Tage wie diese

Saison 2011/2012: 34. Spieltag - Mainz 0:3 Gladbach

Gerade nach einer Saison wie dieser ist das Bedürfnis riesig, völlig mit ihr im Reinen zu sein. Der letzte Eindruck bleibt – egal, wie schwer es auch sein mag, am Ende noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen. Mit dem Abpfiff in Mainz verschmolzen die einzelnen Mosaiksteinchen zu einem großen Ganzen, das es einfach nur zu feiern gilt. Gewisse Ereignisse auf gewissen anderen Plätzen sorgten obendrein noch für Genugtuung.

Die letzte Auswärtsreise der Saison begann bereits am 5. April um 9 Uhr morgens, genau einen Monat vor dem Anpfiff in Mainz. Wieder einmal waren zehn Prozent der Tickets nicht genug, um den Durst aller Borussen zu stillen. Alle Vereinsmitglieder, ansonsten ziemlich weit oben in der Bestellhierarchie angesiedelt, waren zunächst leer ausgegangen. Alternativen mussten her.

Nur noch gut 5000 Tickets dürften wenige Tage vor dem Start des freien Verkaufs für alle Mainz-Mitglieder freigeschaltet worden sein. Hinzu kommt, dass tatsächlich zig Gladbacher in den Verein eingetreten waren, weil sie die Kartenknappheit frühzeitig erahnten. Wer konnte denn wissen, dass es am 34. Spieltag um nichts mehr gehen würde? Ich wette, dass es sogar mindestens einen Verrückten gegeben hat, der im Februar den Mitgliedsantrag mit dem Hintergedanken ausfüllte, es könnte um die Meisterschaft gehen. Die Hoffnung, es als Nicht-Mitglied am 5. April überhaupt noch probieren zu dürfen, war dementsprechend klein.

Doch in den Foren gaben Fans, die übergangsweise zu Mainzern konvertiert waren, am Vorabend regelmäßig Wasserstandsmeldungen ab. Irgendwann aber war die Zahl so klein, dass auf dem Rhein bald die Schifffahrt eingestellt werden würde, wenn es sich dabei um seinen Pegel in Zentimetern handeln würde.

Zwei aus 59
Um kurz vor neun legte ich mich am Gründonnerstag also auf die Lauer, mit der F5-Taste als vertrautem Partner, wann immer es im Internet schnell gehen muss. Atomuhrverdächtig erschien exakt zur vollen Stunde die Paarung – mit einem Tortendiagramm daneben, dessen grünes Stück leider kaum noch zu erkennen war. Online sind es 59 Tickets gewesen, die in den freien Verkauf gingen. Keine Sekunde blieb, um zu überlegen, ob ein Nachmittag in der gegnerischen Kurve erstrebenswert ist. Für nur 13,50 Euro kann man es sich erlauben, erst zu handeln und dann nachzudenken. Zweimal Block P landete im Warenkorb, es war geschafft.

Kurz wurden Meldungen verbreitet, es hätten sich so viele Gladbacher Karten in der Mainzer Kurve besorgt, dass der Gastgeber nun überlege, sie alle gemeinsam in einem Block unterzubringen. Davon waren die Mainzer Fans wiederum so wenig begeistert, dass man danach nie mehr etwas Ähnliches hörte. Niemand duldet gerne eine Invasion der heimischen Tribünenstufen, verständlich. Aber es kann auch nicht so schwer sein, das letzte Heimspiel einer Saison ohne Hilfe des Gegners auszuverkaufen.

Ohne dieses Glück wäre die beste Saison meines Fanlebens vielleicht vor einem Fernseher zu Ende gegangen. Wahrscheinlicher wäre es aber gewesen, dass ich mich auch ohne Eintrittskarte nach Mainz aufgemacht hätte, um dort vor Ort alles zu versuchen. Schließlich ist die Hauptstadt von Rheinland-Pfalz von der Hauptstadt des Saarlandes nicht annähernd so weit entfernt wie die Fußball-Hauptstadt des Niederrheins.

Den Fluch brechen
In einer Kneipe am Mainzer Hauptbahnhof endet am Samstag um 13 Uhr eine erneute Sternfahrt. Nils, aus der Heimat gekommen, und Alexander, aus Würzburg angereist, sitzen bereits seit zwei Stunden an der Theke. Letzteren wollte ich an Spieltagen eigentlich gar nicht mehr sehen, weil in dieser Saison ein einminütiges Sich-über-den-Weg-Laufen stets gereicht hat, um anschließend auf keinen Fall drei Punkte zu holen. Am Abend nach dem 0:0 gegen Augsburg haben wir jedoch entschieden, dass wir einfach auf Teufel komm’ raus versuchen werden, den Fluch zu brechen. Wenn nicht in einem Spiel, in dem es offiziell um nichts mehr geht, wann dann?

