Champions-League im ZDF: Die Win-Lose-Situation

Ab 2012 zeigt das Zweite Deutsche Fernsehen wieder die Königsklasse im Öffentlich-Rechtlichen. Die Meinungen sind geteilt. Bleibt die Frage, ob sich dieselben beschweren, die ohnehin immer vorne dabei sind, wenn es um ihre Gebühren geht.

Der Aufschrei war groß vor wenigen Wochen: Für 54 Millionen Euro hatte sich die ARD Übertragungsrechte von Boxkämpfen gesichert. “Gebührenverschwendung!”, tönte es aus allen Ecken, und das auch noch für Männer, teils zwielichtige Gestalten, die sich am Samstagabend vor die Mappe hauen. Man musste kein Anti-Sportler sein, der mit dem Rücken auf der Couch liegend die Abschaffung der GEZ-Gebühren fordert, um die Kritik nachzuvollziehen.

Jetzt hat sich das ZDF das Größte gesichert, was der Vereinsfußball auf der Welt zu bieten hat: Für angeblich 54 Millionen Euro pro Saison übertragen die Öffentlich-Rechtlichen aus Mainz drei Jahre lang die Champions League. Im Paket sind 18 Spiele pro Jahr enthalten, macht in etwa drei Millionen Euro pro Partie.

Schaut man sich die Reaktionen im Netz an und sucht beispielsweise nach den Hashtags #cl und #zdf auf Twitter, dann ergibt sich mindestens ein geteiltes Bild. Gefühlt sind die Kritiker des Coups, der Sat. 1 ziemlich düpiert hat, sogar in der Überzahl. Fragt sich nur, ob da dieselben schreien, die immer schreien, oder ob die Grundversorgung plötzlich allen derart am Herzen liegt.

Natürlich war die Champions League bereits im Privatfernsehen zu sehen. Aber wenigstens die Befürworter scheint ein Urvertrauen in die Öffentlich-Rechtlichen zu verbinden, das sie über Namen wie Katrin Müller-Hohenstein und Béla Réthy mit aller Euphorie hinwegsehen lässt. Das war in der vergangenen Jahren nicht immer so. Lindenstraße gegen GZSZ, Wetten, dass…? gegen Das Supertalent, heute gegen RTL Aktuell – nicht überall zehren ARD und ZDF noch von ihrem Nimbus, dass in den Köpfen vieler Zuschauer alles, was etwas kostet, ja auch irgendwie gut sein muss.

Wer nun jedoch vorschnell “GEZ” in den Pupillen stehen hat, der vergisst, dass das ZDF an 18 Abenden im Jahr kein anderes Programm ausstrahlen muss. Da die Berichterstattung um 19:20 Uhr nach den heute-Nachrichten beginnen soll, um die Werbepartner der Uefa auf geschickte Weise zu entschädigen, winken rund dreieinhalb Stunden Übertragung. Wer glaubt denn, dass eine Quizshow mit Jörg Pilawa oder der 764. Spielfilm mit Christine Neubauer kein Geld kosten?

Das Finale Bayern gegen Inter sahen vergangenen Mai 11,89 Millionen, zuletzt die Revanche in Mailand 8,02 Millionen. Schalke kam bei seinem Sieg gegen Lyon im November auf 5,49 Millionen Zuschauer. Unterm Strich dürfte das ZDF damit künftig bessere Quoten einfahren als an fußballlosen Tagen. Es wird ein jüngeres Publikum bedient, eine Umverteilung findet statt. Zugegeben: Damit machen es sich die Mainzer relativ leicht. Der Fußball ist ein Selbstläufer, kein ausgeklügeltes und innovatives Sendekonzept für eine jüngere Zielgruppe.

Fans freuen sich jedoch, weil sie in Zukunft mehr für ihre 17,89 Euro im Monat bekommen. All die Kritiker, die jeden Neubauer-Film mit Sicherheit auf VHS-Kassette im Regal über dem Fernsehen liegen haben, ärgern sich. Unterm Strich bleibt die Champions League im ZDF so wohl eine Win-Lose-Situation.

05. April 2011 von Jannik Sorgatz
Kategorien: TV, Radio, Print & Internet | Schlagwörter: , , , , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Sehr guter Beitrag. Genau meine Meinung. Mal abgesehen davon, dass ich eh für einen ÖR Sportkanal bin, aber das ist ein anderes Thema.
    Aus meiner Sicht sind Gebühren in jede Form von Information und Sport am besten investiert. Filme, Serien, Shows und Unterhaltung brauche ich nicht.

  2. Jährlich. 54 Millionen jährlich. Da kann man schon eine Menge Mainzelmännchen mit bezahlen.

  3. Ist korrigiert, entschuldige den Fehler. Nüchtern betrachtet kann man natürlich seine Zweifel an der Entscheidung haben. Aber Fußballfans, die das ganze befürworten, werden größtenteils an sich selbst denken und sich freuen, dass sie konkret etwas Greifbares für ihre Gebühren bekommen. Das Meinungsgefüge dürfte auf beiden Seiten also ziemlich festgefahren sein.

  4. Wenigstens mal etwas, für das ich auch gerne bereit bin GEZ Gebühren zu bezahlen!

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