Die Schwierigkeit des Seins

Saison 2011/2012: 24. Spieltag - Nürnberg 1:0 Gladbach

Gegen Gladbach kann man auch gewinnen – der 1. FC Nürnberg ist zwar der erste Verein seit drei Monaten, dem das gelungen ist. Trotzdem schmerzt die Niederlage. Ereignisse außerhalb des Platzes machen sie dann wiederum fast schon nebensächlich. Über eine merkwürdige Auswärtsreise und einen gar nicht so dicken Ailton.

Mühsam strampele ich in Richtung Saarbrücker Hauptbahnhof. Dem Vorderreifen meines Fahrrades geht die Luft aus und mir allmählich auch. Erst kurz vorm Schlafengehen am Samstag hatte ich realisiert, dass um kurz nach fünf am Sonntagmorgen noch keine Busse, Straßenbahnen und Züge fahren. Aus den Gassen links und rechts der Hauptstraße torkeln die letzten Partyleichen nach Hause. Und ich breche auf zum Auswärtsspiel nach Nürnberg – mit dem Fahrrad, jedoch nur bis zum Bahnhof.

Als Rheinländer in Süddeutschland geht man fälschlicherweise davon aus, dass Süden auch immer gleich Süden ist. So kenne ich das zumindest aus dem tiefsten Westen, wo Westen wirklich Westen ist. Es gibt nicht den einen Westen und den anderen Westen. Ganz anders ist es, wenn die Reise von Saarbrücken nach Nürnberg geht. Macht knapp 400 Kilometer Luftlinie und die Route mit dem Zug ergibt niemals eine gerade Linie, sondern stets ein Dreieck mit Umstieg in Frankfurt oder Stuttgart.

Eine Bahn-Mitarbeiterin macht mitten in der Nacht eine Fahrgasterhebung. Viel zu erheben gibt es um diese Uhrzeit nicht. “Des isch gut für unser Saarbrigge”, freut sie sich riesig, dass wenigstens ich mitfahre. Meine Eckdaten dürften sie dann aber völlig verwirrt haben: Rheinländer, Gladbach-Fan, auf dem Weg vom Saarland ins Frankenland. Nicht dass sie später noch Ärger mit ihrem Arbeitgeber bekommt, weil sie sich angeblich Fahrgäste ausgedacht hat, um den Erhalt dieser Bahnverbindung zu sichern.

Vermakelt
Bereits am Samstag war die Borussia mal wieder in den Schlagzeilen gewesen, ohne selbst irgendetwas fabriziert zu haben. Ein Meisterstück des investigativen Journalismus hatte die Nachricht ans Tageslicht gebracht, dass Dante nun endgültig auf dem Weg nach München sei – sein Haus werde ab dem 1. August “vermakelt”. In diesem Fall kommt “vermakeln” unmittelbar von “Makel”, denn solch einen hat die Story: Dante wohnt zur Miete und überhaupt, ließ er am Sonntag mitteilen, sei an der Sache gar nichts dran. (Was meiner Meinung nach wenig an seinem bevorstehenden Weggang ändert, nur ist der Brasilianer noch nicht so weg, wie es in vielen Berichten den Anschein hat.)

Es gibt bessere Hotelnamen.

Mehr freuen konnte man sich über die Nominierung von Juan Arango für das “Tor des Monats Februar”. Nicht auf der Liste steht dagegen Mike Hankes 2:0 gegen Schalke. Raphael Honigstein hatte den Treffer im Guardian sogar als Kandidaten für das “Tor des Jahres” in Spiel gebracht, wenn die Deutschen nicht “das Schießen dem Denken vorziehen” würden. Gegen all die abgerutschen Sonntagsschüsse und Zirkus-Fallrückzieher hat ein Allerwelts-Schlenzer nach doppeltem Doppelpass im Topspiel einer der besten Ligen der Welt natürlich keine Chance. Unterm Strich steht diese Diskussion aber nur für ein weiteres Kapitel der Kategorie “Luxusprobleme, von denen Borussen noch gar nicht wussten, das man sie haben kann”. Welch ein Skandal: Nur ein Gladbacher Tor ist nominiert, nachdem Marco Reus bereits die Medaille für den Januar abgesahnt hat.

