Die Elf des Jahres (1)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Wir schreiben den 20.April 2007. Werder Bremen empfängt im Freitagsspiel der Bundesliga Alemannia Aachen. Der Aufsteiger steht am 26. Spieltag bereits vor dem Klassenerhalt – Platz neun, 33 Punkte, sechs aufs die Abstiegsränge. Fünf Wochen später heißt der Gegner Werder Bremen, die Domstädter reisen mit einem Rucksack von drei Niederlagen in Serie ins Weserstadion. Nach zwei Minuten erzielt Pinto die überraschende Führung. Eine ganze Halbzeit lang hält die schwarz-gelbe Defensive dem wütenden Bremer Angriffswirbel stand, bis Jensen und Rosenberg mit einem Doppelschlag das Spiel drehen.

In der Nachspielzeit hat Aachen die Möglichkeit den Ausgleich zu erzielen. Sie werfen alles nach vorne, sogar ihren Keeper Kristian Nicht. Der bekommt Sekunden später eines der denkwürdigsten und überragendsten Tore der Bundesliga-Geschichte eingeschenkt. Schlaudraffs Freistoß wird abgewehrt, der Ball kommt zu Diego. Aus sage und schreibe 62,5 Meter nimmt der kleine Brasilianer Maß, der Schuss wird lang und länger, setzt auf und hüpft von der Unterkante der Latte ins Tor.

Freud’ und Leid sind in dieser Szene ganz eng beisammen: Werder steht auf Platz zwei, Diego kriegt sich kaum ein vor Freude, während Kristian Nicht erschöpft und geschlagen am eigenen Strafraum zusammensackt. Sein 80-Meter-Sprint war umsonst.
Der englische Kommentator verleiht diesem Video noch etwas Einzigartiges, seine Stimmung bewegt sich nämlich eher auf Diego-Niveau. Dessen Tor, für ihn ein “touch of brilliance”. Doch auch sein Mitleid für Kristian Nicht ist bemerkenswert. Lobenswert zudem sein Bemühen, den Ungeheuern der deutschen Sprache wie Schlaudrauff, Alemannia Aachen oder Energie Cottbus nicht klein bei zu geben. Da hat man doch schon ganz anderen phonetischen Untergängen englischsprachiger Reporter gelauscht – Bastian Stainschwaiger, Schlacke 04 oder Bolusia Mondjenglabak seien nur als Beispiel genannt.

Die Alemannia rutschte an jenem 30.Spieltag übrigens auf einen Abstiegsplatz ab, den sie bis zum Saisonende nicht mehr verließ. Wie es heute am Tivoli aussieht, wissen wir alle. Dank Diego? Den wird’s eher peripher tangieren.

21. Dezember 2007 von Jannik Sorgatz
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