Mit Fortuna im Bunde

Muss man sich für Glück entschuldigen? Didier Deschamps hat die deutsch-französischen Beziehungen gestärkt und das Los mit der Aufschrift „Germany“ genau im richtigen Moment gezogen.

Die Worte „glücklos“ und „Losglück“ nennt der Sprachwissenschaftler ein Anagramm. Die Buchstaben sind gleich, allein ihre Anordnung ist anders. Trotzdem macht es einen gehörigen Unterschied, ob sich die Silbe „glück“ oder „los“ nach vorne drängt. Wenn irgendwo auf dieser Welt ein arrivierter Ex-Fußballer in eine Salatschüssel greift und eine kleine Plastikkugel samt Papierstreifen zieht, dann bleibt der deutschen Nationalmannschaft seit jeher das Losglück hold. Es ist schon fast ein Naturgesetz.

Glückslose sind die Gegner Österreich, Polen und Kroatien mit Sicherheit. Und so reisen Jogi Löw und Oliver Bierhoff alles andere als glücklos in die Heimat zurück. Herr Rieck fiel im Radio bei WDR 2 fast von der Mittelwelle, so sehr hatte ihn die Segnung Fortunas begeistert. Auch ich musste mich bei strömendem Regen auf der A44 schwer konzentrieren, um vor lauter Verwunderung über diese chronische Glückssträhne im Vorfeld großer Turniere nicht die Ausfahrt zu verpassen. Selbst Jogi Löw konnte sich das Schmunzeln nicht verkneifen – hat zumindest Herr Rieck berichtet.

Vierundsechzig verschiedene Konstellationen hätten sich für die deutsche Mannschaft ergeben können. Am Ende ist dabei ein Gegnertrio herausgekommen, mit dem man mehr als nur leben kann. Allein Schweden wäre anstelle von Kroatien ein angenehmerer Kontrahent gewesen. Die Reihenfolge der Partien stimmt ebenfalls zufrieden. Zum Warmmachen heißt der Gegner am 8.Juni Polen. Vier Tage später gilt es gegen die insgeheim favorisierten Kroaten, die Pleite von Lyon bei der WM 1998 wett zu machen. Wenn es optimal läuft, könnte der letzte Auftritt gegen Gastgeber Österreich am 16.6. zum Schaulaufen fürs Viertelfinale werden – wie gesagt, wenn es optimal läuft.
Boubacar Sanogo versuchte sich gestern Abend im Auftrag des ZDF schon einmal als Glücksfee. Holland, Kroatien und Polen hießen seine im Sportstudio ermittelten Gegner. Damit war er etwas näher dran, als ich bei meiner simulierten Auslosung vor zehn Tagen.

Neben dem deutsch-polnischen und dem deutsch-österreichischen Nachbarduell gibt es in anderen Gruppen ebenfalls interessante bis brisante Paarungen. Die Schweiz trifft auf die Türkei – 2005 kam es bei diesem Aufeinandertreffen in der WM-Relegation zu Kampfszenen, die man auf Fußballplätzen so niemals sehen will. Frankreich und Italien liefern die Neuauflage des WM-Finales von 2006, die Niederlande gesellen sich mit Rumänien in Gruppe C dazu und bilden die erwartete „Hammergruppe“. Titelverteidiger Griechenland misst sich in Form von Spanien und Russland mit zwei Gegnern, die sie von der EM 2004 noch bestens kennen.

Der französische Welt- und Europameister Didier Deschamps hat mir in anderer Hinsicht ebenfalls große Erleichterung bereitet: Ein deutsches Viertelfinale wird auf keinen Fall am Tag meines Abi-Balls stattfinden. Glück gehabt!

02. Dezember 2007 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Auswärtiges Amt, Die mit dem Adler | Schreibe einen Kommentar

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