Nach dem Umstieg in Stuttgart ist meine Liste der “Drittligastädte, durch die ich schon immer mal mit dem Zug fahren wollte” um einen Eintrag reicher. Diesmal ist es Aalen, wohl bald schon zweitklassig. Sollte Paderborn in die Bundesliga aufsteigen, wäre Aalen ein würdiger Nachfolger im von abstiegsbedrohten Erstligisten gerne bemühten Ausruf: “Bloß nicht samstags um 13 Uhr nach XY!” Aalen also.

Asiaten sind überall
Sonntags um neun ist es jedoch auch nicht viel besser. Immerhin erblicke ich, mittlerweile in Bayern angekommen, die ersten Nürnberg-Fans und sogar ein paar Borussen aus Orten, wo man nie und nimmer welche vermuten würde. Nach knapp fünf Stunden Fahrt ist Nürnberg erreicht. Selbst in Großstädten, die bei Touristen beliebt sind, tummelt sich um diese Zeit kaum ein Mensch. Einzig ein paar Asiaten laufe ich durch eines ihrer 7832 Bilder. Vereinzelte Gladbach-Fans nicken freundlich. Man kennt sich nicht, aber man erkennt sich. Ansonsten schlage ich die Zeit tot, bis die Jungs aus der Heimat endlich ankommen, und sondiere das Angebot an Einkehr-Möglichkeiten.

Um kurz vor zwölf stehe ich in der Bahnhofshalle vor der großen Anzeigetafel, als mir eine Legende mit ihren Cowboy-Stiefeln beinahe über die Füße läuft. Der leibhaftige Ailton – Deutscher Meister, Fußballer des Jahres, Torschützen-, aber nicht Dschungelkönig – eilt zum Gleis. Und wie das so ist, wenn man Fernsehberühmtheiten zum ersten Mal über den Weg läuft (bzw. er mir über den Weg läuft), gleiche ich eben den Fernseh-Ailton mit dem echten ab: Ist kleiner, als ich gedacht hätte, aber beileibe nicht so dick, trotz gewagter Südamerika-Cowboy-Jacke.

Dann kommen endlich Alexander und Henrik aus Würzburg an (jener Alexander aus meinem Abiturjahrgang, der alles genannt wird, nur nicht Alexander). Sie dürften in etwa ins Bett gegangen sein, als ich aufgestanden bin. Dennoch ist die Laune auf Auswärtssieg-Niveau. Wenig später haben Nils und Co. endlich das richtige Ende des Bahnhofs und damit auch uns gefunden.

Kindliche Vorfreude
Es hat etwas von damals in Offenbach, als wir mit dem Wochenend-Ticket, ein paar Paletten holländischem Dosenbier und kindlicher Vorfreude vom Niederrhein aus aufgebrochen sind. Mittlerweile reisen wir mit dem Zug aus allen Himmelsrichtungen an, denken fahrlässigerweise nicht an das obligatorische Sixpack Diebels aus dem Rewe in Saarbrücken und trinken aus Würzburg importiertes Augustinerbräu. Nur die kindliche Vorfreude, die ist unverändert.

Vor dem Spiel noch "keck", dann irgendwie real.

Der Sinn dieser Stunden vor dem Spiel besteht auswärts in erster Linie darin, möglichst viel Spaß zu haben, um im Falle einer Niederlage wenigstens halbwegs schöne Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen. Früher stand dahinter die Gewissheit, dass man von diesem Besser-als-nichts-Gefühl mit großer Wahrscheinlichkeit Gebrauch machen muss. Mittlerweile sind Niederlagen zu den seltenen Begleiterscheinungen einer Saison geworden, in der ansonsten beinahe alles perfekt ist. Daran können unterm Strich auch endlose Wechselgerüchte und Weltuntergangs-Theorien nichts ändern.

Die Freundlichkeit einer Stadt lässt sich in der Regel zuverlässig anhand der Reaktion gegenüber anderen Fanfarben messen. Als wir auf die S-Bahn zum Stadion warten, bekommt Alexander von einem Nürnberger einen Cheeseburger geschenkt. Einfach so und ohne Nebenwirkungen. Andere würden eher an ihrem neunten Burger ersticken, im Frankenland wird geteilt. Städte könnten auf diese oder andere Art so unfassbar effektive Imagepflege betreiben, dass ich mich wundere, warum nicht überall PR-Agenten (im Trikot des Heimvereins) Geschenke an Auswärtsfans verteilen.

Irgendwie – merkwürdig
Wohl nur in Nürnberg überquert man auf dem Weg von der S-Bahn-Haltestelle zum Stadion eine Rennstrecke und durchquert anschließend eine Kleingartenanlage. Das Reichsparteitagsgelände hat man vorher rechts liegen gelassen. Unterm Strich eine fast schon surreale Kombination.

