Nur die Krise zählt

Saison 2011/2012: 8. Spieltag bis 2. Runde Pokal, 1. bis 25. Oktober

Drei Spiele in Folge bleibt die Borussia im Oktober ohne Sieg. Warum? Die Antwort bringt erst der Dezember. Vieles bleibt derweil beim Alten: Auf dem Sofa gewinne ich keine Spiele, Filip Daems verschießt keine Elfmeter, Gladbach kann Leverkusen im eigenen Stadion nicht schlagen und André Schürrle schießt nur bittere Tore.

Dieses Kapitel wird das einzige über die Hinrunde sein, das von einer Krise handelt. Es gab Zeiten, da konnte man alleine mit Krisen Bücher füllen. 2010 blieb Gladbach einmal neun Spiele lang ohne Sieg und verlor vor der Winterpause fünfmal in Folge. 2009 waren es ebenfalls fünf Pleiten hintereinander, die für Unruhe sorgten. 2008, Wiederaufstieg, musste Jos Luhukay nach nur einem Sieg aus sieben Spielen frühzeitig gehen. Die verheerende Krise der Hinrunde 2011 beginnt in Freiburg.

Es ist der erste Samstag, den ich in meiner neuen Heimat verbringe. In Saarbrücken hängen noch nicht alle Bilder an der Wand, die Waschmaschine steht gerade erst im Keller, aber der Sky-Decoder läuft bereits. Rechtzeitig zum Anpfiff in Freiburg ist er per Post gekommen. Der DHL-Mensch wird sich lange gefragt haben, warum ich mehrmals “guter Mann, guter Mann” genuschelt habe. Um 17:18 Uhr jedoch wünsche ich mir, er hätte es nicht mehr gepackt.

Der lebendigste Chancentod aller Zeiten
Es bleibt die alte Leier: Vor dem Fernseher auf der Wohnzimmercouch geht einfach nichts – auch nicht in Saarbrücken. Gladbach muss dieses Spiel nicht verlieren. Der einzige Grund, der dafür spricht, ist die Tatsache, dass es die Elf vom Niederrhein dennoch tut. Freiburg genügt ein abgefälschter Schuss von Johannes Flum zum zweiten Saisonsieg. In den neun Spielen danach wird nur ein einziger folgen. Das 0:1 im Breisgau ist das erste Kapitel der Geschichte: “Wie die Borussia es schaffte, sowohl gegen das schlechteste als auch gegen das zweitschlechteste Team der Hinrunde zu verlieren”.

Marco Reus schreibt das nächste Kapitel seiner Chancenodyssee. Für den 22-Jährigen ist es ein Teufelskreis: Wer sich Möglichkeiten erarbeitet, die andere gar nicht hätten, läuft gleichzeitig Gefahr, mehr liegen zu lassen als andere. Trotz Niederlage bleibt die Borussia auf Platz drei. Dabei war es doch 15 Jahre lang so, dass selbst fünf Siege hintereinander nicht genügt hätten, um überhaupt von derartigen Sphären träumen zu dürfen.

Ich muss also weiter auf den ersten Sofa-Erfolg seit November 2008 warten. Und Pechsträhnen sind übrigens multitaskingfähig: Denn während ich in meiner neuen Wohnung den Sky-Decoder installiere, verliert der 1. FC Saarbrücken sein erstes Spiel, nachdem er zuvor 21 Mal in Folge gepunktet hat. Bis Weihnachten wird der FCS nur noch zweimal erfolgreich sein – immer dann, wenn ich vor Ort im Stadion bin. Selbst nach tristen Nachmittagen wie dem in Freiburg muss man sich immer wieder kneifen, um zu realisieren: Um ein Haar hätte die Borussia nur eine Liga über Saarbrücken gespielt.

Reisebus ins Gesicht
Zwei Wochen später, nach der Länderspielpause. Kurz bekommt es der ganze Borussia-Park mit der Angst zu tun. Leverkusens Keeper Bernd Leno scheint es böse erwischt zu haben. Nur einer schaut vorwurfsvoll, winkt kopfschüttelnd ab, weil er die Welt nicht mehr versteht – Marco Reus. In der Türkei hat er sein Nationalelf-Debüt gefeiert. Mehr als ein Jahr lang war es meist eine Nachricht gewesen, dass er es nicht gefeiert hatte.

