Mission 40/24: Drehbuch eines Derbys

Zwischen Heiterkeit und Wahnsinn, zwischen Freudentänzen und zitternden Knien, zwischen Gladbach und Köln. Ein Tag mit Happy End, der den Fußball mit all seinen Facetten von A bis Z gezeigt hat. Im Zeitraffer.

9:12 Uhr

Startbahnhof? M-Ö-N-C-H-E-N-G-L-A-D-B-A-C-H.

Zielbahnhof? ‚Nun ja‘, denke ich mir, ‚was soll’s? Es geht halt nicht anders. Ich muss es schon ausschreiben.‘

Also dann: K-Ö-L-N.

37 Sekunden später purzeln zwei Fetzen Papier in die Ablage des Ticketautomaten der Deutschen Bahn, der es heute gnädig mit mir meint und ohne jeden Protest seinen Job erledigt. Ein gutes Zeichen zum Start in den Tag. Außerdem eine grüne Ampel an der B7, die ansonsten in 98% aller Fälle rot ist – was kann da noch schiefgehen?

Vor dem Gladbacher Hauptbahnhof haben sich bereits ein paar Dutzend Köln-Reisende versammelt. Ein bisschen verträumt erklimme ich die Hindenburgstraße, deren steiler Einkaufshang noch so gut wie verwaist in der Morgensonne liegt. Vor einem Gemüseladen preist ein griechischer Verkäufer einer älteren Dame seinen „liebevollen Spargel” an. Letztendlich landet dann doch der „göttliche Blumenkohl” im arg ramponierten Bastkorb.

Vor der belgischen Frittenbude stellt eine asiatisch aussehende Verkäuferin die Stehtische parat. Es ist gerade einmal halb zehn. Noch haben Mohnbrötchen und Rosinenstütchen deutlich die Nase vorn. Mittlerweile nähere ich mich der Mittelstation und sehe Nils – seines Zeichens Leidensgenosse in nomine borussiae und redaktioneller Mitarbeiter dieser Seite – von Weitem schon vor McDonald’s stehen. Wer sich als nicht-niederrheinischer Leser nun fragt, was all das Gerede von Hängen und Mittelstationen soll, dem sei mit dem Hinweis auf die Sprünge geholfen, dass Gladbachs Fußgängerzone vom Bahnhof in Richtung Alter Markt etliche Höhenmeter überwindet. Für den flachlandliebenden Niederrheiner wird die Luft auf dem „Gipfel” also durchaus dünn. Besonders mit drei, vier Einkaufstüten am Arm.

Ohne Einkaufstüten, dafür mit unbändiger Vorfreude auf einen Tag, von dem noch keiner weiß, was er bringen wird, begrüße ich meinen Mitfahrer Nils. Gemeinsam legen wir die letzten Höhenmeter zurück und gesellen uns zu den drei-, vierhundert Borussen, die auf dem Alten Markt eine Art Picknick ohne Frikadellen und Wolldecken veranstalten. Ein paar Anwesenden würde eine deftige Frikadelle bereits um diese Uhrzeit gut zu Gesicht stehen. Denn außer Bier und ein paar verirrten Zahnpastaresten hat ihr Magen an diesem Morgen sicher noch nichts gesehen.

10:22 Uhr

Inzwischen liegt die Hindenburgstraße etwas lebendiger in der lauen Frühlingssonne. Die ersten kaufwilligen Bergsteiger (vornehmlich -steigerinnen) sind auf der Jagd, der Einkaufstütenschnitt liegt bereits bei über den Daumen gepeilten 1,3. Um 11:40 Uhr wollen wir den Regionalexpress in Richtung Domstadt nehmen. Bis dahin genießen wir das ungewohnt idyllische Gladbacher Bergpanorama und machen es uns in zwei Aluminium-Sesseln gemütlich, denen manch ein gediegener Diskogänger ohne mit der Wimper zu zucken das Prädikat „loungig” verleihen würde.

Wie auch immer, wir genießen die Samstagssonne und wünschen uns das Spielfeld aus Köln-Müngersdorf direkt vor unsere Nase. Aufstehen ist fürs Erste keine Option. Mit einem guten Kumpel in der Sonne sitzen, ein kühles Bier in der Hand (natürlich nicht verpflichtend, nur wahlweise) und dabei über den Verein des Herzens philosophieren – diese Szenerie morgens um kurz vor elf ist wie ein Stilleben der Fußball-Harmonie. Dass die Kehrseite dieses Wohlbefindens an diesem Tag ebenso in den Mittelpunkt rücken wird, spielt zu diesem Zeitpunkt zwar noch keine Rolle. Dennoch ist uns irgendwo im Hinterkopf bereits klar, dass die Sonntagsausflug-Atmosphäre nach dem Überqueren der Kölner Stadtgrenze wohl oder übel vorbei sein wird.

Vor einem der schier unbezähmbaren Ein-Euro-Läden fällt mir eine grüne Sonnenbrille ins Auge, die an Hässlichkeit eigentlich kaum zu überbieten ist, die eintreffenden UV-Strahlen womöglich noch vermehrt und daher jedem TÜV-Mitarbeiter die Haare zu Berge stehen lässt. Aber sie ist grün und bringt daher den überzeugenden Effekt mit sich, jeder Farbe einen grünlichen Touch zu verleihen. Sie kostet zudem nur 50 Cent. Da kann man nix sagen.

grune-brille

11:40 Uhr

Geduldig bahnt sich der Zug seinen Weg über die Dörfer und Kleinstädte des südlichen Niederrheins. Odenkirchen, Jüchen, Grevenbroich – von Halt zu Halt verschiebt sich das Verhältnis von Grün und Rot zu Gunsten der Kölner Fans. Dennoch sind sie auch noch beim Passieren der Kölner Stadtgrenze in der deutlichen Unterzahl.