In den Tagen zuvor haben Nils und ich lange ausgeklügelt, wie wir uns am besten anziehen, um in der gegnerischen Kurve nicht aufzufallen. Es fällt schon schwer, auf Schwarz-Weiß-Grün zu verzichten. Wie soll es dann möglich sein, Gladbacher Tore regungslos zu feiern, im besten Fall mit einem High Five auf Kniehöhe? Als wir am Acker vor der Coface-Arena aus dem Bus steigen, kann ich es mir immer noch nicht richtig vorstellen. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion haben uns zwei Gladbacher für völlig bekloppt gehalten und waren ziemlich irritiert. Erst Recht, als wir auch noch erzählten, dass wir im Sommer bei den Olympischen Spielen in London Karten fürs Gewichtheben der Frauen haben (Klasse ab 48 kg) und drei Wochen später auf jeden Fall mit dem Zug zum ersten Europacup-Auswärtsspiel unseres Lebens fahren.

In meinem T-Shirt und in meiner Lederjacke fühle ich mich unter Trikot-, Schal- und Kuttenträgern wie der letzte Eventfan. Wahrscheinlich wird man mich in der Mainzer Kurve auch für einen solchen halten, wenn ich kein Lied kenne und immer im falschen Moment überhaupt eine Regung in meinem Gesicht zeige. Aus der Ferne sieht die neue Arena aus wie ein riesiger Möbeldiscounter in einem Gewerbegebiet am Arsch der Welt. Aber wer einen Zweitwohnsitz im Borussia-Park hat, darf sich nicht beschweren. Zumal sowohl der als auch das Mainzer Stadion von innen erste Sahne sind.

Nicht nachdenken, machen
Im strömenden Regen zieht es uns zuerst zum Gästeblock. Wie schnell dann alles geht, hätten wir selbst nicht gedacht. Ein Mann hält zwei Karten hoch. Es würde alles noch schneller gehen, wenn wir nicht 18 Sekunden benötigten, um die Chance zu ergreifen. Block H, Sitzplatzkarten, Reihe 1, für den Normalpreis. Es ist wie bei der ersten Bestellung der Karten im Ticketshop des FSV Mainz 05 – nicht nachdenken, machen. Fast würde unser Portemonnaie uns einen Strich durch die Rechnung machen. 41 von 56 Euro kratzen wir zusammen, für den Rest bürge ich mich meiner Handynummer und meinem Namen. Danke für das Vertrauen in zwei Jungspunde mit zu wenig Geld in der Tasche und ohne Devotionalien am Körper!

Binnen drei Minuten sind wir anschließend eines unserer beiden Stehplatztickets los, wir bekommen sogar die Versandkosten erstattet. Nils rennt mit den 15 Euro zu unserer Kartenquelle für den Gästeblock. Falls sie das liest, kann die Quelle meine Nummer jetzt ja wieder löschen. Angefixt von den ersten Gehversuchen auf dem Schwarzmarkt (Fair Trade), spaziere ich zur gegenüberliegenden Kurve.

Anscheinend war der Markt jedoch genau mit der einen Karte gesättigt. Nach 30 Minuten stehe ich noch immer mit gerecktem Arm in der Gegend, nachdem ich bereits dreimal vom linken auf rechten und wieder zurück gewechselt habe. So eine Thrombose würde mir gerade noch fehlen. “Was ein Scheißjob”, sagt eine Frau im Vorbeigehen zu ihrem Mann. Ich fühle mich sozial geächtet. Verzweifelt schwimmen Nils und ich gegen den Strom der Fans auf dem Weg zur Arena. Keiner will, nicht einmal für “zehn Euro, Sonderpreis”. Erst nach weiteren zehn Minuten erbarmt sich ein Jugendlicher – die jungen Leute wissen Schnäppchen wenigstens noch zu schätzen.

Rückblick auf JHV
Der würdige Abschluss der Saison ist damit gesichert. Vergangenes Jahr hatte alles endgültig mit der legendären Mitgliederversammlung am 29. Mai geendet. Vier Tage nach dem Klassenerhalt in Bochum war es damals in ein weiteres Endspiel gegangen: Alle gegen die “Initiative Borussia”. Endstand: 4434:335. Die Versammlung in dieser Saison konnte damit nicht ganz mithalten.

Rolf Königs musste sich wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Präsidentschaft keine Fragen anhören, wann er denn endlich abtritt. Im Grunde hatte in vielen Jahren ja schon niemand mehr höflich gefragt, sondern es war in den Wortmeldungen offen gefordert worden. Jetzt setzte Königs bei seiner Selbstbeweihräucherung in Form einer Powerpoint-Präsentation sogar gelungene Pointen. Beim Blick auf das Einzugsgebiet der Fanshop-Kunden ragte neben dem Postleitzahlenbereich 4 vor allem der 5er-Bereich heraus, also auch der Raum Köln. “Dort wird offensichtlich gerne in Borussia-Bettwäsche geschlafen”, sagte Königs und heimste einige Lacher ein.