Gerade fünf Minuten ist es her, dass André Schürrle bewiesen hat, wie schmerzvoll seine Tore auch dann sein können, wenn er das Trikot von Bayer Leverkusen trägt und es für die Borussia nicht um den Klassenerhalt geht. Gleichzeitig kassiert Gladbach erst zum zweiten Mal unter Lucien Favre zwei Gegentore. Aber dann ist die Chance noch einmal da: Reus taucht frei vor Leno auf, legt die Wut aus 90 Minuten und ein bisschen Nachspielzeit in den Schuss – und trifft schon wieder nicht ins Tor. Stattdessen bekommt Torwart Leno gefühlt einen Reisebus ins Gesicht. “Herausragend”, schreibt der Kicker am Montag danach über einen von zwei Männern des Spiels, “wehrte mit allen Körperteilen Borussias Schussversuche ab.”

Im weiteren Verlauf der Hinrunde werden sich Lucien Favre und Co. ein ums andere Mal beschweren, dass ihr Erfolg nur auf einen Namen reduziert wird. An diesem Nachmittag ist Gladbach aber ohne Zweifel in erster Linie – Marco Reus. Falls über dieses Spiel in 20 Jahren noch jemand reden sollte, wird er sicher unter den Tisch fallen lassen, dass die Borussia erst wenig zustande bringt und dann ganze 45 Minuten einem Rückstand hinterherläuft. Denn in die Erinnerung brennt sich eine Mannschaft ein, die den Vizemeister in allen Belangen auseinandernimmt – nur nicht auf der Anzeigetafel.

Herrmanns Initialzündung
Erst nach 65 Minuten bricht der Bann: Reus ist auf und davon, schlägt in bekannter Manier seine Haken wie ein Hase, so dass man sich überlegen sollte, ob nicht in Wirklichkeit Hasen ihre Haken wie Reus schlagen. Diesmal hat Leno kein Körperteil mehr dazwischen. Es steht 1:1 und die meisten der 52.858 Zuschauer atmen einfach nur auf: Er kann es noch und wird keine bleibenden mentalen Schäden aus diesem und den vorherigen torlosen Spielen davontragen. Bekloppt, dass man so etwas zu diesem Zeitpunkt der Saison noch für möglich hält.

Sieben Minuten später dreht Patrick Herrmann das Spiel völlig. 16.000 Menschen mehr als beim letzten Heimspiel gegen Leverkusen im Januar 2011 glauben daran, dass nach 22 Jahren endlich wieder ein Heimsieg gegen Bayer möglich ist. Herrmann wird nach dieser Partie in jedem Pflichtspiel in der Startelf stehen. Was für Marco Reus einst ein Solo gegen Mainz 05 war, könnte für Herrmann sein wunderbarer Lupfer über Leno hinweg sein – die Initialzündung.

Dass es am Ende dennoch nichts wird mit dem Dreier, ist eigentlich die absurdeste Geschichte der Hinrunde. Selten dürfte eine ehemals todgeweihte Mannschaft den vom Personal her klar überlegen Vizemeister dermaßen beherrscht haben, ohne ihn am Ende auch zu besiegen. Wieder ist es Schürrle, wie damals im April 2011 gegen Mainz. Wieder tut es weh, doch der Schmerz ist purer Luxus. Denn trotz der verschenkten zwei Punkte springt Gladbach auf den zweiten Tabellenplatz – und ist immer noch die einzige Mannschaft, die dem FC Bayern in 14 Spielen einen eingeschenkt hat.

Igor de Camargo, der Torschütze aus dem August, fehlt gegen Leverkusen übrigens verletzungsbedingt – irgendetwas mit Glasknochen.