Derweil bahnt sich ein Netz mit Babybels seinen Weg durchs Abteil. Es werden Lobgesänge auf die Fürsorge von Nils‘ Mutter angestimmt und er solle ihr „doch mal schöne Grüße bestellen”. Die Moral von der Geschicht‘: Käse (light) verbindet.

12:31 Uhr

Beim Ausstieg in Ehrenfeld wird mir klar, dass wir heute weder den Dom noch den Rhein zu Gesicht bekommen werden. Was nicht vordergründig schlimm ist, jedoch eindrucksvoll untermauert, dass eine Auswärtsreise selten ein touristisches Event darstellt, sondern mit einem klar definierten Ziel verbunden ist: Drei Punkte mitnehmen, ab nach Hause.

Am Ausgang wird die Masse bereits von der Bundespolizei erwartet. Wer zum Sightseeing in Fanmontur und einem Freudentanz auf der Domplatte nach Köln gereist ist, dürfte bitter enttäuscht sein. Die Lage ist vergleichsweise friedlich bis irgendein -setze beliebige abwertende Bezeichnung ein- im Bahnhofstunnel einen Knallkörper zündet und die Beamten zunächst einmal in erhöhte Bereitschaft versetzt.

Schon letztes Jahr auf der Reise nach Offenbach hat sich bei mir der Eindruck erhärtet, dass die Mannen in Grün (und mittlerweile auch Blau) generell nach dem allseits bekannten Wie-Du-mir-so-ich-Dir-Prinzip verfahren. Wer ihnen mit dem gebotenen Respekt gegenübertritt, der einem jeden Menschen seit dem frühen Kindergartenalter ans Herz gelegt wird, der dürfte gut mit den Frauen und Männern im Schildkrötenpanzer auskommen. Ums auf die Kindergartenzeit zu beziehen: Schmeißt du nicht mit Sand, werden sie auch nicht zurückschmeißen.

Nach ein paar Minuten im Bahnhofstunnel wird die Masse zur Straßenbahn geleitet. Die KVB hat es scheinbar nicht für nötig gehalten, irgendwelche Sonderbahnen einzusetzen. Circa 250 Borussen pressen sich also voller Vorfreude und in gesanglicher Topform in die einzelnen Waggons. Rentner mit Gehstöcken und Mütter mit Einkaufstüten sind alles andere als begeistert. Irgendwo weint ein Kind, dessen Klagelied im Nu vom Gesangskanon der hüpfenden Fußballmasse überstimmt wird.

Ein kleiner Junge im Köln-Trikot, der neben seinem ebenfalls begeißbockten Vater sitzt, drückt sein Gesicht an die Scheibe, als wäre auf der anderen Seite der UEFA-Cup zum Greifen nahe. Irgendwie tut er mir Leid – vermutlich würde er gerne sein Trikot ablegen und „Mer stonn zo dir, FC Kölle” gegen ein freudiges „Mönchengladbach Olé” eintauschen. Doch da ist ja noch sein Vater.

Drei Haltestellen später bietet sich ein ausschließlich schwarz-weiß-grünes Bild in der Straßenbahn. Mittlerweile reicht die Luft wieder zum Atmen. Einkaufstüten und rot-weiße Trikots: Fehlanzeige.

13:02 Uhr

In der Annahme, von nun an keinem Kölner Fan mehr näher als fünfzig Meter zu kommen, ohne dass ein Zaun oder eine menschliche Wand aus Polizisten dazwischen steht, verlasse ich die Straßenbahn. Von Zäunen, Wänden und Polizisten keine Spur. Dafür Rot-Weiß und Schwarz-Weiß-Grün bunt gemischt wie in einem Farbkasten, der zu viel Wasser abbekommen hat.

Hinter der Nordtribüne von Neu-Müngersdorf ist es so ruhig und friedlich wie auf einem Parteitag der Bibeltreuen Christen. Würde die Sonne noch so scheinen, wie sie es daheim in Gladbach getan hat, hätte die Wiese vor dem Stadion etwas wohlig Einladendes – diesmal mit Wolldecken und Frikadellen. Doch dank der aufziehenden Wolken versprüht das Bild eher etwas Bedrohliches. Die gerade noch wohltuende Ruhe bekommt plötzlich den Zusatz „vor dem Sturm”.

Auch die Bratwurst, die auf dem Grill noch so saftig ins Auge sprang und scheinbar jeden der verlangten 270 Cent wert war, entpuppt sich als bestenfalls drittligatauglich. Zwischen dem, was sich das Herzstück der Wurst nennt, und dem, was vor dem Grillen einmal die Pelle war, klafft ein riesiger Luftraum, der in etwa die Ausmaße des Petersplatzes in Rom einnehmen dürfte. Wenn Würstchen Omen sind, dann sollte dieses ein schlechtes sein.

13:34 Uhr

Aha. RheinEnergieStadion (ganz ohne Bindestriche). So siehst Du also aus. ‚Ganz anders als im Fernsehen‘, schießt es mir durch den Kopf. Kein Wunder. Die Führungskamera ist ja relativ selten im Gästeblock montiert, der bekanntlich vom Architekten meist in seinen Planungen vergessen wird und dann irgendwie krampfhaft ins Stadion reinkonzipiert werden muss.