Die Aussprache mit dem Präsidium und der sportlichen Leitung fiel kurz aus. Selbst die wirklichen Missstände, wie die Zahl der Mülleimer rund ums Stadion oder die Abholzung des “Pinkel-Waldes”, blieben unberührt. Und auch 3,5 Millionen Euro Verlust sorgten nicht für Furore. Dafür genügte allein der glaubwürdige Hinweis, dass 2012 beim Umsatz womöglich die 100-Millionen-Euro-Marke fällt. Zu guter Letzt glich die Wahl des Aufsichtsrates bei sechs Bewerbern für fünf Plätze reiner Willkür. Welchen Mann kreuzt man nicht an, wenn man nicht einen von ihnen richtig kennt? Eine Woche später weiß ich selbst nicht mehr, wen ich ausgelassen habe und was der Grund dafür war. “Die Seele brennt” beendete die Veranstaltung nach vier Stunden. Wenn schon die ganze Spielzeit in die Vereinsgeschichte eingehen muss, dürfte für die Mitgliederversammlung 2012 in einer Neuauflage der Vereinschronik kein Platz sein.

Ab und an doch mal nachdenken
Warum wird man überhaupt Mitglied seines Vereins? Hamburg, Schalke und die Bayern haben mehr als die FDP. Vielleicht wird sogar Gladbach mit seinen derzeit 52.000 Mitgliedern bald die Liberalen überholen. Früher waren die 60 Euro im Jahr gut angelegt, um sicher an Karten zu kommen. Jetzt wird auch dieses System reformiert, die Lebenslang-Dauerkarte macht es für Heimspiele sowieso überflüssig. Bedeutet es einem wirklich so viel, einmal im Jahr zwei Freigetränke sowie einen Imbiss zu bekommen und dabei für Leute die Hand zu heben, die nur dann einen guten Job machen, wenn man sie gar nicht kennt? Es ist, wie so vieles im Fußball, nicht endgültig zu klären. Aber es ist gut, wenn das Reflexionsvermögen noch ausreicht, um sich diese Fragen zu stellen und am Ende trotzdem alles beim Alten zu belassen.

Denn was ist ein Mitgliedsausweis schon wert, wenn man am letzten Spieltag einer Saison im Gästeblock steht, es aus Eimern gießt und die Welt dennoch in Ordnung ist? Kurz vor dem Anpfiff machen sich die Ultras am Fangnetz zu schaffen. Nach wenigen Minuten segnet das Ding unter tosendem Beifall das Zeitliche. Vandalismus ist nie gut, aber er ist zumindest nicht so zu verachten, wenn er annähernd eine Bewandtnis hat. Den Grund für die Fangnetz-Zerstörung erfahren alle Uneingeweihten um 15:30 Uhr: Unzählige schwarz-weiße Wasserbälle fliegen auf den Rasen. Gegen aufgeblasene Pyrotechnik aus Gummi ist nun wirklich nichts einzuwenden, wenn stattdessen kein Feuer abgefackelt wird.

Für Nils und mich hat die Aktion in der ersten Reihe den Vorteil, dass sich vor unserer körpereigenen Netzhaut nun keine weitere mehr befindet. Bereits bei der ersten Strafraumszene vor unseren Augen will ich am liebsten selbst eingreifen, weil das Geschehen so nah ist. Wenn 34.000 kurz den Mund halten würden, könnte man Marc-André ter Stegen beim Schluck aus der Wasserflasche nicht nur sehen, sondern ihn sogar hören. Die Möbelhausoptik der Außenfassade ist allemal kein Grund, etwas gegen ein Stadion zu sagen, wenn der Architekt es geschafft hat, in seinen Planungen auch an den Gästeblock zu denken.

Seltener Daems, häufiger Reus
Was gibt es noch für sportliche Ziele unter diesen Voraussetzungen? Die 60-Punkte-Marke, ein Abschiedstor von Marco Reus, den ersten Auswärtssieg in Mainz, einen Sieg des FC Schalke in Bremen (um den Ärger über das 0:0 gegen Augsburg nicht wieder aufkeimen zu lassen), den Abstieg des 1. FC Köln, die 15. weiße Weste der Saison, Platz drei in der Auswärtstabelle – fast alles würde ein Sieg ohne Gegentor bringen, zu dem Reus einen Treffer beisteuert.