Stück mal ein Rück
Früher waren Auswärtsspiele im Bereich der 4er- und 5er-Postleitzahlen gefühlte Heimspiele. Mittlerweile ruft alles zwischen 60000 und 75000 zwingend dazu auf, mich auf den Weg zu machen. Der Saarländer ist für mich ein Ruhrgebietler mit französischem Touch. Der Ausstieg in der Straßenbahn wird zweisprachig angegeben. Da ist es nur konsequent, zum Auswärtsspiel gegen Hoffenheim mit dem TGV zu fahren. Erster Halt: 68159 Mannheim.

Losgefahren bin ich alleine, doch selbst in Baden leidet kein Gladbach-Fan an Einsamkeit. Zumal das Spiel um 15:30 Uhr in 74889 Sinsheim angepfiffen wird und der Gegner aus einem Dorf kommt, das nicht einmal eine eigene Postleitzahl hat. Konkurrenz in der Fangunst: Fehlanzeige. Der Bahnsteig ist voller Borussen.

Irgendwo zwischen dem Arsch der Welt und Toter Hose steigt schließlich Alexander aus meinem Abiturjahrgang mit zwei Freunden zu. Er studiert in Würzburg. Alexander wird alles genannt, nur nicht Alexander. Bleiben wir trotzdem korrekt. Jedenfalls will sich Alexander hinsetzen. “Ey Kollege, rück’ mal bitte ein Stück”, sagt er zu einem Fahrgast, der sich etwas zu breit macht. Nun zeichnet sich auch Alexanders Größe vor allem durch Breite aus, was dem Fahrgast (so völlig wertungsfrei wollen wir mal bleiben) ziemlich sauer aufstößt. Korpulenz verwechselt er doch glatt mit Unfreundlichkeit.

Jones’ Arbeitsverweigerung
In den folgenden Minuten, bis wir endlich in Sinsheim ankommen, entbrennt eine heftige Diskussion, die sich vor allem um Alexanders niederrheinisch-freundliches “Kollege” dreht. Der Fahrgast – er kommt aus Frankfurt – wäre wahrscheinlich lieber angepöbelt worden, als in der Regionalbahn mit einem Hauch von Nettigkeit bedacht zu werden.

Jedenfalls erhalten Alexander, seine zwei Freunde und ich schnell das Angebot, die “Sache” doch am besten “draußen zu regeln”. Manchmal meine ich, dass Konflikte mit solchen Menschen ausschließlich in geschlossenen Räumen entstehen, damit sie als ultima ratio auch bloß “draußen” anbieten können. “Draußen” eben. Egal, wo man gerade ist. Und sei es Sinsheim Bahnhof. Wir lehnen dankend ab und nehmen nickend den Hinweis auf, dass wir froh sein können, nicht in Frankfurt in diese “Sache” geraten zu sein: “Denn dann wären wir jetzt alle in der Notaufnahme.” Der Junge hat wohl noch nie ein Eigentor von Logan Bailly mit der Faust gesehen.

Wen diese ganze Story interessiert? Nun ja, stattdessen könnte ich 90 Minuten Bundesliga-Fußball haarklein rekapitulieren. Ich verspreche: Dagegen ist es eine Wonne, im Zug von einem halbstarken Frankfurter angepöbelt zu werden, den nicht einmal Jermaine Jones babysitten würde. Und: Es ist so ziemlich der letzte Reibungspunkt an einem Nachmittag, der sich zum langweiligsten der gesamten Hinrunde aufschwingt. (Ok, später gegen Bremen wird es auch langweilig, nur auf völlig andere Art und Weise.)

Go-go-Maradona Hoffi
Bei Burger King – immerhin in dieser Hinsicht ist das Gewerbegebiet nahe der Arena in Sinsheim gut ausgestattet – treffen wir noch auf eine tragische Gestalt. Wo man denn hier das Spiel gucken könne, will er wissen. Er trägt einen Gladbach-Schal. “Was hältst du vom Stadion?”, steht uns allen ins Gesicht geschrieben, ohne dass wir es aussprechen müssen. Aber das Stadion ist eben der Haken.

Dass er damals auf St. Pauli Pyrotechnik gezündet hat, gibt er sofort zu. Doch den Polizisten, den habe er auf keinen Fall angegangen. Trotzdem: ein Jahr Stadionverbot. Mehr als 300 Kilometer Busfahrt nach Sinsheim also, nur um das Spiel in einer Kneipe anzuschauen, die es vielleicht gar nicht gibt. Ein Martyrium, das sogar kurz Mitleid erregt. Immerhin ist es in den meisten Bundesligastädten besser um die Kneipenkultur bestellt.