Die roten Sitzschalen sind um kurz nach halb zwei noch so gut wie verwaist. Auch im Stehbereich der Südkurve herrscht alles andere als reges Treiben. Irgendwie beschleicht mich die böse Vorahnung, dass das nicht immer so ist, sondern einige der Abwesenden noch „etwas vorhaben”. Die grüne Sonnenbrille tut derweil ihren Dienst und taucht das weite Rund in ein dezentes Grün.

Zur gleichen Zeit in etwa kommt der nächste Regionalexpress am Bahnhof Ehrenfeld an, in dem sich nach eigenem Bekunden vornehmlich Gladbacher Ultras befinden. Laut Polizeibericht gestalte sich die Lage ungleich aggressiver als noch eine Stunde zuvor. Der Bahnhof wird vollgesperrt, Feuerwerkskörper werden „unberechtigt” gezündet, wie ein Kölner Online-Portal berichtet. Stellt sich nur eine Frage: Wann wird ein Feuerwerkskörper berechtigterweise gezündet?

Auf der Strecke von Ehrenfeld zum Stadion geraten Straßenbahnen mit Gladbacher Anhängern unter Beschuss. Kölner Hooligans greifen zu denselben Mitteln, mit denen ein paar Idioten letzten Herbst auf Kölner Shuttlebusse losgegangen waren. Das Katz-und-Maus-Spiel geht von vorne los. Jegliche Schlichtungsversuche im Vorfeld à la „der Klügere gibt nach” sind schon jetzt gescheitert.

14:12 Uhr

Wir nähern uns auf der Tribüne schon fast der REM-Phase, als es draußen auf einmal unruhig wird. Wieder beschleicht mich dieses schlechte Gefühl, das beim Blick auf diese Wiese vor dem Stadion endgültig seine Rechtfertigung erhält: Von links kommt eine schwarze Horde mit vereinzelten rot-weißen Farbtupfern angespurtet. Auf der rechten Seite spaziert das Gegenstück in Schwarz-Weiß-Grün. Von einer schlichtenden Partei zunächst einmal keine Spur. Und wir, wir stehen wie die Zuschauer im Kolosseum auf einer Plattform im Schatten des Gästeblocks. Der Blick aufs Geschehen verdient beinahe die Bezeichnung „Logenplatz” – ein Logenplatz, auf den man getrost hätte verzichten können.

Die Szenen, die sich in den folgenden zehn Minuten abspielen, wird Bill Shankly so mit Sicherheit nicht im Sinn gehabt haben, als er dem Fußball den Status eines einfachen Spiels um Leben und Tod entzog und hinzufügte, dass es „noch sehr viel ernster” sei . Dabei scheint sich die wütende Meute unten auf der gerade noch malerischen Wiese, die nun zum Schlachtfeld geworden ist, genau die Passage zu Herzen zu nehmen, in der es „um Leben und Tod” geht.

Es kommt nur kurz zum unmittelbaren Zusammenstoß, dafür aber heftig. Auf der Wiese schwappt ein Tross Kölner Hooligans zuerst entschlossen in Richtung seiner Gladbacher „Gegner”. In der Folge geht es wie im Wellenbad hin und her. Fäuste und Flaschen fliegen, ein Feuerwerkskörper landet direkt hinter dem Einlasstor am Gästeblock. Panisch klettern am Eingang wartende Gladbacher über die Zäune, um vorerst in Sicherheit zu gelangen.

Erst nach ein paar Augenblicken eilen die Einsatzkräfte herbei, um die Lage in den Griff zu bekommen. Später werden sie sich dafür rühmen, das Ganze so schnell und entschlossen unterbunden zu haben. Es mag zwar sein, dass die Polizei sich in Sachen Deeskalation geschickt angestellt hat, um Schlimmeres zu verhindern. Bliebe nur noch die Frage zu beantworten, warum Prävention unmittelbar am Stadion augenscheinlich ein Fremdwort gewesen ist. Zusätzlich sollte derjenige, der auf die Idee kam, vor einem Fußballstadion eine riesige, von allen Seiten frei zugängliche Rasenfläche zu errichten, nachträglich verdammt werden.

Auf der Plattform haben sich in der Zwischenzeit mehr als hundert Schaulustige versammelt. Einige derer, die sich geradezu ins Innere gerettet haben, fallen ihren wartenden Kumpels erleichtert um den Hals. Letztendlich scheint alles gerade noch glimpflich ausgegangen zu sein. Dieser unzensierte Blick auf die Ausschreitungen in zwanzig bis zweihundert Metern Entfernung gehört jedoch zu dem Absurdesten, was ich je in und um ein Fußballstadion erlebt habe.

15:04 Uhr

Die Lage hat sich dennoch nur auf den ersten Blick beruhigt. Draußen hat die Polizei den Gästebereich weitgehend abgeriegelt. Im Inneren jedoch wütet der Mob unersättlich weiter. Wer sich als Psychologe vornehmlich mit den Parallelen zwischen Menschen und Tieren beschäftigt, könnte anhand der Ereignisse ganze Bücher mit seinen Beobachtungen füllen.

Die Präsenz der Polizei innerhalb des Stadion tendiert gegen Null. Einerseits fahrlässig, andererseits verständlich. Denn schließlich hat sie draußen noch immer alle Hände voll zutun. Den Gäste- und Heimbereich trennt einzig und allein eine Wand aus Plexiglas, die für jeden, der in Sport mindestens eine vier hatte, kein Hindernis darstellen dürfte. Kölner und Gladbacher werden auf der besagten Plattform nur durch eine dürftige Metallwand getrennt. Um kurz nach drei machen sich laut Augenzeugenberichten mehrere alteingesessene Kölner Hooligans daran zu schaffen. Innerlich versuche ich bereits, mir das Horrorszenario auszumalen und überlege ernsthaft, wie zur Hölle ich unversehrt aus diesem Gästeblock komme, falls die Wand in geraumer Zeit ihren Geist aufgibt.

