Where did it all go right?

Saison 2011/2012: 22. Spieltag - Kaiserslautern 1:2 Gladbach

Mittlerweile unterscheiden sich Heimspiele und Auswärtsspiele ja nur noch durch die Anzahl der Borussen im Stadion. Gladbach denkt nur von Sieg zu Sieg, egal wo. Doch ohne Widerstände geht es anscheinend nicht: Während Dantes Weggang noch rein hypothetisch ist, wird Patrick Herrmann schon jetzt mehrere Wochen fehlen.

Es muss ein Feiertag sein für alle Borussen im Saarland. Etwa 300 Kilometer sind es bis Mönchengladbach, immer schnurstracks in Richtung Norden. Und dann bloß nicht den kleinen Schwenk nach links vergessen – sonst landet man in Köln. Diesmal führt der Weg aber in den Osten, mickrige 70 Kilometer weit. Wir haben ein Heimspiel in Lautern!

Eric kann meine Euphorie nicht ganz teilen. Mit seinen Jungs von den Saar-Blies-Borussen aus Auersmacher, Saarland in Reinkultur, sitze ich im Zug Richtung Pfalz. Sie trinken pfandfreies Dosenbier aus Frankreich, ich habe mich mit einem Sixpack Altbier eingedeckt. Never forget where you’re coming from!

Jedenfalls sieht Eric das mit der kürzesten Auswärtsreise der Saison ziemlich nüchtern. “Wir fahren ja auch zu Heimspielen”, sagt er. Einleuchtend. Die Reisen in den Borussia-Park waren mir bislang nie strapaziös vorgekommen, weil ich sie stets mit einem Besuch bei meinem Eltern in der Heimat verbunden habe. Wobei meine Mutter manchmal zweifelt, welchen Besuch ich nun mit welchem verbinde. Am Spieltag selbst waren es dann immer Heimspiele wie jedes andere gewesen – mit dem Auto zum Bahnhof, mit dem Bus zum Stadion und wieder zurück.

Hoch hinaus
An diesem Nachmittag geht es darum, sich für ein paar der bittersten Stunden zu revanchieren, seit es Auswärtsfahrten gibt. (Jetzt mal abgesehen von den armen Schweinen, die einst ein 0:6 in Berlin oder ein 0:7 in Stuttgart sahen.) Im Oktober 2010 gewann Kaiserslautern mit 3:0, schoss Gladbach auf den letzten Tabellenplatz. Mo Idrissou hatte kurz nach der Pause das Nicht-Tor des Jahres erzielt, Christian Tiffert den FCK mit einem verfrühten Sonntagsschuss in Führung gebracht – die Westkurve wedelte zum Abschied hämisch mit Taschentüchern.

Über den Dächern der Stadt: Das höchste Dach der Stadt.

Der Betzenberg ist tatsächlich ein Berg, das dürfte mittlerweile selbst bis ins niederrheinische Flachland durchgedrungen sein. Mit 285 Metern liegt er 224 Meter höher als der Bökelberg, der seinerseits dem Erdmittelpunkt sogar näher ist als der Borussia-Park. Wie ein überdimensionales Gipfelkreuz thront ganz oben auf dem Betze das Fritz-Walter-Stadion, das letzte in der Bundesliga, das nach einem Menschen benannt ist. So viel Tradition muss sein.

Unten im Tal treffe ich eine Stunde vor dem Anpfiff auf Nils und Konsorten. Sie sind zu Fünft runtergekommen, eine echte Auswärtsfahrt also, kein Heimspiel in Lautern. Meinen Kumpel mit der größten Raute im Herzen hat mal wieder sein Spiel- und Basteldrang gepackt. Schon aus 300 Metern Entfernung habe ich seine neongrüne Perücke gesehen. Das grüne Superhelden-Cape mit Gladbach-Aufklebern kann ich dagegen erst aus der Nähe bewundern. Es sieht ganz so aus, als wäre er in einen Blumenladen eingebrochen und hätte ein Stück von der Folie entwendet, mit der Sträuße eingewickelt werden. Er behauptet, es soll eine Plastik-Tischdecke sein.