Lediglich die Hertha sorgt mit dem 1:0 gegen Hoffenheim für Fortschritte. Währenddessen verweigern sich Gladbach und Mainz keineswegs, es passiert nur nicht viel Nennenswertes. Vielleicht wären beide sogar noch abwartender und würden sich noch mehr Fehler leisten, wenn es um etwas gehen würde. Tolga Cigerci und Alexander Ring feiern ihr Startelf-Debüt. Fünf Borussen sind jünger als 23 Jahre, im weiteren Verlauf wird Lucien Favre mit Julian Korb und Patrick Herrmann noch zwei weitere einwechseln. Insgesamt vier kommen aus dem eigenen Nachwuchs, ein Fünfter sitzt mit Amin Younes auf der Bank.

Nach 31 Minuten lupft Cigerci sehenswert in den Lauf von Filip Daems. 3240 Pflichtspielminuten mit so vielen Vorstößen wie nie zuvor in seinem Borussenleben hat der Belgier für das benötigt, was ihm nun gelingt: Er legt zurück auf Reus, der mit einem wuchtigen Schuss sein 20. Saisontor in Liga und Pokal erzielt – und für Daems ist es die erste Torvorlage seit dem 07. März 2009, seine zweite erst im 149. Bundesligaspiel.

Müller trifft “doppelt”
Einen Vorteil haben Spiele ohne großen sportlichen Wert: Die Stadionregie darf auf der Anzeigetafel so viele Tore zeigen, wie sie will. Erst sorgt Julian Draxler mit dem Schalker 1:0 für Erleichterung. Dann lässt Thomas Müller das 1:0 für die Bayern fallen – und im Gästeblock von Mainz zumindest akustisch das 2:0 für Gladbach. Nach 34 Minuten ist der 1. FC Köln noch abgestiegener. Die Borussen wollen den rheinischen Rivalen für mindestens ein Jahr loswerden und verzichten sogar selbstlos auf sechs sichere Punkte.

Der Halbzeitpfiff könnte in allen Stadien jetzt gerne der letzte der Saison sein. Die Borussia hätte sich zwar nicht mit einer Galavorstellung verabschiedet, aber alle gesteckten Ziele an diesem Nachmittag wären erreicht. Dass es von allen Seiten regnet, kann da beinahe vernachlässigt werden. Doch es geht am Saisonende nicht nur um Fakten, sondern um Gefühle. Ein dicker Hals wie nach dem 0:0 gegen Augsburg wäre dem zweiten Wunder innerhalb von einem Jahr nicht würdig gewesen. Aber nicht allein das Spezielle an der Gladbacher Geschichte haucht dem letzten Auftritt mehr Bedeutung ein, als man zunächst vermutet. Wer am 34. Spieltag verliert, bleibt drei Monate ohne Sieg. Mannschaften aus der Abstiegsregion haben gleichzeitig die Möglichkeit, eine Serie zu starten, wie sie ihnen im Laufe einer Spielzeit nie gelingen wird.

Kurz nach der Pause ist sich Marco Reus offenbar nicht sicher, mit was für einem Tor er sich verabschieden will. In der 53. Minute wäre ein würdiger Moment da, nachdem Juan Arango noch einmal die Lust gefunden hat, sich kreativ einzubringen. Aber Reus ist gegen Noveski einen Schritt zu langsam, was nur damit zu erklären wäre, dass er den Rahmen für sein Abschiedstor noch nicht würdig genug findet. Mit einem schnelleren Abschluss hätte er womöglich aus 25 Metern voll in den Winkel getroffen, was 37 Minuten vor dem Ende die Gefahr geborgen hätte, anschließend noch ein weniger schönes Tor zu erzielen. Zwei Minuten später ist Ring schon einen Schritt weiter. Um so protokollarische Zwänge wie einen möglichst sehenswerten Treffer muss sich der Finne ja auch keine Gedanken machen. Die Abseitsregel gilt aber auch für ihn.

Der Kreis schließt sich
Allerdings ist Reus mit seiner Geduld bereits am Ende, als 62 Minuten gespielt sind. Wieder ist der Vorlagengeber einer, der sich nur selten die Ehre gibt. Roman Neustädter hat sogar 3361 Minuten für seine erste Torvorlage der Saison benötigt. Immerhin hat er sie sich für seinen Kumpel aufgehoben, mit dem er als Schalker auf dem Platz bald nicht mehr befreundet sein darf. Schade, dass es nicht Keeper Christian Wetklo ist, an dem Reus nach einem Pass in die Schnittstelle den Ball vorbeischiebt, sondern Heinz Müller. 981 Tage zuvor war es nämlich Wetklo, der als erster Bundesligatorwart keine Chance hatte gegen den Youngster. 35 Mal passierte es daraufhin noch in der Bundesliga. Mehr als seine insgesamt fünf Tore gegen Mainz hat Reus gegen keinen anderen Verein erzielt, nicht einmal gegen den 1. FC Köln.