Erst als eines von drei Wandelementen niedergerissen ist, taucht die Polizei auf und ersetzt die gefallene Wand mit einer Mauer aus Fleisch und Blut – und jeder Menge Pfefferspray. Die Deeskalation hat funktioniert, in punkto Prävention ist an dieser Stelle so ziemlich alles in die Hose gegangen.

Um zwanzig nach drei habe ich mit dem Thema Auswärtsfahrten vorerst abgeschlossen. Seine Gesundheit riskieren, tagelang einen Plan aushecken, wie man möglichst sicher zum Stadion und wieder nach Hause kommt? Ist es das wert? An meiner verneinenden Antwort kann an dieser Stelle nur noch eine friedliche Heimfahrt etwas ändern. Der Ausgang des Spiels dürfte ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle spielen – was einerseits meine Wahrnehmung der Dinge angeht und andererseits den Verlauf der Heimfahrt. Nils versichert mir, dass es statistisch gesehen seltener zu Ausschreitungen nach einem Spiel komme, wenn die Gästemannschaft gewonnen hat. Noch nie war ein Argument für einen Sieg so wohltuend und überzeugend.

15:25 Uhr

Kurz vor dem Anpfiff rücken zum ersten Mal nach eineinhalb Stunden vornehmlich animalischen Auswüchsen menschliche Gefühle in den Vordergrund. Die Bekanntgabe des Karriereendes von Ümit Özat erweist sich im Nachhinein – auch wenn dahinter natürlich keinerlei Absicht steckte – als genialer Schachzug, um die Lage ein wenig zu entschärfen. Die Pfiffe aus dem Gästeblock sind jedoch so laut, dass ich erst nach einigen Minuten begreife, warum auf den Videoleinwänden weinende Kölner Fans gezeigt werden.

Während der Schweigeminute für die Opfer des Häusereinsturzes in Köln und des Amoklaufs in Winnenden ertönen erneut Pfiffe aus unserem Block. Ein paar Kollegen arbeiten unermüdlich daran, einen Ruf zu ruinieren, der lange zu den besten aller Vereine gehörte.

15:35 Uhr

Mehr als sechs Stunden sind vergangen, seitdem ich die vier Buchstaben (einer davon ein Ö, ein anderer L) in den Ticketautomaten am Gladbacher Hauptbahnhof eingetippt habe. Sechs Stunden, die vom idyllischsten aller idyllischen Fußballmomente der letzten Jahre bis hin zum tiefsten Tiefpunkt meines Fandaseins alles bereitgehalten haben.

Kurz nach dem Anpfiff, der ohnehin schon fünf Minuten später erfolgt, steht der untere Teil des Gästeblocks in Flammen. Ein paar -setze beliebige abwertende Bezeichnung ein- haben Bengalos in Brand gesetzt. Ein gewisses Maß an Empathie lässt mich erahnen, dass sie damit Sanktionen gegen den 1. FC Köln bewirken wollen. Denn der ist Gastgeber und primär dafür verantwortlich, dass genau so etwas nicht passiert. Den FC wird diese „Maßnahme” ein paar Tausend Euro kosten. Dass derartige Szenen nicht gerade imagefördernd für den eigenen Verein sind und Image manchmal noch viel wertvoller ist als Geld, dürften die Pyrotechniker im Unterrang nicht einkalkuliert haben.

15:59 Uhr

Eine Eckballorgie des Gegners gleich zu Beginn der Partie gehört mittlerweile zu Gladbacher Auswärtsspielen wie die Kreide zum Elfmeterpunkt. Allein dem Kölner Unvermögen nach Standards ist es zu verdanken, dass die Borussia nach gut zwanzig Minuten nicht hinten liegt. Vorne hat bis dahin einzig ein Freistoß von Marin Aufsehen erregt.

In der 25. Minute steht der Nationalspieler, seit Freitag dem Teenager-Alter entwachsen, erneut im Mittelpunkt. Auf der linken Seite spielt er Kölns Brecko in alter Carrerabahn-Manier schwindelig und bedient in der Mitte Michael Bradley, der mit einer verblüffenden Leichtigkeit den Führungstreffer erzielt. In der Reihe vor mir reißt sich ein bulliger Zeitgenosse vor lauter Ekstase das T-Shirt vom Leib und stellt seinen tätowierten Rücken zur Schau, der mehr Gladbach-Bilder beherbergt als jegliche illustrierte Vereinschronik. Die erste zwingende, herausgespielte Torchance bringt gleich das 1:0 – an Effektivität ist die Borussia bis dahin kaum zu überbieten und wird es in der Folge auch nicht sein.

16:18 Uhr

Ich mache mich bereits mit dem Gefühl einer knappen Derby-Pausenführung vertraut, als Alexander Baumjohann einen Pass auspackt, der selbst für die Bayern zu gut ist. Sein Lupfer landet im Lauf von Karim Matmour, der Kölns Keeper Mondragon mit seinen Storchenbeinen elegant umkurvt und den Ball zum 2:0 ins leere Tor schiebt – das zweite Saisontor des Algeriers, der endlich einmal nachweist, warum Hans Meyer Spiel für Spiel auf ihn setzt.

Mit der komfortablen Zwei-Tore-Führung geht es in die Pause. Auswärts gab es das zuletzt im November 2005. Dabei hätte der Vorsprung mit ein bisschen mehr Fortune und Entschlossenheit noch deutlicher ausfallen können. Rob Friend karikierte sich jedoch einmal mehr selbst und schaffte es aus einem Meter nicht, den Ball per Kopf im Tor unterzubringen.