Außer Kontrolle
Ein paar Minuten später, nach erfolgreicher Betze-Besteigung, stehen wir vor dem Werner-Liebrich-Tor und warten auf Einlass. Nichts geht. Anders sah es offenbar bei Nils und Co. auf der Autobahn aus. “Einen Punkt haben wir schon”, berichtet er von einem Fototermin auf der Moseltalbrücke. Wenn das Glück bringt – ich sehe schon das Album der kommenden Saison mit Blitzerbildern aus ganz Deutschland. Letztes Jahr hat es mich auf dem Rückweg von Frankfurt erwischt, im Nachhinein war es ein Vier-Punkte-Sieg.

Selten so lange auf Einlass gewartet wie in Kaiserslautern.

Zehn Minuten vor dem Anpfiff stehen wir noch immer draußen, keine Drehkreuze in Sicht. Noch ist alles relativ ruhig, aber die Ordner scheinen zu ahnen, dass es damit vorbei sein könnte, wenn es 15:30 Uhr ist. Also lassen sie den Schwarm, der noch vor dem Gästeblock steht, einfach rein – ohne Kartenkontrolle, ohne Abtasten. Erst da wird mir klar, wie selbstverständlich man das Flughafen-Szenario inzwischen hinnimmt, ohne den Sinn zu hinterfragen. Im Grunde wird doch nur die Nadel im Heuhafen gesucht, ein Bengalo im Wo-auch-immer – und 99 Prozent aller Zuschauer lassen sich dafür umsonst an 99 Prozent aller Körperstellen abtasten.

Fünf Minuten bleiben noch bis zum Anpfiff. Das sollte genügen für einen Klobesuch und eine Runde Bier. Das stille Örtchen ist an diesem Samstag auch ein ziemlich dunkles. In Kaiserslautern gehen schon vor dem Spiel die Lichter aus. Obendrein bekommt man hier für Bargeld anscheinend gar nichts mehr. Oder aber die einzigen Stellen, an denen man keine Bezahlkarte braucht, sind gut versteckt, damit niemand auf die Idee kommt, sich keine Karte zuzulegen – vielleicht auf der düsteren Toilette.

Zum Einlauf der Mannschaften (klingt ja noch absurder, wenn im Satz davor das Wort “Toilette” steht) bin ich im Gästeblock. Der steht wie eine eins – 8000 Borussen verzichten auf ihren Sitzplatz. Auswärts kommt das immer noch viel zu selten vor. Sie alle sehen nach vier Minuten, wie ein verlängerter Einwurf bei Juan Arango landet. Noch zielt er nicht ganz so genau, sein Schuss mit links (was für eine überflüssige Info) geht knapp über das Tor.

Herrmann mit GPS
Der Rasen in Kaiserslautern sieht aus, als hätte jemand in der Nacht das Stadion angehoben und auf einem benachbarten Acker wieder abgesetzt. Wenn die Bayern sich schon über den vergleichweise englischen Untergrund im Borussia-Park aufregen, wären sie in der Pfalz wahrscheinlich nicht einmal angetreten. In Gladbach macht man sich wenigstens die Mühe, Maulwurfshügel grün einzufärben.

Gut vernetzt im Gästeblock.

Also denken sich Marco Reus, Patrick Herrmann und Igor de Camargo (für den grippekranken Mike Hanke am Start): Bringen wir die Sache hier schnell hinter uns. Wieder einmal reichen weitaus weniger Stationen als Otto Rehhagel in 73 Lebensjahren hatte. Roel Brouwers, Tony Jantschke und Dante erobern gemeinschaftlich den Ball. Der landet bei Arango, bei Geburtstagskind Roman Neustädter und dann bei de Camargo.