Der liegt unterdessen 0:3 hinten gegen die Bayern. In Mainz können sich alle Gladbacher ganz auf sich konzentrieren und mit einem Ohr wachsam in Berlin bleiben. Nach 69 Minuten sorgt Igor de Camargo für die Entscheidung. Der wunderschöne Außenristpass kommt natürlich von Reus, dessen 24 Assists in drei Jahren auch nicht vergessen werden sollten. Allein elf hat er in dieser Saison gegeben. Zieht man die Tore ab, die daraus resultierten, hat der VfL neun Punkte weniger. Ebenso viele sind es, wenn man die 18 selbst geschossenen Tore des 22-Jährigen abzieht.

Für eines muss man ihn deshalb verfluchen: Mit diesem Auftritt zum Abschied hat er es keinen Deut leichter gemacht, ihn gehen zu lassen. Mittlerweile zweifle ich daran, ob 17,1 Millionen Euro überhaupt genug sind. Sechsmal eine glatte 1 vom Kicker, viermal eine 1,5, mit 2,58 der beste Notenschnitt der Liga – sollte er jetzt auch noch bei der EM eine Rolle spielen, könnte erstmals seit Uwe Rahn 1987 ein Gladbacher “Fußballer des Jahres” werden.

Wir Sandstrand, ihr Sandhausen
Spätestens, als Hertha das 2:0 gegen Hoffenheim erzielt, ist einer der besten Tage der Saison perfekt. Und das, obwohl es doch um gar nichts mehr geht. Was sagt einem das? Kann die Borussia nur um ihre Existenz oder um gar nichts kämpfen? In den letzten Minuten der Saison spielt das keine Rolle. Sie sind da, um völlig unreflektiert das große Ganze zu feiern – Gladbach Sandstrand, Köln Sandhausen. In Bremen führt Schalke weiterhin. Zumindest dem Unentschieden gegen Augsburg muss man keine Träne mehr nachweinen.

Auf zehn Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen folgten in der Rückrunde sieben Siege, sechs Unentschieden und erneut nur vier Niederlagen. Mit Blick auf die vier torlosen Remis – in der Hinrunde gab es kein einziges – lässt sich resümieren, dass am Ende für Platz drei die 1:0-Siege wie gegen Hamburg oder Nürnberg gefehlt haben. Die Borussia war am Ende nicht mehr so effektiv. Mit der Kraft schwand das Hurra, woran auch die Gegner ihren Anteil hatten, die sich das Spektakel nicht mehr tatenlos aus der ersten Reihe ansahen. Seit dem Wiederaufstieg holte Gladbach im Schnitt einen Punkt pro Spiel. Wenn es sonst aus vier Partien nur vier Punkte gab, waren es diese Saison gleich sieben. Effektiv hat die Mannschaft sieben Mal ein Spiel gewonnen, das sie in den anderen Jahren verloren hätte.

Aber helfen diese Zahlen überhaupt, um die Saison 2011/2012 zu begreifen? “Erste Runde Bukarest”, schallt es vom Gästeblock aufs Spielfeld, “zweite Runde Rom.” Ich habe in diesem Jahr Texte von Liedern gelernt, von denen ich vorher lediglich die Melodie kannte. Mir hat ein gegnerischer Fan auf die Schulter geklopft und versichert, dass Gladbach dieses Jahr Meister wird. Ich habe im Januar Tickets fürs Pokalfinale bestellt, um auf Nummer sicher zu gehen. Ich habe mich nach manch einem Tor, wie nach dem 3:0 gegen Schalke im Februar, kaum noch freuen können, weil ich gar nicht glaubte, was da vor sich ging. Diese Gefühle sind es, die die Erinnerung prägen werden. 58 Punkte, 59 Punkte, 60 Punkte – das ist unterm Strich doch nur wichtig, weil in die Abschlusstabelle nun einmal irgendeine Zahl eingetragen werden muss.

Kamps vor Neustädter
Nach fast genau 90 Minuten beendet Schiedsrichter Wolfgang Stark die Saison. Im Pulk der Mannschaft bewegt sich Marco Reus mit einem Mainz-Trikot auf der Schulter in Richtung Gästeblock. Wahrscheinlich ahnt er, dass es Tumulte auslösen würde, wenn er das mit der Raute auf der Brust in die Zuschauer wirft. Alle stehen sie da in einer Reihe, machen die Welle und es fehlt tatsächlich keiner der Hauptdarsteller, die noch bei den letzten Feierlichkeiten am Ende einer Spielzeit mitjubelten. Wo ist dieses Jahr hin? “Wir waren doch gerade erst in Hamburg und in Bochum”, sage ich ungläubig zu Nils.