In der Pause werden die Fäuste zum ersten Mal an diesem Tag vor Freude gen Himmel gereckt. Das Geschehen auf dem Platz hat es tatsächlich geschafft, die Vorkommnisse daneben fürs Erste zu retuschieren.

Auf der Toilette treffe ich den Dorffotografen aus meiner Heimat. Fünf Plätze neben mir sitzen bzw. stehen meine Sitznachbarn aus dem Borussia-Park. Ein paar Reihen weiter erkenne ich ein paar alte Schulkameraden. Mir wird klar, wie familiär die ganze Angelegenheit hier sein könnte, wenn es nicht diese schwarzen Schafe in der „Familie” gäbe, die aus manch einem Freuden- ein Trauerspiel machen.

16:36 Uhr

Hälfte zwei beginnt ähnlich wie ihr Vorgänger: Der FC kesselt die Borussenabwehr in und um den eigenen Strafraum weitgehend ein – mit dem Unterschied, dass Entlastung plötzlich zum Fremdwort wird.

Gladbach bettelt vor unseren Augen um den Anschlusstreffer, als würde ein Gegentor eine Wildcard für das Viertelfinale des kommenden DFB-Pokals bedeuten. Beinahe ist es soweit, als Pezzoni im Mittelfeld unbehelligt seinen Namen tanzen darf, sein Schuss von Bailly an den Pfosten gelenkt wird und aus Novakovics passiver Abseitsstellung zum Glück eine aktive wird.

In der 64. Minute ist jedoch keine Fahne zur Stelle, die die Borussia vor dem Anschlusstreffer bewahrt. Brecko zieht ab und erzielt dank Bradleys Mithilfe sein erstes Bundesligator. An dieser Stelle würde es mich mal interessieren, wie viele der Torschützen in der 45-jährigen Bundesligageschichte ihren ersten Treffer gegen den VfL erzielt haben. In Lappland soll es einen Dialekt geben, in dem Vaueffell soviel bedeutet wie „die Hilfsbereiten”.

Eigentlich wäre es jetzt konsequent, das Drehbuch eines rundum verrückten Derbys um ein neues Kapitel zu erweitern. Es spricht für die Willenskraft der Borussia, dass die Antwort auf das 1:2 so zügig folgt, dass sich ein Sprung in der Zeit gar nicht erst lohnt.

Rob Friend – der, dem sogar zuzutrauen ist, dass er in der eigenen Hälfte im Abseits steht – offenbart kurz hinter der Mittellinie brasilianische Wurzeln und bedient Baumjohann mit der Hacke (ROBinhos Namensgeber ist damit auch enthüllt). Der Bayer in spe spielt den Ball im auf die Hundertstelsekunde richtigen Moment in die Gasse zum heraneilenden Stalteri. Der Ex-Bremer bedient seinen Landsmann Friend mustergültig und ist damit an der ersten kanadischen Co-Produktion der Bundesligageschichte beteiligt. Im gleichen Atemzug ist Friend auch noch zum besten kanadischen Torschützen aller Zeiten aufgestiegen – mit seinem siebten Saisontor hat er ausgerechnet seinen Vorlagengeber überflügelt. Es ist ein Tag für Rekorde.

17:02 Uhr

„Es kommt die Zeit, in der das Wasser wieder steigt” – über die gesamte Spieldauer erklingt der geradezu sehnsüchtige Gesang immer wieder aus dem Gästeblock. Kurz nach Friends 3:1 setzt der Regen ein – ein Zeichen des Himmels. Der Fußballgott ist scheinbar zur Borussia konvertiert.

17:13 Uhr

Um viertel nach fünf ist das Derby reif für einen feierlichen Abgesang. Es steht weiterhin 3:1 und eigentlich dürfte der erste Erfolg in Köln seit siebeneinhalb Jahren längst besiegelt sein. In einer ähnlichen Konstellation hatte sich vor einer Woche so manch einer auf die Suche nach einem Haken begeben. Nach einem Argument dafür, dass der Drops noch längst nicht gelutscht ist.

Gegen Hamburg verlief die Suche im Sand – diesmal stößt sie auf Öl. Tobias Levels, beim furiosen 4:1 nach eigenem Bekunden noch im gefühlsmäßigen Phantasialand unterwegs, lässt Brecko viel zu viel Raum. Der Tor-Debütant dankt es ihm mit seinem zweiten Treffer.

Noch vor der Winterpause hieß es, die Borussia könne gar nicht so viele Tore schießen, wie sie kassiert. Heute, kurz vor Frühlingbeginn, können wir jedoch stolz verkünden: Yes, we can! Denn nur zwei Mannschaften, Wolfsburg und Stuttgart, haben in der Rückrunde häufiger getroffen.

Drei Minuten vor dem Ende setzt der eingewechselte Alberman zu einem entschlossenen Solo an. Links ein Kölner, rechts ein Kölner, ein geschickter Haken und schon liegt der Israeli am Boden – im Strafraum. Schiri Kinhöfer (für den es spricht, dass er nach mehr als 3.000 Wörtern erstmals auftaucht) hat vor knapp einem Jahr, ungefähr zum selben Zeitpunkt des Spiels ebenfalls einen Elfmeter in diesem Derby gepfiffen. Damals soll Brouwers angeblich Novakovic zu Fall gebracht haben. Der Niederländer sah die rote Karte, Helmes verwandelte und glich zum glücklichen 1:1 aus. Elf Monate danach ist Kinhöfers Pfiff wieder strittig – mit dem Unterschied, dass es mir mit Verlaub gesagt ziemlich egal ist.