Dessen Steilpass auf Herrmann muss mit einem GPS ausgestattet sein, das Schlaglöcher zielsicher umkurvt. Und Herrmann ist mittlerweile sowieso mit allen Systemen ausgestattet, die man benötigt, um vor dem Tor eiskalt zu sein. Gladbach führt und Neustädter bekommt im Sitzen ein Ständchen gesungen. “Wie schön, dass du geboren bist” – das könnte die Mannschaft derzeit an einem Stück singen, für alle.

Arangos Bronzefuß
Nur wenige Momente später beweist Marc-André ter Stegen, dass die Arbeit mit Uwe Kamps definitiv Früchte trägt. Pierre de Wit tritt für den FCK zum Freistoß an und trifft die Latte. Jetzt ist Gladbachs Youngster schon in der Lage, die Bälle ans Aluminium zu gucken – Marc-André hat’s geseh’n! Nachdem er in seiner Karriere nun schon dreimal in drei aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen kein Gegentor bekommen hat, soll es heute endlich etwas mit dem vierten werden.

Der frühe Vogel kann... einiges.

In der 14. Minute geht es wieder so schnell, dass die ganze Glückseligkeit in einen Absatz passt: Ein Abschlag von ter Stegen landet bei Herrmann. Der überlässt Reus großzügig den Ball, Doppelpass im Bochum-Relegations-Style mit de Camargo, Traumpass auf Arango, Traumtor mit dem Außenrist! Als gäbe es bei diesem Boden nichts Leichteres – sollte ich mir jemals ein in Bronze gegossenes Körperteil in die Vitrine stellen, wird es Arangos linker Fuß sein.

Nach einer Viertelstunde ist der Gästeblock ein einziges Bällebad im Kinderparadies. In Kaiserslautern gibt es keinen Ober- und Unterrang. Es gibt nur eine Wand und diese Wand ist in völliger Ekstase. Zuletzt hat die Borussia am 27. November 2005 in der Fremde so früh so hoch geführt. Damals in Berlin ging es am Ende aber weniger gut aus, der Hertha gelang noch der Ausgleich. Da diese Statistik zu diesem Zeitpunkt niemand kennt, interessiert sie natürlich auch niemanden.

Borussia Barcelona
Dieses schmeichelhafte “Borussia Barcelona” ist inzwischen so etabliert, dass man sich kaum noch dagegen wehren kann. Die Rheinische Post dürfte sich ziemlich ärgern, wenn der Vergleich immer wieder dem englischen Guardian zugeschrieben wird. Am Tag nach dem Derbysieg in Köln schrieb Martin Beils in einem Kommentar: “Der Ball kreiselte zeitweise durch die Reihen, als stünde da ‘Borussia Barcelona’ auf dem Platz.” Zwei Tage später griff es der (deutsche) Bundesliga-Kolumnist Raphael Honigstein im Guardian auf. Seitdem schwirrt dieser Ausdruck ziellos herum wie das neueste Katzen-Video im E-Mail-Verteiler auf der Arbeit. Es nervt nur nicht so sehr.

Aber Gladbach ist diesmal ganz und gar nicht “Borussia Barcelona”. Selbst auf einem von der katalanischen Sonne völlig verbrannten Rasen dürfte es sich besser kombinieren als an diesem Nachmittag in Kaiserslautern. Dass ich das noch erleben darf: Ich rege mich über den Rasen auf, weil er den Spielfluss bei der Borussia hemmt. So muss sich eine kleine Garagen-Band fühlen, wenn sie erstmals große Hallen füllt. Manch einer wendet sich danach von ihr ab, aber der Großteil genießt etwas ganz Großes.

Da kann es nicht schaden, vom Boden der Tatsachen ab und an mal kräftig in den Arm gekniffen zu werden. Aber muss es gleich so weh tun wie in der 38. Minute? Herrmann prallt auf den ersten Blick so harmlos mit Florian Dick zusammen, wie man einmal in der Woche frühmorgens mit dem Türrahmen zusammenprallt. Das öffentliche Leben würde völlig lahmgelegt, wenn die Folgen jedesmal so verheerend wären. Aber nach dem Zusammenprall bleibt Herrmann liegen. Es sieht nicht gut aus.

