Sportliche Verbalerotik

Eine Frage, viele Antworten. Wie haben sie’s denn jetzt gemacht, Herr Gomez?

ZDF-Videotext Seite 200. “Gomez-Tor mit dem Mittelteil”, darüber soll Seite 205 berichten. Ein einfaches Tor erhält fast genauso viel Aufmerksamkeit, wie die erste Saisonniederlage des FC Bayern. Eigentlich kein Wunder. Wenn die Verantwortlichen des “krisengeschüttelten” Rekordmeisters so einheitlich schweigen, muss man schließlich nehmen, was man kriegt.

“Gomez nudelt sich zum Doppelpack” hatte ich persönlich als notgeile Überschrift in der BILD erwartet. Meine Befürchtungen, dieses Tor könne den Verbalerotikern unter den Wortspielkönigen ein gefundenes Fressen sein, bestätigen sich vollends beim Blick auf die BILD-Homepage.
“Gomez eiert Bayern in die Krise” heißt es da. Und es geht munter weiter: “Sein irres 1:0 – ein ganz krummes Ding.” Aber das ist noch nicht alles: “Einfach geil, dieser Gomez!”, hüpft der Verfasser immer noch auf der Spielwiese der Verbalerotik herum.

Das nächste Zitat ist wohl ein Fall für den BILDblog und zeigt, wie sehr der Stil des Arbeitsgebers einen Journalisten beeinflussen kann.
“Es war irgendwas dazwischen. Und es tat weh”, beteuert Gomez “verschämt grinsend” im ZDF-Videotext. Der werte BILD-Mitarbeiter will dazwischen noch ein plötzlich nicht mehr verschämt grinsendes “es war groß” gehört haben. Lassen wir ihm die Freude, ihm bleibt ja nichts anderes übrig.

Der „Kicker“ diagnostiziert derweil ein Hüft-Tor, andere wollen den Ballkontakt etwas weiter unten am Oberschenkel gesehen haben und der Patient sagt selbst, es sei das “Mittelteil” gewesen.
Als ginge es um den Award für die „Skandalöseste Enthüllung in einem Interview 2007“ wird nachgefragt, bis Mario Gomez endlich die exakten Koordinaten des Körperteils bekannt gibt, das stellvertretend für die traditionellen Torschussutensilien Kopf und Fuß seinen Führungstreffer gegen den FC Bayern München erzielt hat. Doch mit schleierhaften Aussagen lässt Gomez die löchernden Reporter im Regen stehen. Gut so.

Denn eigentlich unterstreicht sein Treffer, der gestern allerorten anatomische Verwirrung auslöste, nur erneut seine Klasse. Der Mann trifft seit zwei Wochen aus allen Lagen, in allen Spielen und mit jedem seiner 189 cm Körpergröße. Ob Hüfte, Oberschenkel, Bauch oder was auch immer – auch Körperteile sind Schall und Rauch.

11. November 2007 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Innenrist, TV, Radio, Print & Internet | Schreibe einen Kommentar

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