Bradley schnappt sich den Ball. In 130 Metern Entfernung löse ich den Knoten in meinem Schal vor Anspannung gerade mit den Zähnen. Fast habe ich ihn auf, da läuft Bradley an. Mondragon bringt die Fingerspitzen an den Ball, dann zappelt das Netz und im Gästeblock gibt es einen Knall, der endlich und ausnahmsweise auf einen vereinten Freudenschrei aus 7000 Kehlen zurückzuführen ist.

„Die Nummer Eins vom Rhein sind wir” – zumindest gefühlt, auch wenn Leverkusen und Köln immer noch weit vor uns liegen. Der Kollege mit der bebilderten Vereinschronik auf seinem Oberkörper ist mittlerweile so freudetrunken, dass er schon lauthals verkündet: „Niemals Zweite Liga, niemals!”.

17:23 Uhr

Um kurz vor halb sechs ist es vollbracht! Die Borussia gewinnt mit 4:2 in Köln und beendet damit unzählige Bundesliga-Durststrecken auf einmal:

Erstmals seit dem 01. Oktober 2005 gewinnt sie zwei Spiele in Folge.

Erstmals seit dem 07. März 1998 erzielt sie auswärts mindestens vier Tore und erringt gleichzeitig den höchsten Auswärtssieg seit jenem 5:2 in Karlsruhe.

Erstmals seit Juni 1987 (die Mauer stand noch, ich war noch nicht von dieser Welt) schießt die Borussia zudem in zwei aufeinander folgenden Spielen mindestens vier Tore. Damals gab es ein 4:0 zuhause gegen Nürnberg und im Spiel davor, kein Witz, einen 4:2-Sieg in Köln.

17:35 Uhr

Vor dem Stadion offenbart sich beim Verlassen des Stadions ein grün-weißes Meer aus Polizeibussen und Bundespolizisten. Es hat ganz den Anschein, als wolle jemand den Ausdruck „hermetisch abriegeln” pantomimisch darstellen.

Nur Gästefans, die als „ungefährlich” eingestuft werden, dürfen den Gästebereich verlassen. Nicht alle kommen durch. Dabei stellt sich die Frage, wie man mit dem breitesten aller Derbysieger-Lächeln überhaupt noch gewaltbereit aussehen kann.

Hinter der menschlichen Absperrung sind Nils und ich plötzlich wieder in einem Strom, in dem sowohl rot-weiße als auch schwarz-weiß-grüne Fische schwimmen. Doch wie schon auf unserer Hinfahrt geht in dieser Hinsicht alles ohne Probleme vonstatten. Und wer jetzt noch ein Ventil für seinen Frust über die Derbypleite sucht, der wird sich mit Sicherheit nicht in einem Meer von Bundespolizisten auf die Suche begeben. All jene, die vor dem Spiel einen dunklen Schatten auf dieses Spiel geworfen haben, haben dies heimtückisch, gezielt, triebhaft, aber dennoch keineswegs wahllos getan.

18:02 Uhr

Bei McDonald’s in Ehrenfeld erblicke ich den letzten roten Schal des gesamten Tages. Nachdem ich den Laden mit einer Tüte Cheeseburger im Gepäck verlasse, ist Köln auf einmal wie eine Gladbacher Exklave. Auf die Frage, wann und wo der Zug nach Hause abfahre, antwortet mir ein Polizist kurz und bündig: „Halten Sie sich einfach an die Fußballfans.”

Bevor ich Einspruch einlegen und ihm mitteilen kann, dass ich genau genommen auch einer bin, fällt mir ein, dass ich in der Straßenbahn meinen Schal unter der Jacke versteckt hatte. Sicher ist sicher. Dennoch ging ich bislang davon aus, dass Fußballfans in der Regel an ihrem leidgeprüften Gesicht und den vor Anspannung wild gerauften Haaren zu erkennen seien. Vermutlich hatte die Freude wie eine Verjüngungskur gewirkt.

Auf dem Bahnsteig treffen wir im Vorbeigehen die Käsekumpels von der Hinfahrt. Einer von ihnen ist sich ganz sicher: „Die Babybels, die waren’s!”.

18:41 Uhr

Auf der Heimfahrt habe ich ein Déjà-Vu-Erlebnis: Ein in Pulheim zugestiegener Fahrradfahrer nimmt den „angeblichen” 4:2-Erfolg der Borussia eher ungläubig zur Kenntnis, fragt mehrmals nach, bis er der waghalsigen Behauptung letzten Endes doch noch Glauben schenkt. Ähnliches ist uns letztes Jahr in Offenbach passiert. Das 7:1 hat uns ebenfalls niemand abgenommen. Fazit: Ein 4:2 in Köln ist genauso unglaublich wie ein Kantersieg in Offenbach.

19:32 Uhr

Noch nie habe ich mich so wohl gefühlt in Gladbach. Noch nie so sicher. Es ist unfassbar still. Keine Sirenen mehr. Keine Knallkörper. Kein beißender Qualm. Nur ein paar Fans, die in die verschiedenen Richtungen strömen, aus denen sie gut zehn Stunden zuvor gekommen waren. Zufriedenheit hoch zehn.

Es war ein Tag zwischen Himmel und Hölle. Mit jeder einzelnen Facette, die ein Fußballspiel mit seinem Drumherum bereithalten kann, ohne irreal zu wirken. Auf Vieles hätte ich verzichten können. In einigen Momenten habe ich sogar daran gezweifelt, ob es überhaupt Sinn macht, Wege wie diese noch anzutreten, solange ein Vater mit seinem kleinen Sohn nicht zu einem Auswärtsspiel fahren kann, ohne ein Risiko für sein Kind einzugehen, das er in keiner anderen Lebenslage jemals eingehen würde.