Gestik kann in diesen Momenten so grausam sein. “Wir brauchen eine Trage”, signalisiert Schiedsrichter Michael Weiner. “Wechseln, sofort”, zeigen gleich mehrere Borussen an. Ärzte sind am Ende der Kette nicht mehr als nüchterne Überbringer einer Diagnose: Schlüsselbeinbruch, Herrmann wird sechs Wochen ausfallen. Es soll nochmal jemand behaupten, der VfL bewege sich ja auch ohne Widerstände in diesen Gefilden. Matthew Leckie kommt.

Ein Jahr Favre
Zur Pause ist das Ergebnis das einzige, was die Stimmung nicht trübt. Mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent wird die Borussia dieses Spiel gewinnen, weil Lucien Favre Gegentore nicht nur minimiert, sondern geradezu abgeschafft hat. Das Spiel beim FCK ist sein 34. als Gladbacher Trainer in der Bundesliga. Die Welt hat sich seit seinem Amtsantritt nun einmal um die Sonne gedreht. Dazwischen ist die Sonne mehrmals untergegangen. Nun scheint sie ununterbrochen.

Nils hatte wieder einen kreativen Erguss.

Favre kam als Konzepttrainer, ganz so nett war das nie gemeint. Es schien, als sei der Schweizer lediglich eine attraktive Alternative für einen Neuanfang in der 2. Bundesliga. Max Eberl war angezählt. Ich schrieb, dass der Sportdirektor “im Grunde nicht mehr tragbar” sei. Ich hatte doch keine Ahnung. Damals wartete man nur darauf, dass der Rückstand auf Platz 16 irgendwann dreimal so groß werden würde wie die Zahl der verbleibenden Spiele. Man wartete auf den Abstieg, Favre war mehr Palliativmediziner als Wunderheiler. Jetzt führt Gladbach zur Halbzeit 2:0 in Kaiserslautern, kann dort erstmals seit 1996 gewinnen, Patrick Herrmann ist auf dem Weg ins Krankenhaus – und ich bin trotzdem so gelassen, als hätte ich diesen Verein erst im August 2011 entdeckt. Where did it all go right?

Nach der Pause verläuft die Partie ähnlich wie die beiden Auswärtsspiele in Stuttgart und Wolfsburg. Die Borussia lässt den Gegner kommen, anders als zuvor führt sie aber mit zwei Toren und spielt gegen einen Abstiegskandidaten, der seit elf Spielen nicht gewonnen und die wenigsten Tore in der Liga erzielt hat. Insofern spricht lange Zeit wenig für ein Gegentor – bis auf die Tatsache, dass man ja irgendwann mal wieder eins kassieren muss.

Segen für ein Traumtor
Lauterns Leon Jessen gönnt ter Stegen wenigstens noch seinen Bundesliga-Rekord, 347 Minuten ohne Gegentor, dann beendet er die Gladbacher Serie. Über Umwege landet der Ball auf der linken Seite beim Dänen. Jantschke ist an Sandro Wagner hängengeblieben und kann nicht mehr rechtzeitig rausrücken. Gegen diesen Schuss in den Winkel hätte aber vermutlich nichts und niemand etwas ausrichten können. Zumal Traumtore ohnehin den Segen vom Fußballgott haben. Wenn schon, dann auch bitte schön.

Kampf und Kampf und Kampf.

Unter der Woche hatten alle geunkt, dass die Borussia beim FCK, dem 16. der Liga, vermutlich reif sei, weil sie zuvor in Freiburg und Augsburg verloren hatte. Nun wirft die Mannschaft alles in die Waagschale gegen eine Mannschaft, die alles in die Waagschale wirft. Und solange das gelingt, ist in der Regel alles in Ordnung. Der Betze brennt zwar, aber der VfL fängt kein Feuer.