Fast jeder wird nach vorne beordert, um gefeiert zu werden. Zuerst ist Reus dran, der sich verbeugt und mit der Hand aufs Herz schlägt. Im August nach einem Tor gegen Wolfsburg hat er diese Stelle noch geküsst. Dann kommt Dante. Neustädter muss ein paar Lieblingen den Vortritt lassen, bis auch er sich verabschieden darf. Selbst Uwe Kamps ist eher an der Reihe. Aber der ist auch seit 30 Jahren im Verein und schlug einst ein Angebot von Real Madrid aus. Da kann keiner der drei in Sachen Treue mithalten.

So ganz ohne Pyrotechnik ging es offensichtlich doch nicht. Ein paar tausend Euro wird diese Art des Saisonabschlusses gekostet haben. Im Vergleich zu dem, was sich zur selben Zeit in Köln abspielt, muss man fast sagen: Die Argumente für Pyrotechnik erschließen sich mir zwar in keiner Situation. Aber ein bisschen fröhliches, wenn auch gefährliches Licht, ist immer noch besser, als das eigene Stadion wie nach einem Flugzeugabsturz in schwarzen Rauch zu hüllen. In Paderborn werden sie kommende Saison schon sorgfältig abtasten.

Kindliche Heldenverehrung
Bevor sich die Mannschaft, auf dem nassen Rasen sitzend, geschlossen eine Blasenentzündung holt, geht es ab in die Kurve. Spätestens jetzt sind 28 Euro für den Platz in der ersten Reihe das am besten angelegte Geld der Saison – auch wenn Christofer Heimeroth seine Trainingsjacke nicht hergeben will. 2011 endete alles mit Haaren von Dante, jetzt mit 20 verschiedenen Sorten Schweiß – man gönnt sich ja sonst keine kindliche Heldenverehrung.

Als Lucien Favre den Rufen mehr als 20 Minuten nach dem Abpfiff nachgibt, umweht den Schweizer eine rätselhafte Aura. Im vergangenen Jahr beendete er auf der Mitgliederversammlung seine Ansprache mit den Worten “Isch freue misch”. Jetzt fehlt nun einmal dieses Bekenntnis, um die letzten Zweifel zu nehmen, dass er sich auch auf die kommende Saison freut. An allen Ecken kennt jemand eine Quelle, die natürlich nicht genannt werden darf. Die Meldungen reichen von Abschied bis zu einer baldigen Vertragsverlängerung bis 2015. Auch das hat dieses Jahr gelehrt: Wer nicht explizit Lust auf Verwirrung und Zukunftsangst hat, der sollte nur noch den Meldungen glauben, die der Verein herausgibt. Ansonsten: Viel Spaß beim Kopfzerbrechen!

Im ICE nach Köln (sic!) bekommen Nils und ich uns gar nicht mehr ein, weil der FC abgestiegen ist. Alle reden immer von den zwei sicheren Siegen im Derby. Aber mal ganz ehrlich: Was ist ein Derby noch wert, das einen unter einem 3:0 nicht mehr vom Hocker reißt? Was ist es noch wert, wenn man in Gladbach-Montur Züge über Köln-Ehrenfeld meidet? Ist es dieser 1. FC Köln überhaupt wert, so viel Energie in die Rivalität zu stecken, wenn doch nur eine Niederlage in Ingolstadt noch so richtig Genugtuung bringt? Dieser Klub könnte sich aus dem Vereinsregister streichen lassen – ich würde schöne Derbysiege in Erinnerung behalten, dem FC aber keine Träne nachweinen. Am Kölner Hauptbahnhof wartet sogar der ICE, der uns nach Düsseldorf bringt. Na klar, die Deutsche Bahn ist Hauptsponsor von Hertha BSC. Neun Schritte machen wir auf dem Zweitligaboden zwischen Gleis 4 und 5. Ein kurzes “Ihr könnt nach Aalen fahr’n!” – und ab nach Hause.

Sie haben Recht
Im “MaNaMaNa” am Alten Markt in Mönchengladbach schließt sich ein Jahr nach der Relegation endgültig der Kreis. Dass ich damals, als das Wunder erst wenige Stunden perfekt war, noch kein Altbier getrunken habe, ist wohl der geringste Unterschied zu 2011. Gerade die Jüngeren liegen sich in den Armen, weil sie so etwas Großes noch nie erlebt haben. Und die Alten könnten heulen vor Freude, weil sie schon nicht mehr daran geglaubt hatten, noch einmal so etwas Großes zu erleben.

Natürlich ist der ständige Begleiter wieder dabei – “Die Seele brennt”. Gleich das achte Wort lautet “magisch”. Diese Saison hat ihm erstmals Leben eingehaucht, Bilder, Erinnerungen, die bleiben. Anders als Borussias Hausband B. O. kommen Die Toten Hosen zwar aus Düsseldorf. Aber wegen ihrer genialen Musik dürfen sie auch in einer Gladbacher Fankneipe laufen. Und was bleibt einem anderes übrig, als ihnen mit Blick auf die Saison 2011/2012 mit einem entschlossenen Kopfnicken zuzustimmen: “An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit.”