Um halb drei liegen wir vor der Arena im Gras, vor unseren Augen alles und nichts auf einmal. Felder, Windräder, Hügel. Aber nichts, was einen erahnen lässt, dass hier in einer Stunde Bundesligafußball gespielt wird. Drinnen regiert Hoffi, der tanzende Elch, der aussieht wie ein Go-go-Girl mit Maradona-Figur und DVB-T-Antennen auf dem Kopf. Tatsächlich gelingt es dem Maskottchen, die Stimmung zu steigern. Anfangs glich sie einer Intensivstation, dann ist Finanzamt-Niveau erreicht. Zu wahr, um schön zu sein.

Vor Spannung sterben
Dann begrüßt der Stadionsprecher auch noch “die Fans von Werder Bremen”. Keiner fühlt sich angesprochen. Ein paar Tage später entlarvt ihn die Tageszeitung nach einer investigativen Höchstleistung als echten Gladbach-Fan. Selbst der Stadionsprecher ist bei der TSG Hoffenheim also reiner Dienstleister.

Dem Spiel fehlt es im Anschluss an echten Aufregern. In der 56. Minute erzielt Vedad Ibisevic das Tor des Tages. Es ist ein Stück Arbeit, so wie die Fusseln, die man sich abends aus dem Bauchnabel knibbeln kann: Nicht schön, aber genauso wenig zu verhindern. Der Kicker, das Gedächtnis der Fußball-Nation, will ein Spiel gesehen haben, das “von der Spannung” lebte. 30.000 Zuschauer, die vor Langeweile beinahe starben, werden das anders sehen.

Zwei, drei halbe Torchancen erarbeitet sich die Borussia. Das dritte sieglose Spiel in Folge bedeutet den verheerenden Absturz um fünf Tabellenplätze – auf Rang sieben. Noch immer ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz zu diesem Zeitpunkt größer als der Rückstand in der vergangenen Saison jemals war. Dennoch meint es Lucien Favre an diesem Tag wohl zum ersten und einzigen Mal ernst, als er eine “ganz, ganz schwere Saison” prophezeit.

Mit dem Spiel gegen Hoffenheim hat Favre als Gladbacher Trainer genauso viele hinter sich wie Michael Frontzeck in jener Spielzeit, die ohne seine Entlassung eine Abstiegssaison geworden wäre. Auf Frontzecks 16 Punkte hat Favre 37 folgen lassen. Sechs der sieben Niederlagen unter Leitung des Schweizers waren ein 0:1. Gladbachs Binärcode-Saison hat spätestens jetzt zwei Seiten. Doch was für die 1:0-Siege galt, trifft in der Folge auch auf die 0:1-Pleiten zu: Sie werden sich noch rar machen.

Kürzester Weg nach Europa
Rar gemacht haben sich spätestens mit dem ersten Bundesligabstieg 1999 auch jegliche Europacupambitionen. Im Jahr 2005 ging die Borussia auf Rang sieben mit nur einem Punkt Rückstand auf die UEFA-Cup-Plätze in die Winterpause. Nur 17 Punkte folgten in der Rückrunde, was die Ausbeute der ersten 17 Spiele deutlich relativierte. Die Saison 2005/2006 war ein Übergangsjahr voller Augenwischerei – der Übergang in die 2. Bundesliga.

Jahrelang galt der DFB-Pokal als kürzester Weg nach Europa. Immerhin zweimal bestritt Gladbach in diesem Jahrtausend ein Endspiel um die Europacupteilnahme, es hieß Halbfinale. Nachdem das jeweils in die Hose ging, sollte ich besser sagen: Verdammt nochmal, zwei Riesenmöglichkeiten wurden 2001 und 2004 vergeben! Halbfinale, zu Gast bei einem unterklassigen Team – reine Formsache. Aber dann kam ein Elfmeterschießen bei Union Berlin und kein Elfmeterpfiff in Aachen.