Man muss Lautern für seine Provinzialität, dieses Kleine-Welt-Denken lieben – Bauern wie wir. Hier skandiert die Kurve nach der kleinsten Fehlentscheidung des Schiedsrichters noch “Hängt sie auf die schwarze Sau”, während der Rest der Bundesliga vor Political Correctness fast erstickt. Sie meinen es nicht ernst, sie spielen doch nur die einzige Karte, die sie haben: ihre Leidenschaft. Man sollte es ihnen großzügig durchgehen lassen.

Rekorde für die halbe Ewigkeit
Die Borussia versucht gar nicht erst, sich Barcelona-like aus der Drangphase der Gastgeber zu befreien. Sie ist sich nicht zu schade für Befreiungsschläge, die am gegnerischen Strafraum landen. Sie buddelt sich an der Eckfahne ein. Sie hat einen Trainer, der nicht davor zurückschreckt, den schwächsten Mann auf dem Platz nach 44 Minuten wieder auszuwechseln. Matthew Leckie wird hoffentlich kein Trauma erleiden, weil Oscar Wendt kurz vor Schluss für Stabilität und Entlastung sorgen soll. Dabei hatte ich gehofft, dass einer, der in Australien sicherlich mal am Strand gespielt hat, mit diesem Acker ganz gut zurechtkommen würde.

Man dankt sich gegenseitig.

Dann kommt der Schlusspfiff und in diesem Moment hat die Elf vom Niederrhein gleich mehrere Rekorde für eine ganze Generation Borussen aufgestellt. 46 Punkte – so viele gab es zuletzt 1995/96. Sechs Auswärtssiege – so viele gab es zuletzt 1995/96. Einen Sieg in Kaiserslautern – das gab es zuletzt 1995/96. Und eine Marke schließt sogar jeden jenseits der 40 Jahre ein: 46 Punkte nach 22 Spieltagen – das gab es bislang nur 1970, danach nicht einmal in der 2. Liga.

Letztes Jahr schwenkte die Westkurve auf dem Betzenberg Taschentücher und jetzt legt mir ein Lautern-Fan am Bierstand freundschaftlich die Hand auf die Schulter. “Die haben euch doch alle nicht auf der Rechnung”, sagt er und zeigt stolz auf den Gladbach-Anstecker, den er sich an seine Kutte geheftet hat. “Ihr werdet Meister.” Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Daran muss ich definitiv arbeiten. Da kommt ein Fan der gegnerischen Mannschaft, wünscht uns die Meisterschaft und ich reagiere fast schon allergisch abweisend.

Eberl “ziemlich tragbar”
Aber nein, wir schauen wirklich nur von Spiel zu Spiel. Zumal die Welt dann noch besser aussieht. Denn vor dem Heimspiel gegen Hamburg wird Dante sicherlich nicht zu den Bayern wechseln. Und Herrmann fällt nur für ein Spiel aus, wenn man nur an ein Spiel denkt. Unterm Strich dürfte es die beste Devise sein, sich weiterhin weniger vorzunehmen, als die meisten der Borussia mittlerweile zutrauen. Der Vorsprung auf Platz acht, der ja reichen könnte für Europa, beträgt seit diesem Spieltag 19 Punkte. Nach 22 Spielen hatte Gladbach in der vergangenen Saison erst 16 auf dem Konto.

Lautern wünscht alles Gute.

Die Nachricht vom Samstagmorgen, Dantes Wechsel nach München sei fix, ist mittlerweile verdaut und eingeordnet. Es ist nicht mehr bekannt, als einen Abend zuvor bekannt war. Und selbst wenn es so sein sollte, werde ich mir davon nicht mehr auch nur einen Tag versauen lassen. Wer in der kommenden Saison nicht die Raute im Europacup tragen will, der wird nicht dazu gezwungen. Max Eberl wird im Sommer mit viel Geld schon viele richtige Entscheidungen treffen. Denn inzwischen ist der Sportdirektor ziemlich tragbar.