07. Mai 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , | 15 Kommentare

Kommentare (15)

  1. Danke für Deine wunderbaren Texte, ganz groß!
    Jetzt verstehe ich auch, warum ausgerechnet die Postbank unser Sponsor werden musste:
    CHAMPIONSLiCH

  2. wun|der|bar

    1. wie ein Wunder erscheinend
    (emotional) überaus schön, gut und deshalb Bewunderung,
    2. Entzücken o. Ä. hervorrufend
    (umgangssprachlich) in beeindruckender, Entzücken o. Ä.
    hervorrufender Weise

    ausgezeichnet, bezaubernd, brillant, eindrucksvoll, einmalig, entzückend, fabelhaft, fulminant, genial, gigantisch, grandios, groß, herausragend, herrlich, hervorragend, hinreißend, märchenhaft, paradiesisch, phänomenal, schön, sensationell, spektakulär, überragend, überwältigend, unvergesslich, vollendet, vorzüglich; (bildungssprachlich) exzellent, exzeptionell, formidabel, superb; (umgangssprachlich) bombig, doll, famos, fantastisch, glänzend, großartig, himmlisch, irrsinnig, klasse, pfundig, prima, riesig, scharf, spitze, spitzenmäßig, super, toll, traumhaft, umwerfend; (schweizerisch umgangssprachlich) gefreut; (umgangssprachlich, besonders süddeutsch, österreichisch, schweizerisch) sauber; (salopp) cool, eine Wucht, irre; (salopp, besonders berlinisch) dufte; (salopp, besonders Jugendsprache) [affen]geil; (emotional) köstlich, unvergleichlich; (umgangssprachlich emotional) sagenhaft; (oft scherzhaft) göttlich; (Jugendsprache) astrein, fett, heiß, stark; (besonders Jugendsprache) mega.

    So fand ich diese Saison und deinen Bericht. :)

    Danke für deine tollen Berichte diese Rückrunde !!!

    Lg Matze

  3. Danke, nochmals, für diesen schönen Abschlussbericht zu dieser grandiosen Saison. Obwohl meine Zeit mit der Borussia nun ca. 10 Jahre dauert, habe ich es nach der letzten Saison nicht für möglich gehalten, so eine wahnsinnige Saison nach dem Fast-Abstieg erleben zu können. Schade, dass ich (wir) es nicht gewagt haben, doch einfach nach Mainz zu fahren… Aber egal. Wir freuen uns einfach über das tolle Ergebnis. Trotzdem: Ein weinendes Auge bleibt. Reus ist weg, zur falschen Borussia. Seufz. Dir, lieber Jannick, vielen Dank, dass du diesen Blog nun doch weitergeführt hast. Es hätte wirklich das i-Tüpfelchen auf der Saison gefehlt. Nun eine schöne Sommerpause (garniert mit der EM) und dann geht es in eine hoffentlich schöne weitere Saison mit unserer Borussia. :o)

  4. Ein würdiger Abschluß Deiner Berichte zu einer tollen Saison. Klasse !
    War im P Block mit Gladbach Schal. Im Umkreis standen etliche Gladbacher, die teilweise ihren Schal vorne abgeben mussten…..Manche hatten Trikots unter den Jacken…..sollten die auch abgegeben werden ?….manchmak bescheuert – so ein Ordnerleben ! Es macht einfach keinen Spass mit hochgeschlossenem Kragen in den Block zu gehn…….Du hast also nichts verpasst im P Block, wobei es dann doch sehr harmonisch und korrekt zuging…

  5. Einfach Superklasse der Bericht ! Und tatsächlich: Wir “Alten” (ich bin seit 1969 dabei) hätten das nicht mehr für möglich gehalten. Unser Team in Europa? Mein Kommentar war dann immer: “Wenn das passiert, dann ist meine “Grubenfete” schon 20 Jahre lang Geschichte…”. Wie gut und schön, dass man sich irren kann… Mit der “Grubenfete” und auch mit unserer Broussia !!!

  6. Danke Jannik, für diese großartigen berichte zu einer großartigenSaison. Falls du nicht wieder ein Buch schreiben willst, werde ich mir die wohl alle kopieren und sichern müssen :-) Ich hab jetzt letztens auch noch zugeschlagen, und mir “Soweit die Raute trägt” geholt. Sollte ich irgendwann mal Kinder haben, wird das definitiv zur Pflichtlektüre!
    Wir sehen uns in diversen Zügen und Fliegern, irgendwann ab Ende August, quer durch Europa! Ich hab Bock! :-)

    Schöne Sommerpause, auf dass sie nicht allzu lang sein möge, und trotzdem gespickt mit schönen Transfers!

