rein Sportliche will ich gar nichts sagen.

  7. Starker Blog!

    Ich konnte das Spiel leider auch nicht sehen und nur mit dem Radio verfolgen. Ich hatte dagegen in der Halbzeit sehr schlechte Laune, dafür am Ende aber sehr gute ;)

  8. Über die Qualität des Berichts: siehe comment von heinzkamke – 1900% agree!

    Die 11 toten Kaninchen! Ein schaurig-schönes Sinnbild. Mußte da allerdings auch kurz an die Dead Rabbits von “Gangs Of New York” denken – nur so btw.

    “keine andere Niederlage in meinem Fanleben so wehgetan”…

    Ging mir ähnlich – allerdings hatte ich auch kurze Zeit nach dem Schlußpfiff ein Deja Vu. In meiner Erinnerung noch dreckiger ging es mir in der Saison 97/98. Damals relativ frisch in Berlin guckte ich mir das Spiel Lautern vs. Gladbach in ner Kneipe an. Wir standen aufm Abstiegsplatz und pfiffen so richtig aus dem letzten Loch. Spielten aufm Betze ziemlich gut und gingen 2:0 in Führung. Olaf Marschall machte danach noch 3(!) Kopfballtore und wir verloren 2:3.

    Ich verdrückte Tränen – für mich war das der Abstieg! Danach kloppten wir noch 5:2 Rostock weg und gewannen auch gegen Wolfsburg – die anderen spielten auch für uns. Wir blieben noch drin.

    Wie gesagt: ein Deja Vu. Vielleicht ja ein kleines Omen dafür, daß wir es doch noch irgendwie schaffen diese Saison. Bin nächstes Wochenende in Hamburg, um im Millerntor alles dafür zu geben, daß wir wieder leben.

  9. Hallo Jannik,

    deine Berichte sind Lichtblicke in der zur Zeit allzu tristen BMg Welt!

  10. Erstmal ein kollektives Danke für all eure Kommentare! Kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich bittere Pleiten früher verarbeitet habe. So ist die Therapie jedenfalls sehr effektiv.

    @heinzkamke: Gerne angenommen das Lob.

    @Neuköllnfohle: Oh ja, die Übereinstimmung mit dem Lautern-Spiel damals ist ja fast schon erschreckend. Da kann ich mich sogar noch gut dran erinnern. Durfte mit meinen acht Jahren lange aufbleiben und alles live mit ansehen. Die Woche danach dann gegen Rostock auf’m Bökelberg gewesen. An dem Saisonfinale baue ich mich auch immer wieder gerne auf – es ist eben erst aus, wenn es aus ist.

    @Daniel: Bin doch hier.;)

  11. Es war in unseres Lebensweges Mitte, als ich mich fand in einem
    dunklen Walde, denn abgeirrt war ich vom rechten Wege.” Dante Inferno
    III, 9

    Lieber Dante,

    da bist Du nun, ganz gleich ob in Bielefeld oder am Niederrhein dafür bekannt, dass Deine Frisur streitbar ist. Am Einsatzwillen mangelt es nicht: Du läufst viel und der Kopfball könnte in seiner heutigen Form von Dir entwickelt worden sein. Du hast aber nicht nur die Haare schön und das Spiel auf der grünen Wiese lieb, sondern darüber hinaus auch einen Trainer, der sich leider mehr mit dem Abstieg in die zweite Liga (nimmt man die Trainerstationen in Aachen und Bielefeld mal nüchtern zu Kenntnis!), als mit dem Zug zu den Europa-League- Plätzen auskennt.

    Nun ist das alles nicht genug! Du bist lange verletzt, kommst zurück, machst ein überzeugendes Tor mit dem Kopf und bringst Deine
    Mannschaft durch eine 2:0 Führung mit dem sicheren Gefühl des Sieges in die Pausenhalle. Nach zwei Milchschnitten und drei Bier kommst Du zurück auf den Platz und lässt Dich von Bruno an die Wand
    spielen, … Ausgleich 2:2. Der Schlag sitzt tief; wie plötzlich
    ausgenüchtert findest Du ins Spiel zurück und machst Dein zweites
    Tor, … aber hast Du den Ball mit der Hand gespielt? Das Tor zählt
    nicht, weil Du offenbar vergessen hast, mit dem Mann in Schwarz auf
    den bevorstehenden Sieg in der Halbzeitpause anzustoßen. So etwas
    wäre zu Hennes Zeiten nie passiert! Das Tor zählt nicht und die
    Raute im Herzen ist verwundet! Doch beleidigte Schiedsrichter sind
    nicht zu unterschätzen. Du gibst nicht auf, du bleibst am Ball, du
    kämpfst auch für deinen untalentierten Kollegen Levels nach allen
    erlaubten Regeln der Fußballkunst, … du spielst den Ball, der Russe fällt, der Schiedsrichter pfeift, und Du musst einsam mit einem misslungenen Comeback vom Platz! Der Rest, d.h. der Weg in die zweite Liga, ist Kommentar, war abzusehen und ist mit einem Trainer, mit dem man nur für die zweite Liga planen kann, nicht wirklich verwunderlich. Doch Dantes Inferno ist nicht das Ergebnis 2:3, sondern die menschliche Tragödie des Dante, die berührt. “Hier ziemt es jeden Argwohn zurück zulassen. Jede Feigheit muss hier ersterben.”
    Dante Inferno III, 21

    Dante, auch wenn du dich vom Schiedsrichter betrogen und verpfiffen
    fühlst, eine Antwort für den Umgang mit Ihnen findest du in deinem
    Inferno: “Reden wir nicht über Sie, schau und geh Deinen Weg.” Dante
    Inferno III, 5. Schiedsrichter entscheiden täglich auf der ganzen
    Fußballwelt über Schicksale.

    Einziges positives Ergebnis der Tragödie: Vielleicht sieht man Dante
    in der kommenden Saison wieder auf der Bielefelder Alm, … nicht auf
    dem Rasen, sondern als Dauerkartenbesitzer auf der Tribüne und wir
    singen: “Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön!” Aber da
    muss ich erst mal bei Ewald anfragen, ob da noch was zu machen ist.
    Eines ist aber ein nicht zu bestreitendes Faktum: Frontzeck ist und
    bleibt ein Trainer für die zweite Liga. Im Oberhaus der Fußballkunst
    verantwortet er in Bielefeld und in Gladbach nur noch menschliche
    Tragödien. Armer Dante, … du bist nicht allein.

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