Besonders die Niederlage auf dem Tivoli im Jahr 2004 scheint den VfL so traumatisiert zu haben, dass er seitdem im Pokal rein gar nichts mehr gerissen hat. Fast ausnahmslos ist die 2. Runde in jeder Saison das Finale. Denn “Finale” kommt vom lateinischen Wort “finis” – das Ende. Der FC Heidenheim sollte da Ende Oktober doch ein wahres Geschenk der Lostrommel sein.

Zaubergurken
Durch meine Arbeit in Saarbrücken habe ich jetzt schon mehr Drittligaspiele gesehen als in meinem ganzen Leben zuvor. Einst waren es zwei Besuche in Wuppertal, jetzt habe ich schon ganze drei Spiele vom 1. FC Saarbrücken gesehen. Doch das reicht für die Erkenntnis, dass es drittklassigen Fußball gar nicht gibt. Die Spiele wandelten stets zwischen Viert- und Zweitklassigkeit, dazwischen ging selten etwas. Somit ist die 3. Liga, in der auch Heidenheim sein Zuhause hat, im Prinzip ein einziger Querschnitt all der Wahnsinnstaten, zu denen Fußballer imstande sind, bei denen es für die Bundesliga nicht reicht, wohl nie reichen wird oder nie gereicht hat – eben das Bindeglied zwischen Profi- und Amateurfußball.

Die eigenen Gesetze des Pokals kommen ja meist zu tragen, wenn ein Amateurligist sich im eigenen Stadion erfolgreich einmauert, um dann in einer Mischung aus Zauberei und Gurkerei das goldene Tor zu erzielen. An jenem Abend in Heidenheim zeigt sich eine neue Qualität des Einmauerns. Früher ging es dabei auf die Knochen. Die Mauer stand noch nicht, der Zement wurde erst angerührt. Heidenheim aber hat ein System und dürfte zumindest ein Video von den bis dahin elf Pflichtspielen des VfL gesehen haben.

Pfosten, drüber, drüber, gehalten, Außenpfosten, abgeblockt – es sind die gleichen Chancen, die Gladbach auch bei den drei 1:0-Siegen gegen Kaiserslautern, Hamburg und Nürnberg hatte. Nur lässt ein Tor diesmal 120 Minuten lang auf sich warten. Gleichzeitig aber gilt zum Glück auch hinten wieder, was im Sommer 2011 wegen EHEC lange Zeit für deutsche Einkaufskörbe galt: Gurken kommen nicht rein. Das Elfmeterschießen ist somit die folgerichtigste aller folgerichtigen Folgen.

Tausendpfund und Spann
Elfmal fiel in der Gladbacher Pokalgeschichte die Entscheidung erst vom Punkt. Viermal gewann die Borussia, dreimal davon in Heimspielen, nur einmal auswärts, bei den Amateuren von Mainz 05. Dem gegenüber stehen traumatische bis legendäre Niederlagen wie die in den Endspielen von 1984 (Lothar Matthäus und die Bayern) und von 1992 (irgendwelche Hannoveraner Zweitligaspieler). Doch damals schoss Filip Daems noch nicht die Elfmeter und im Keller des Borussia-Parks stand noch keine Filip-Daems-Klon-Fabrik.

Der Kapitän geht voran und macht den Anfang. Dante folgt ihm. Heidenheims Andreas Spann rutscht der Ball zwar nicht über seinen Nachnamen, gut geschossen ist sein Elfmeter trotzdem nicht – kein Problem für ter Stegen. Weiter geht es mit Nordtveit und Stranzl – sicher verwandelt. 16 Elfmeter in Folge haben Borussen damit nicht verschossen.

Heidenheims Florian Tausendpfund klingt zumindest nach einem sicheren Schützen, er kommt als Fünfter für seine Mannschaft. Der eben schon erwähnte Lothar Matthäus ist ja das Paradebeispiel dafür, dass bei zwei Fehlschüssen nicht immer automatisch der spätere einen Idioten aus dem Schützen macht. Norbert Ringels, anyone? Der machte 1984 erst die Gladbacher Pokalniederlage perfekt. Vielleicht ist es Florian Tausendpfund ein Trost, dass sich in 27 Jahren noch weniger Menschen an seinen Fehlschuss erinnern werden. Die Parade von Marc-André ter Stegen dagegen – dafür kann man schonmal ein Megabyte auf der Festplatte namens Hirn bereitstellen.