Zum Schluss noch eine Auf-dem-Teppich-bleib-Maßnahme: Die Borussia hat entgegen aller Behauptungen nicht die beste Abwehr Europas, zumindest nicht die mit den wenigsten Gegentoren pro Spiel. Und so soll dieses Kapitel einfach mit 19 wilden Vereinsnamen enden. Jeder picke sich seinen persönlichen Liebling heraus: Gandzasar Kapan, Inter Baku, NK Siroki Bijeg, Tschernomorez Burgas, Ludogorez Rasgrad, Tscherno More Varna, Ironi Kiryat Shmona, Dinamo Zagreb, Vardar Skopje, Metalurg Skopje, Dacia Chisinau, Dinamo Bukarest, Tre Fiori Fiorentino, Partizan Belgrad, Dynamo Kiew, AEL Limassol, Omonia Nikosia, APOEL Nikosia, Anorthosis Famagusta.

PS: Gladbach ist Zweiter. Aber Dinge, die ich nicht glauben kann, lasse ich gerne mal unter den Tisch fallen.

Borussia Mönchengladbach hat im Schnitt 0,59 Gegentore kassiert. Diese 19 Mannschaften sind mindestens bei der vierten Nachkommastelle besser.

20. Februar 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 12 Kommentare

Kommentare (12)

  1. Tja, ich war auch da – und hatte sogar (theoretisch) einen Sitzplatz :o) – aber bis auf eine Weile vor dem Spiel und während der Halbzeitpause habe ich auch gestanden. Zwei so schnelle Tore hätte ich nicht erwartet – aber Herrmanns Verletzung trübt die Freude etwas. Sah so harmlos aus, war es aber nicht. Eine Einlasskontrolle hatte ich allerdings, und zwar sehr sehr seeeehr gründlich. Dachte, ich müsste auch gleich noch die Schuhe ausziehen. Der Pay-Karte habe ich mich konsequent entzogen, obwohl ich gern mal eine Weinschorle im Stadion genossen hätte. Aber man hat ja Prinzipien (jedenfalls manchmal). Die gabs dann zu Hause zur Feier des Tages. Danke wie immer für deinen tollen Bericht – so ähnlich habe ich den Tag und das Spiel auch empfunden. Freue mich schon auf den nächsten Bericht. Danke! Schwarz-weiß-grüne Grüße, Fohlenfreundin

  2. nach deinem Bericht einfach mal grinsen. :D

  3. Hallo Jannik,
    sehr schön geschrieben!
    Habe mich gefreut, dass Du mit uns die Tour angetreten bist.
    Mein Angebot steht: zu den Heimspielen nehmen wir dich gerne bei uns im Auto mit! Und die sind ebenfalls immer ganz lustig. Sollten Dir also genug Stoff zum Schreiben bieten :-)
    s-w-g,
    Eric

  4. @Fohlenfreundin: Danke für deinen Kommentar – und Prost!;)

    @Matze: Geweint wird hier auch (noch) nicht.;)

    @Eric: War mir ebenfalls eine Freude. Um den Stoff mach’ ich mir keine Sorgen – fürs Pokalspiel werd’ ich auf jeden Fall auf das Angebot zurückkommen. Und in Gladbach bist du dann auch sicher vor frustrierten Lauterern.

  5. Hallo Jannick,
    erst einmal ein dickes Kompliment für Dein Buch, welches ich während unseres Toskana-Urlaubs im August 2011 mit großer Freude gelesen habe.
    Deine Berichte sind super und jedesmal ein großes Vergnügen. Mein persönliches Highlight heute ist die Bemerkung zur Zusammenarbeit von Kamps und MATS, da ich Kamps noch aus seiner aktiven Zeit kenne. Ein Volltreffer.
    Bitte weiter so!!!!!!