Es muss etwas passieren. Risikospiele wie diese häufen sich und wir, also all jene, die dies mit Bestürzung und Wut wahrnehmen, sind relativ hilflos. Gladbach und Köln treffen im Jahr zwar nur zweimal aufeinander. Trotzdem eskaliert die Situation zweimal zu oft. Ich weiß nicht, wie diesem Problem auf Dauer beizukommen ist. Ich bezweifle auch, dass jemand diese Frage aus dem Stehgreif beantworten kann. Geisterspiele? Klar, das könnte einiges lindern. Aber wo ist der Fußball, wenn diejenigen, die ihn zu dem wertvollen Kulturgut machen, das er in unserer Gesellschaft zweifellos darstellt, nicht mehr dabei sein können? Fragen über Fragen, wenige Antworten.

19:47 Uhr

Die Asiatin von der Frittenbude räumt gerade die Tische weg. Der „göttliche Blumenkohl” ist unter Umständen schon vorgekocht. Die Preisschilder von den Trophäen der Shopping-Orgien sind längst abgetrennt. Und die eine oder andere Jägerin ist vielleicht schon dabei, sich mit einem frisch erbeuteten Oberteil ins Mönchengladbacher Nachtleben zu stürzen.

Zwei Gladbach-Fans schleppen sich derweil die Hindenburgstraße hinauf, in ihrer Hand ein kühles Beck’s, auf ihrer Nase eine merkwürdige grüne Sonnenbrille. Bier: 1,40 Euro. Brille: Höchstens 50 Cent. Erschöpft lassen sie sich in einen der Aluminium-Sessel fallen. „Man, man, man”, resümiert der eine. „Jo, das kannste laut sagen”, gibt sich der andere etwas ausführlicher. „Was ein Tag”.

Kurz darauf trennen sich ihre Wege. „Wir waren in Köln”, stellt der eine zum Abschied verwundert fest, als habe er gerade eine Papyrusrolle mit ägyptischen Hieroglyphen entziffert.

„Jawoll, und wir haben bekommen, was wir wollten.”

„Richtig, drei Punkte.”

„Mehr wollten wir ja gar nicht.”

„Auswärtssieg.”

„Auswärtssieg.”

Es ist 20:07 Uhr.

15. März 2009 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | 19 Kommentare

Kommentare (19)

  1. Danke für diesen ausführlichen und höchst informativen Bericht und Glückwunsch zu den “sechs” Punkten. Gerade was das Drumherum angeht, muss man sich dann nicht auf die Medien verlassen, die in der Regel nur den Bericht der Polizei abgetippt haben.

    Zu deinen Fragen, wie man solche Risikospsiele verhindern kann: Es muss mehr präventiv gearbeitet werden, insbesondere in Fanprojekten. Dauerhafte Prävention also. Der Staat kürzt hier die Mittel, die Vereine fühlen sich nicht verantwortlich. Das ist für mich ein zentrales Problem, das es zu lösen gilt, bevor man alle anderen friedlichen Fans mitbestraft, indem man ihnen das Erlebnis eines Derbies verweigert.

  2. Spitzen Bericht! Schön geschrieben und sehr unterhaltsam und informativ.

    Aus genau den angesprochenen Gründen habe ich mir diese Reise verkniffen und bin froh, jetzt doch ein wenig daran Teil haben zu dürfen!

    Gruß,
    Axel

  3. Zufälle gibt´s, da lese ich hier den Bericht und siehe da, der Käse Abschnitt kommt mir sehr bekannt vor :-D

    Ich will hoffen, die Grüße sind bei Mama angekommen?!

    Vielen Dank nochmal!

    Gruß
    Stefan

  4. toller Bericht hat mir sehr gut gefallen!! Mich als Fan interessiert an einem Derbybericht halt mehr die Stimmung (Spiel habe ich sowieso auf Premiere gesehen) als eine Wiederholung des Spielverlaufs.
    Leider hast du mich in meiner nach dem Hinspiel, bei dem ich im Stadion war, getroffenen Entscheidung bestärkt diese nur noch im Fernsehen zu verfolgen…

  5. Hallo,

    also für ein paar Minuten habe ich gedacht doch in der verbotenen Stadt gewesen zu sein ! ;-)
    Schöner Bericht!

    Gruß aus dem Harz
    Harzi

  6. Hallo Jannik,

    unglaublich, was Du Dir hier Woche für Woche für eine Arbeit machst. Deine Berichte gehören für mich mittlerweile zur Pflichtlektüre nach Bundesliga-Wochenenden.
    Danke dafür.

    Gruß,
    Philipp

  7. Es ist schon unglaublich wie viele Leute aus Angst vor Gewalt ds Derby gemieden haben… Ich bin ebenfalls aus diesen Gründen nicht gefahren. Und wenn man das so liest waren die Zweifel mehr als berechtigt. Danke für diesen super Bericht!!!

  8. Klasse Bericht! Vielen Dank.

    Schwarz-grün-weiß aus Magdeburg

  9. Nabend zusammen!

    @all: Zuallererst einmal vielen Dank für Eure Kommentare und die überwiegend positive Resonanz! Das spricht dann eben doch immer eine viel ausführliche Sprache als irgendwelche Leserzahlen ohne Feedback.