Nicht ganz so schön: das Nürnberger Stadion. Aber wer im Glashaus sitzt...

In dieses Umfeld aus Dingen, die gar nicht zusammenpassen, gesellt sich Deutschlands vorletztes Bundesligastadion mit Laufbahn. Während das Berliner Olympiastadion wenigstens durch seine Höhe und sein architektonisches Gesamtkonzept glänzen kann, passt am und im Nürnberger Frankenstadion, heute Easy-Credit-Stadion, noch nicht Max-Morlock-Stadion, vieles nicht zusammen. Es ist achteckig, die Stützpfeiler sind königsblau angestrichen (so weit kann die Freundschaft mit Schalke doch auch nicht gehen) und die Laufbahn ist tatsächlich so störend, dass man beinahe geneigt ist, der deutschen Leichtathletik keine rosige Zukunft zu wünschen.

Hinzu kommt, irgendwie passt wirklich vieles nicht zusammen, dass Block 24 im Oberrang des Gästeblocks gesperrt ist. Das YouTube-Video, in dem Dortmund-Fans die Tribüne bedenklich zum Schwingen brachten, ging um die Welt. Damit nicht irgendwann weniger amüsante Bilder um die Welt gehen, muss das Stadion nun so umgebaut werden, dass im besagten Block nur noch Heimfans Platz haben – in der Hoffnung, dass Heimfans nicht hüpfen.

Trauerspiel bei der Schweigeminute
Bevor es losgeht, gibt es noch eine Schweigeminute für Zvezdan Cebinac. Der Spieler aus der 68er-Meistermannschaft des 1. FC Nürnberg ist am 18. Februar gestorben. Bis die Mannschaften sich am Mittelkreis versammeln und der Stadionsprecher um einen Moment des Innehaltens bittet, habe ich weder etwas von Cebinac noch von seinem Tod gehört. Trotzdem wächst in mir nicht das Bedürfnis, die Stille im Stadion mit einem lauten “Vau-Eff-Ell” zu stören. Zu beobachten, dass es in diesen Situationen nicht allen Menschen so geht, ist immer wieder traurig.

Singen ist Silber, Schweigen ist Gold - leider zu selten beherzigt.

Es scheint ein wenig der Übergang vom unterhaltsamen zum tristen Teil des Tages zu sein. Die große Zäsur bringt der Anpfiff. Eigentlich passiert kaum etwas, über das man sich aufregen könnte, wobei genau das diesmal das Problem ist. Die Borussia, mit Martin Stranzl an Stelle von Roel Brouwers in der Startelf, hat fast doppelt so oft wie der Gegner den Ball. Es kommt nur nichts dabei herum. Nicht einmal habe ich über 90 Minuten dieses ominöse Jetzt-ist-er-drin-Gefühl, auf keiner der beiden Seiten. 85 Prozent aller Pässe bei Gladbach kommen an, nicht mal in dieser Hinsicht genügend Aufregungspotential.

Ein Spiel aus der Hintertor-Perspektive, nur wenige Reihen über der Grasnarbe zu verfolgen, führt einem wenigstens mal wieder vor Augen, wie eng es auf solch einem Fußballplatz in Wirklichkeit doch ist. Die Oberrang-Perspektive verleiht dem Geschehen immer eine beruhigende Tiefe. So aber kann im Prinzip gar nichts passieren, wenn die Räume nur Räumchen sind.

“Nimm ihn bloß runter!”
Für die Borussia ist diese Partie ein Bonusspiel. Schalke verloren, Bayern verloren – selbst wenn die Mannschaft von Lucien Favre aus dem Patzer-Duo ein Trio machen würde, hätte sich im Vergleich zu vorher gar nichts geändert. Ganz optimistisch könnte man sogar noch sagen: Gladbach hat den Vorsprung gehalten und die Anzahl der verbleibenden Spiele effektiv reduziert.

So wie das Geschehen an mir und meinen Jungs im Gästeblock vorbeiläuft, könnte ich es gut nachvollziehen, wenn auch die Mannschaft nicht so richtig drin wäre im Spiel. Juan Arango hat kurz nach der Pause die beste Gelegenheit der Borussia. Was diesmal für einen Superlativ reicht, wäre in manch anderer Partie nicht einmal eine Erwähnung wert gewesen. 79 Minuten sind gespielt, als Oscar Wendt für Igor de Camargo kommt. Wer böse ist, könnte sagen: ein Wechsel der Kategorie “Nimm ihn bloß runter!”. Gladbachs Belgier mit brasilianischen Wurzeln, der Relegationsheld mit Glasknochen und Hang zur Theatralik war auch diesmal wieder ein Fremdkörper im Spiel der Borussia.