  6. Sehr schöner Bericht vom letzten Samstag! (wie immer)
    Übrigens ist mir das mit den Blitzern in der letzten Saison auf dem Rückweg von Frankfurt auch passiert. Bei mir waren es allerdings direkt 3 Punkte. Somit war das Spiel in Frankfurt für mich ein Sechs-Punkte-Spiel. :)

  7. Hallo Yannick,

    Borussia hat noch nicht mal die beste Abwehr in Deutschland, z.B hat Viktoria Koeln (ausgerechnet!) in der NRW-Liga mit 9 Gegentoren in 18 Spielen einen Schnitt von 0.5! Aber zumindest die serioese Presse hat das ja auch immer auf “die fuehrenden Ligen Europas” beschraenkt und man beleidigt wohl weder die NRW-Liga noch die zypriotische wenn man sie da nicht dazu zaehlt.

    Gruss

    McMayer

    P.S.: wuerde ja gern auch noch einen lobenden Kommentar zu Deinem Buch hinzufuegen, aber das hatte ich im Sommer dummerweise zu meinem Elternhaus hinschicken lassen und es dann dort beim Besuch vergessen…da liegt es jetzt gut

  8. Danke für diesen Artikel und vor allem für diesen wunderbaren Satz, von dem ich nach gefühlten 100 Jahren Abstiegskampf nie wieder zu träumen wagte:

    “Wer in der kommenden Saison nicht die Raute im Europacup tragen will, der wird nicht dazu gezwungen.”

    So ist es!

  9. @Carsten: Danke dir!

    @Angus: Dreieck Heumar?

    @McMayer: Dann freuen sich deine Eltern sicherlich mal wieder über Besuch.;) Ich hab’ jetzt ja auch nur Erstligafußball berücksichtigt – auch wenn Viktoria Köln auf Augenhöhe mit Tre Fiori Fiorentino aus San Marino sein dürfte.

    @Postpunk: Das Thema wird uns sicherlich bis zum Saisonende begleiten – wahrscheinlich sogar bis zum 31. August.

  10. Ich lese mir seit vorgestern nach und nach alle Berichte durch seit dem Februar 2011, um noch einmal Revue-passieren zu lassen was wir alles durchleiden mussten und nun durchleben können.
    Teilweise noch mit den dazu passenden Spielberichten von Sky die ich dann abgespeichert habe.
    Gänsehaut beim lesen deiner Artikel ist vorprogammiert.. teilweise war ich auf den gleichen Auswärtstouren dabei wie du auch..und kann so verdammt gut nachvollziehen, was du da so alles schreibst. Kann es einen größeren Gefühlsunterschied geben zwischen einem gefühlten “Wir-wurden-beschissen-Elfmeter” zum 2:3 gegen Stuttgart, einer rechten Faust im Spiel gegen Kaiserslautern und den beiden Spielen in der Rückrunde zuhause gegen die Bayern und Schalke?
    Sowas kann glaube ich nur getoppt werden, sollten wir am 5. Mai in Mainz für Barcelona, Mailand oder Madrid planen können, und am 12.Mai in Berlin die Nacht zum Tage machen.

    Mach weiter so, ich kann nur hoffen, dass ich dem Autor mal auf einer der zahlreichen weiteren Auswärtstouren begegnen werde.. es sind einfach unglaubliche Artikel!!

    Besten Gruß!

  11. @Ruff: Dem hab’ ich wenig hinzuzufügen, bis auf ein großes Danke.:) Leverkusen, Bremen, Dortmund, Mainz sind ins Auge gefasst. Mal sehen, was sich davon umsetzen lässt.

  12. Dortmund auf jeden Fall wieder.. Mainz will ich wohl auch hin. Bootsfahrt vom FPMG is ja leider schon ausverkauft, aber mit ein bisschen Glück, haben wir ein eigenes Boot in peto. Bleibt nur die Kartenproblematik.
    Beim Rest funkt mir leider das berufliche dazwischen in dieser Saison..
    Aber Berlin ist auch schon eingeplant :)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

*