  7. Ach, was für ein schöner Artikel. Freue mich, dass Du wieder bloggst und ich Deine Erlebnisse mitlesen darf.

    Weiter so und Grüße,

    Dusk

  8. Vielen Dank für diesen und die anderen Berichte und dass du dich doch wieder entschlossen hast deinen Blog fortzuführen! Ich hoffe auch in der nächsten Saison, trotz des erhöhten Schreibbedarfs aufgrund Europapokalspielen :-)

    Achja, lieber im Mainzer Block am 34. Spieltag als in Dortmunder Süd am 32. Spieltag… Man kommt sich so einsam vor wenn man ein (dann auch noch nicht gegebenes) Tor von Mike Hanke inmitten von Leuten bejubelt die sich beschweren dass sie ja lieber erst am 34. Spieltag Meister geworden wären… :-D

  9. Merci
    Dasch war schön
    Aber ehrlich bei allem K***** Hass. Die Derbies werd ich trotzdem vermissen und hoffe, dass es nächste Saison wieder so weit sein wird, nicht nur wegen der 6 Punkte.

  10. Bei aller Lust am Untergang der Anderen, aber ganz ohne Köln isses irgendwie auch nix.
    Ich meine, die Saison war ja schon ziemlich geil, aber dass es dann gleich sooo geil werden muss, bis einer weint…

  11. Danke für deine Berichte. Habe es auch nicht bereut die Reise nach Mainz anzutreten morgens um 9 ging es los aus Münster und dann in die verbotene Stadt zum Bahnhof Deutz, von dort mit meinem Bruder mit dem Auto durch die Sinnflut nach Mainz. Als wir uns nach dem ich einem Kollegen noch eine Karte für einen englischen Bekannten geben konnte, in den Block gekämpft haben. Gab es auf dem noch ein feines Sahnestückchen auf der Treppe lief plötzlich vor mir einer der 95er-Pokalhelden in Person von Thomas Kastenmaier, ich will es meinem Bruder sagen doch der fängt an zu singen: “Oliver Neuville, Olli, Olli, Oliver Neuville.” Der lief direkt neben Kaste, aber ist ja nicht der größte den kann man mal übersehen :P Okay bin selbst nicht groß, aber der Olli hat ja keine 1,70 :)
    Zum Rest hast Du alles gesagt, ein sehr gelungener Saisonabschluß. Mir ist die Sommerpause schon jetzt zu lang.

  12. Und ich sach noch im Spaß… };-)

    Freut mich mein Lieber. Viel Erfolg in Europa! Wir sehen uns im Park nächste Saison.

  13. Stimmt, Olli und Kastenmaier habe ich ganz vergessen. Standen in der 2. Halbzeit ein paar Reihen hinter uns und konnten das Spiel nach dem gefühlt 100 Fotos dann auch mal genießen. Mich würde auch mal interessieren, wie viele kleingewachsene Fußballprofis sich mit großzügigem Aufrunden über die 1,70 Meter retten.

    Ansonsten danke ich euch sehr für eure Kommentare! Die zeigen einem immer, dass man nicht gegen eine Wand schreibt, sondern dass auch etwas zurückkommt. Wie gesagt: Vielen Dank!

    Voraussichtlich schon in der kommenden Woche gibt es auch halbwegs große Neuigkeiten – seid gespannt.;)

  14. Halbwegs große Nachrichten? Na toll, nun muss ich mich die ganze Zeit fragen, was das wohl für Nachrichten werden. Nein, ich bin gaaar nicht neugierig *g*.

    Und wenn du immer diese tollen Texte schreibst, dann muss z. B. ich auch immer drauf antworten – gegen eine Wand schreibst du ganz sicher nicht!!! Dein Blog ist für mich nach wie vor der beste.

    Ein schönes WE und bis nächste Woche, hoffentlich…

    Liebe Grüße
    - Fohlenfreundin

  15. Hallo!
    Wirklich grandios der Blog und im Besonderen der letzte Eintrag. Wobei ich bei Köln widersprechen muss. Trotz der unwürdigen Fanstumulte war es stets ein besonderes Erlebnis gegen Köln. Das wird mir neben den sechs Punkten fehlen. Und ganz ehrlich: friedlich dürfte das Ersatzderby gegen Düsseldorf auch nicht unbedingt werden.

    Weiter so! Freue mich auf das Buch zur Wundersaison und viele Posts 2012/2013.

    Man sieht sich in Europa oder tatsächlich in London. Wenn ich auch nicht zum Gewichtheben, aber immerhin (u.a.) zum Frauen-Tischtennis gehen werde.

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