Wenige Minuten vor dem Ende krame ich bereits in meinem Gedächtnis, wann ich zum letzten Mal ein 0:0 im Stadion gesehen habe. Fast bin ich am Ziel, als die Gastgeber geschlagene drei Minuten Nachdenken zunichte machen. Die Lösung wäre November 2009 gewesen, ein torloses Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Arango verliert den Ball gegen Philipp Wollscheid, Stranzl gibt Alexander Esswein nur Begleitschutz und in der Mitte sorgt Albert Bunjaku dafür, dass das 0:0 gegen Stuttgart immer noch die Lösung ist. In Kaiserslautern erzielte Leon Jessen sein erstes Bundesligator, vergangene Woche der Hamburger Tolgay Arslan und jetzt trifft der lange verletzte Bunjaku zum ersten Mal seit fast zwei Jahren wieder. Charity, schön und gut – aber besser wäre es, diese Wohltätigkeits-Gegentore würden bald aufhören.

Verlieren verlernen
Favre bringt noch Brouwers für Havard Nordtveit, womit der Schweizer praktisch die letzte Aktion des Spiels hat. Nichts passiert mehr. Gladbach hat das Verlieren nicht verlernt, zum fünften Mal in dieser Saison heißt es am Ende 0:1 aus Sicht des VfL. Ich weiß gar nicht, wie ich es im Herbst 2010 ausgehalten habe, fünf Spiele in Folge mit insgesamt 5:14 Toren zu verlieren. Kann man sich ans Gewinnen derart gewöhnen? Eigentlich kaum zu glauben. Jedenfalls habe ich nach dem Spiel einen Hals wie nie zuvor in dieser Saison.

Wie Sie sehen, sehen Sie - nicht so viel.

Wir reden von der ersten Niederlage nach neun Pflichtspielen, von drei Punkten Vorsprung auf Platz vier, sieben auf Platz fünf und zwölf auf Rang sieben. Wir reden vom Ende der Meisterschaftsträume, die nie da waren. Man kann es sich nicht oft genug vor Augen führen. Wobei jegliche Aufforderung zur Bodenständigkeit im Moment der Niederlage wenig weiterhilft. Verloren ist verloren. Aber Verlieren ist auch das, was man in jeder Lebenslage zu vermeiden versucht – und sei es als Zivi beim “Mensch ärgere Dich nicht” mit den Omas im Altenheim.

Dieses Wochenende war insofern hilfreich, als die Ziele für die verbleibenden zehn Spiele nun klar definiert sind. In den Titelkampf wird die Borussia nicht einmal unbeabsichtigt hineinrutschen. Bayern und Schalke sind noch immer Gladbachs Kragenweite, weil beide Vereine momentan viel größere Probleme haben. Beim Blick auf wiedererstarkte Leverkusener muss man jedoch aufpassen, dass nicht auch Bayer in wenigen Wochen Gladbachs Kragenweite ist, rein tabellarisch. Die Europa League wird der Mannschaft kaum noch zu nehmen sein. So landet man in Sachen Zielsetzung zwangsläufig beim Thema Champions League und der Frage: direkt, Qualifikation oder gar nicht?

“Wir für euch, ihr für uns”
Am Abend schwirren wir wieder in alle Richtungen aus. Damals in Offenbach tranken wir nicht nur holländisches Dosenbier, sondern gewannen bei sommerlichen Temperaturen auch 7:1 in der 2. Bundesliga. Das waren Zeiten! Mein Zug nach Stuttgart ist der letzte, der abfährt. Schnell rechne ich aus, was mich dieser Tag samt Anfahrt, Eintrittskarte und Verpflegung gekostet hat. Ich lande bei 116,05 Euro und der Erkenntnis, dass wir doch alle verrückt sind. Nur spielt das längst keine Rolle mehr.

Einrichtungen, wo sich Arango nie blicken lassen würde.

Einrichtungen, wo sich Arango nie blicken lassen würde.

