Die Unterschätzte

Die Bundesliga kämpft seit Jahren um ihren sportlichen Ruf. Bislang waren Spannung, schwarze Zahlen und Zuschauerrekorde ihr Aushängeschild. Jetzt ist sie auch sportlich wieder auf der Höhe – ohne in den anderen Punkten federn zu lassen.

Himmel, Erde, Hölle. Spitze, Mittelfeld, Keller. Die Bundesliga präsentiert sich Ende März als astreine Drei-Klassen-Gesellschaft. Vorbei die Zeiten, als neun Mannschaften ums internationale Geschäft und neun gegen den Abstieg spielten. Nach dem 25. Spieltag scheint die Saison für eine Hand voll Mannschaften so gut wie gelaufen – Leverkusen, Schalke, Dortmund, Bremen und Köln könnten die Plätze 7 bis 11 am Ende unter sich ausmachen. Ein Sprung nach oben erscheint unwahrscheinlich für das Quintett aus dem Mittelmaß, für einen Sturz in untere Gefilde ist die Krise dann doch nicht verheerend genug.

Leverkusen galt noch im Dezember als Geheimfavorit auf den Meistertitel, zumindest als Kandidat für die Champions League. Schalke ist so etwas wie die fleischgewordene Dauerkrise. In Dortmund denken sie, alles läuft nach Maß, weil dort ein Trainer arbeitet, der Anflüge von sportlichen Problemen mit einem flotten Spruch unter den Teppich lächeln kann. Bremen rettet sich die schlechteste Bundesligasaison dieses Jahrtausend mithilfe von Erfolgen in anderen Wettbewerben – nationales Mittelmaß, im (UEFA-)Pokal mit Titelchancen. Allein Köln steht derzeit dort, wo es (noch) stehen will und auch hingehört.

Anhand dieses Lageberichtes könnte man im Hinblick auf die gesamte Bundesliga mutmaßen, dass die 46. Ausgabe, 2008/2009, nicht gerade nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Doch das wird sie. Mit Sicherheit.

Das Führungsquartett wird von einem einzigen Punkt getrennt – zuletzt gab es das vor 25 Jahren. Wolfsburg spielt noch gegen Bayern, Hamburg wird die Hertha empfangen. Ansonsten haben sich die Vier an der Spitze schon jeweils zweimal untereinander gemessen. Wolfsburg hat in dieser internen Spitzentabelle mit 10 Zählern die Nase vorn, Bayern und die Hertha haben je sieben Punkte eingefahren, Hamburg dagegen nur vier. Bei noch neun verbleibenden Spielen ist es jedoch so gut wie ausgeschlossen, dass genau das eine Duell gegen einen anderen Titelanwärter über Wohl und Wehe entscheiden wird.

Anders sieht das am Tabellenende aus, wo sieben Mannschaften um einen Platz über dem Strich kämpfen. Siege gegen direkte Konkurrenten können diese mächtig in Schach halten. Während ein einziger Dreier bei einem Titelanwärter gut vier Prozent der gesamten Saisonausbeute ausmacht, ist sein Wert im Abstiegskampf doppelt so groß. Die Sechs-Punkte-Spiele haben Hochkonjunktur. Zumal die sieben Kellerkinder in der Rückrunde gehörig zugelegt haben. Noch in der Winterpause wurde gemutmaßt, ob 30 Zähler zum Klassenerhalt reichen könnten, was einen neuen Minusrekord bedeutet hätte. Mittlerweile ist die Punkteausbeute in der Abstiegsregion wieder mehr als im Rahmen.

Sowohl oben als auch unten dürfte es also zum Fotofinish kommen. Und auch in Europa sieht es gut aus für die Bundesliga. Nur die Premier League hat mehr Vereine im Rennen. Die Bayern wittern ihre Chance in der Champions League, noch bessere Karten dürften Hamburg und Bremen im UEFA-Cup haben.

Heute begehen wir den letzten fußballfreien Mittwoch bis zum 03. Juni. Zehn Wochen Hochgenuss und Bluthochdruck stehen vor der Tür: Neun Ligaspieltage, Halbfinale und Finale des DFB-Pokals, Viertel-, Halbfinale und Endspiel der Europapokale, dazu die Relegation der ersten drei Ligen und zwei Länderspiele zum Abschluss einer Saison, von der man noch lange reden könnte. Sie hat es auf dem Fuß.

25. März 2009 von Jannik Sorgatz
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