    @Enno: So ist es. Alleine die Arbeit an der Basis könnte die Probleme wohl annähernd lösen. Erstauliche Parallele zu den Diskussionen um die Prävention von Amokläufen: Auch dort werden strengere Verbote wenig bewirken. In den Schulen und Elternhäuser herrscht Handlungsbedarf. Auf den Fußball bezogen sind es demnach – wie Du richtig sagst – die Vereine und Fanprojekte. Man darf dem Unkraut nicht pausenlos hinterherjäten, sondern man muss generell verhindern, dass welches wächst.

    @Stefan: Tja, so sieht/liest man sich wieder xD. Hast Du etwa nach “Babybel+Derby” gegoogelt?;)

    Ob die Grüße angekommen sind, muss ich Nils noch fragen. Die Käsespenderin war ja seine Mutter. Auf jeden Fall ist Babybel von nun an ins Auswärtsmenü aufgenommen. Vielleicht gibt’s diese Saison ja irgendwann noch eine Runde – und hinterher wieder drei Punkte!;)

  10. Ich habe selten ein Blog-Drehbuch gelesen, das mir so aus dem Herzen spricht. “Der junge Mann” hat eine überaus sensitive Ader das Geschehene sprachlich fesselnd, aufrüttelnd und zugleich humorvoll festzuhalten. Das mitunter beschämende Verhalten der “schwarzen Schafe” durfte in der Nachbetrachtung dieses ereignisreichen Tages nicht unkommentiert bleiben. Vieles von dem selbst vor Ort Erlebten spiegelt dieser Blogeintrag wieder. Sollte irgend jemand einmal auf die Idee kommen ein wirklich interessantes Fußball-Buch schreiben zu wollen bitte ich inständig Jannik als “Ghostwriter” zu engagieren. Der Spitzenplatz in der Spiegel-Bestsellerliste ist vorbestimmt. Einfach nur DANKE.

  11. Du bist wirklich ein wahrer Poet!

    1900% Respekt!

  12. Lieber Jannik ! Aufgrund der Tatsache , daß du ein echter Gladbacher bist und die Raute wirklich im Herzen trägst ( sag ich nicht sehr oft zu jemandem ) , bist du mir schon mal sehr sympatisch . Ich habe deinen Bericht beim Lesen echt genossen . Deine Sicht der Dinge gefällt mir und spricht mir voll aus dem Herzen . Ich denke ,( siehe Heiner ) dir steht noch eine grosse Karriere als Schriftsteller bevor . Das nur nebenbei . Ich werde deine Berichte weiterverfolgen .
    Gruss aus Solingen
    Stefan

  13. ein wahrhaft Göttlicher Bericht !!!!

    Danke und Gruss

    marco

  14. Danke für den super coolen bericht. Letztes jahr habe ich mich in der verbotenen stadt noch sehr sicher gefühlt.
    Aber nach deinen schilderungen muss ich sagen: so traurig ich war nur am fernseher feiern zu können so froh bin ich auch nicht dort gewesen zu sein.
    Sonst wäre ich wirklich ins grübeln gekommen, ob ich noch zu spielen fahren will.
    Viele grüsse aus dem süden.

  15. Danke für die Eloquenz, den Stil, die Aussage.

    In den 80ern war das Szenario, welches du erlebt hast, leider alljährlich. Die Spiele in Köln waren oft überschattet von heftigsten Übergriffen beider Seiten – leider.

    Ich war lange nicht mehr in Köln, doch dein BEricht weckt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, als uns regelmäßig Böller, Feuerwerkskörper und diverse weitere Mittel zum Zwecke der Gewalteinwirkung aus dem Oberrang entgegen geworfen wurden.

    :-(

  16. Erstmal danke für diesen Text, durch welchen ich die Vorlesung in der ich grade sitze gut ertragen konnte :)

    Ich war selber einer von den “Schaulustigen” auf der Nordtribüne und war einfach nur geschockt welche Scenen sich dort abspielten. Speziell als die 100-200 vermummten Kölner den Eingangsbereich des Blocks stürmten. Das schlimmste an der ganzen Sache ist das sich dort 99% NORMALE Fans, Kinder sowie Frauen aufhielten die nichts mit Krawallen zu haben wollten. Können sich diese Chaoten nicht wie früher einfach verabreden und sich vorn Kopp hauen?

    Des Weiteren ist es einfach unverständlich wie grotten schlecht einige Vereine organisatorisch strukturiert sind. Wie kann es sein das Gästefans und Heimfans an der selben Seite des Stadions ankommen?!?! Wie kann es sein das sich direkt hinter dem Gästebereich eine WIESE bzw. ein Prädestinierter Kampfring befindet?!?! Wieso muss immer erst was passieren bis unsere “Helfer” in Grün Maßnahmen ergreifen!??!?!

    Von den sogenannten Fußballfans in “Schwarz” fang ich jetzt lieber erst garnicht an, sonst tippt meine Tastatur die Wörter welche diese Personen beschreiben von selbst. Ich hoffe das das Fanprojekt in dieser Hinsicht endlich mal Vernunft erlangt und die Karten nicht mehr an diese *zensiert* Personen verteilt.

    Trotzdem Danke an die Mannschaft für den tollen Fußball Tag und Danke an den Verfasser dieses Textes, GUTE ARBEIT!.

    Mfg

    David

  17. Pingback: links for 2009-03-18 | Du Gehst Niemals Allein

  18. Danke für den schönen Text! konnte leider nicht nach Köln fahren wegen Kartenmangel aber ich denke genau so hätte ich diesen Tag erlebt und gefühlt!

  19. Pingback: Vor dem Derby: Balanceakt auf dem Nylonfaden at Entscheidend is auf’m Platz

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

*