Manchmal frage ich mich, ob jeder auf dem Platz nachvollziehen kann, was es heißt, in der Nacht loszufahren, verdammt viel Geld auszugeben, um dann gefrustet zu Hause anzukommen, wenn es schon wieder Nacht ist. Genau das ist aber das Grundprinzip des Vereinsfußballs und des Fanseins. Es kann ebenfalls kein Anhänger einer Bundesliga-Mannschaft nachvollziehen, was es bedeutet Wochenende für Wochenende da unten auf dem Platz zu stehen und dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden. Und da es aus der Kurve alle paar Jahre nur ein paar Manuel Neuers und Kevin Großkreutze trotzdem auf den Rasen schaffen, gilt auf alle Ewigkeit dieses musketierisch anmutende “Wir für euch, ihr für uns”. Anders geht es ja nicht.

Ich bin schon eingenickt, als mich die Schaffnerin aus dem Schlaf reißt. Jaja, den Fahrschein. Bitte. “Hat es sich wenigstens gelohnt?”, fragt sie und mustert mein Trikot. “Nein”, lautet meine knappe Antwort, mit der aber alles gesagt ist. Plötzlich dreht sich mein Vordermann um: “Doch!” Im Zugfenster spiegelt sich sein Laptop. “Christoph Ruf” lese ich irgendwo auf dem Bildschirm. Aha, ein Journalistenkollege. Ruf ist obendrein ein ziemlich renommierter Buchautor. Nur sein “Doch!” erschließt sich mir noch immer nicht. Immerhin hat er Geld bekommen für diese Fahrt nach Nürnberg.

Überschattet
In Saarbrücken, mittlerweile ist es nach Mitternacht, regnet es in Strömen und mein Vorderreifen hat noch weniger Luft. Die Bahnen und Busse, die den ganzen Tag über gefahren sind, stehen schon wieder in den Depots. Und ich kehre zurück, könnte froh sein, ein Tor gesehen zu haben, hätte am Ende aber lieber darauf verzichtet. Paradox.

Auf der A3 in Richtung Köln spielen sich um diese Zeit Szenen ab, die einem vor Augen führen, dass dieses scheinbar naive “Ist doch nur ein Spiel” zu selten beherzigt wird. Vom Rastplatz in Montabaur an wird ein Bus mit Gladbacher Fans von Kölner Hooligans verfolgt. Mit Kleinbussen und Pkw drängen sie den Bus beinahe von der Autobahn, nötigen ihn zum Halt auf dem Rastplatz Siegburg-Ost. Dort steigen 25-50 Vermummte (die Zahlen schwanken) aus, demolieren den Bus, schlagen und schmeißen Scheiben ein. In einem günstigen Moment drückt der Busfahrer auf die Tube und tritt gerade noch rechtzeitig die Flucht an, bevor womöglich Schlimmeres passiert.

Die Hooligans haben mit rot-weiß gefärbten Steinen geworfen. Eine spontane Aktion sieht anders aus. “Die meisten lagen auf den Sitzen und hatten Angst um ihr Leben”, schildert der Busfahrer am Tag danach im WDR die Ereignisse. Vielleicht darf einem ein 0:1 in Nürnberg auch einfach mal egal sein.

05. März 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , | 6 Kommentare

Kommentare (6)

  1. Mir kam Ailton am Mittwoch auch nicht bemerkenswert dick(lich) vor, obwohl ich kein Dingsbumscamp geschaut habe und mein innerer Abgleich mit wohl noch älteren Aufnahmen von ihm stattfand. Bemerkenswert auch, dass jemand seinen Namen auf sein Laptop schreibt. Oder auch nicht, bei kurzem Nachdenken, vor allem, wenn man damit öffentlich reist. Hätteste ihn mal gefragt, wie er sein “doch” meinte.

    Ansonsten verstehe ich die Abgesänge nicht, der Kicker sagt “Der Zauber ist vorbei”. Mein Gott, früher, … was noch nicht mal 18 Monate her ist.

  2. ..wie dein Bericht einfach alles über das Spiel aussagt, indem er nichts drüber sagt. :D
    gut geschrieben und ich find die Fotos neuerdings (auch wenn sie ein wenig unscharf sind) runden die Berichte sehr gut ab.

    immer schön weiter so.. :)

    Ich glaube, dass das Spiel gg Freiburg zeigen wird, wie die Sache für uns diese Saison zuende gehen wird. Bin gespannt und freu mich auf die Nordkurve mit na Dauerkarte, die mich soviel gekostet hat wie dich ein Auswärtsspiel. :D Verrückt!