Dieses Kapitel sollte das einzige der Hinrunde über eine Krise sein. Wer daran glaubt, dass es jemals eine Krise gab, der wird sich mit dem knappen Weiterkommen im Pokal nicht begnügen. Wer nie eine Krise sah, der wird in Heidenheim eine Mannschaft gesehen haben, die sich durch nichts in der Welt von ihrem Stil abbringen lässt. Das kann eigentlich nur der FC Barcelona. Aber mal ehrlich: Die Borussia im Oktober 2011 mit Barca vergleichen? Absurd. Das kommt dann doch drei, vier Wochen zu früh.

15. Januar 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , | 6 Kommentare

Kommentare (6)

  1. Unglaublich – drei Spiele hintereinander verloren und “nur” Platz 7… eine KRISE! *g*!! Sowas habe ich in meiner ganzen Borussenlaufbahn noch NIE erlebt. Ich bin jedenfalls froh, die Hinrunde nochmals durch deine Augen zu sehen – und unterhaltsam ist es wie immer allemal…

  2. Mußt Du die ganzen DFB-Pokal-Wunden wieder aufreißen? Halbfinale 2001? Anwesend gewesen. 2 Stunden Dauerregen. Halbfinale 2004? Anwesend gewesen. Beim Freistoß zum 0:1 stand ich gerade direkt hintern linken Pfosten unten am Stadionzaun (hinter Clausi Reitmaier als er seine Mauer dirigiert) auf der Blicklinie Pfosten-Mauer-Ball und sehe, daß das nicht paßt. Patsch. 0-1. Um die Mauer gezirkelt. In den letzten 10 Minuten spielen die Aachener 3 mal Handball in ihrem 16er und der einzige, der das nicht mitkriegt, ist der Schiri. Das hätte mindesten 2 Elfer geben MÜSSEN!!! Finale 1992? Anwesend gewesen. Finale 1984? Komplett im TV gesehen! Ringels? Vor 2 Jahren beim Flexstrom-Cup in Berlin getroffen. Lediglich das 1992er Halbfinale erwähnst Du nicht. Anwesend gewesen. Ekstase pur!!! Allein schon dieses Spiel war es wert, die ganzen anderen nackenschläge ienzustecken. ;)

    Berlin, Berlin, wir fahren (noch 2 mal) nach Berlin!!!

    Schwarzgrünweiße Grüße von der Elbe,
    Martin

  3. @Fohlenfreundin: Jetzt mach’ die Krise nicht schlimmer als sie war – drei Spiele ohne Sieg, nicht drei in Folge verloren.;)

    @Martin: Den Deal gehe ich ja jetzt auch seit mehr als 15 Jahren ein – für jeden ekstatischen Moment muss man drei traumatische in Kauf nehmen. Nur hat sich das in den vergangenen Monaten irgendwie umgekehrt.

    Danke für eure Kommentare!

  4. Kurze Frage: Wann hat Gladbach unter Favre denn noch zwei Gegentore bekommen? Ich habe das schon mal irgendwo gelesen, komme bei allem Grübeln aber nur auf Lev.

    Danke übrigens für das schöne Buch, das eine kleine Therapie war, um die letzte Saison emotional zu bewältigen :-)

  5. @Zagallo: Gleich im zweiten Spiel in Wolfsburg (1:2).

    Danke! Ich hätte es ohne die Schreibtherapie ja selbst nicht überstanden.;)

  6. Ich bin das Gegenteil von dir! Bin am Tag des Spiels gegen Freiburg umgezogen (übrigens auch um mit dem Volontariat anzufangen), habe die Niederlage per Radio auf der Autobahn verfolgt und von da an hat Borussia in der Hinrunde kein Spiel mehr verloren… Ausnahme waren die beiden Begegnungen, die ich im Stadion verfolgt habe ;)

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