    Grüße Matze

  3. @Trainer: Reflexartig muss ich betonen, dass ich das Dschungelcamp (dieses Jahr) auch nicht gesehen habe.
    Sein Name stand nicht direkt auf dem Laptop, sondern tauchte irgendwann auf seinem Bildschirm auf. Ich war leider zu perplex, um direkt zurückzufragen.
    Der Kicker sagt ja, der Zauber sei “vorerst” verflogen. Damit hat er, wenn man sich die letzten zweieinhalb Spiele ansieht, sogar Recht. Aber ich denke, dass Mannschaft, Verein und Fans am allerbesten damit leben können, jetzt nur noch sieben statt zehn Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Champions-League-Platz zu haben. Das ist in etwa der Rückstand, den Gladbach zeitweise auf einen Nichtabstiegsplatz hatte.

    @Matze: Ich streng’ mich an.;) Und schön, dass die Fotos gefallen, auch wenn sie nicht mit schweren und teurem Gerät geschossen sind. Zumindest auswärts, werd’ ich neuerdings dran denken, die Kamera mitzunehmen.

    Denke auch, dass Freiburg uns den Weg weisen wird – vor allem als Vorbereitung auf das noch wegweisendere Spiel in Leverkusen. Auch drei Spiele in Folge ohne Sieg wären keine handfeste Krise, aber zumindest der Anflug einer Ergebniskrise.

  4. Moinsen. Mir fehlen irgendwie die Worte, wenn ich immer wieder bemerke, wie oft du genau das niederschreibst, was ich denke und gefühlt habe. Wir waren das Spiel in einer Kneipe gucken und nach dem Spiel? “Soooo’n Hals!” – ich hätte vor Adrenalin und Enttäuschung vermutlich die 2 km in fünf Minuten (inclusive Steigung hoch) geschafft. Unglaublich, wie sehr man sich ans Gewinnen und an schönen (!!) Fußball gewöhnen kann. Letzte Saison schon vergessen? Jo, geht schnell, das.

    Was die Auswärtsfahrten angeht – oder überhaupt Fahrten zu den Spielen – lieber nicht nachrechnen, was das jedes Mal kostet… und was diese Wohltätigkeitstore kosten. Zumindest das EINE Vermächtnis aus zurückliegenden Zeiten bleibt uns erhalten. Hoffentlich kehren jetzt nicht auch diese Last-Minute-Eiertore zurück, die uns ebenfalls leidvoll bekannt sind!!

    Was noch? Alles und nichts – irgendwie ist immer noch eine leichte Enttäuschung da, obwohl wir so gut wie nie zuvor in meinem ca. 10-jährigen Fanleben da stehen. Konstatiere: An Höhenluft gewöhnt man sich wirklich schnell. An abgedrängte Fanbusse (man mag es gar nicht glauben) möchte man da gar nicht denken. Wie armselig, so eine Aktion. Bei aller Vereinstreue, sowas gehört da sicher nicht dazu!!!

    Weiter so mit deinem Blog, ich bin wirklich froh, dass du wieder zurück bist!!!

    Viele Grüße
    Fohlenfreundin

  5. Einen ganzen Tag im “Auftrag” der Borussia unterwegs für den stolzen Preis von 116,05 – das können nur die echten, die wahren Fans. Aber die sind es auch, Gott sei Dank, die uns “Hobby”-Fans dann mit so toll geschrieben Geschichten versorgen können. Danke!
    Ich drücke, trotz meiner Liebe zu einem ungenannten Verein inmitten des Reviers, den Gladbachern die Daumen, das der Vorsprung, zumindest auf Bayer Leverkusen groß genug bleibt, dass du im kommenden Jahr deine Reisen auf das europäischen Strecknenetz erweitern kannst.
    Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Reiseberichte – egal ob national oder international. Weiter so!!

  6. Ich denke die Krise ist meine Schuld.

    Konträr (seltsames Wort) zur letzen Saison habe ich diese Saison fast jedes Spiel der Borussia live im Internet verfolgen können.
    Nur bei den letzten Spielen kam immer wieder etwas wichtigeres als Borussia vor die Füsse (sagt jedenfalls meine Frau). So konnte ich die Spiele nicht verfolgen.

    Im nachhinein würde ich ja sagen: “Glück gehabt, das ich mir das Gegurke nicht angetan habe.” Als Ritualist entschuldige ich mich in aller Form bei euch, dass Ihr es anschauen musstet.
    Nächstes Mal schick ich noch schnell einen Kommentar, wenn ich es nicht schaffen sollte, dann könnt ihr euch vielleicht noch die Augen zuhalten.

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