Mit dem „Rückpass“ bringt die neue Saison auch eine neue Rubrik bei „Entscheidend is auf‘m Platz“. Da die Kicker-Noten in der Regel so ausgiebig diskutiert werden wie das neueste ZDF-Politbarometer, dienen sie hier als Ausgangspunkt. Zustimmung? Zu streng? Zu gutmütig? All das wird von nun an jeden Dienstag hier Thema sein. Los geht‘s mit dem Nürnberg-Spiel.
Logan Bailly (Kicker-Note 2): Bekam bei Pinolas erstem Warnschuss die ganze Flatter-Wucht des runden Kollegen „Torfabrik“ zu spüren. Machte das Beste draus und rettete wenig später erneut gut gegen Gündogan. Ihn beim Herauslaufen zu beobachten, glich wie immer einem DVD-Abend mit vier Psychothrillern. Seine Parade gegen Schieber hielt in der 73. den Punkt fest – da geht die 2 schon in Ordnung.
Filip Daems (Note 3,5): Man kramt rum im Kopf und überlegt, was haften geblieben ist. Überraschend für den Captain: Sowohl positiv als auch negativ kann ich mich nur an seinen Vorstoß samt Schussversuch kurz nach dem 1:1 erinnern. Spricht für eine wenig aufsehenerregende, solide Leistung. 48 Ballkontakte sind etwas wenig für einen Linksverteidiger, aber da kann er nicht unbedingt am meisten für. 3,5 – passt schon.
Roel Brouwers (Note 4,5): Wie er unter der Flanke zum 0:1 durchsegelte, verdiente sich schon das Prädikat „kapitaler Schnitzer“. Ansonsten sehr hölzern in der Spieleröffnung und auch im Zweikampf nicht immer souveräner Herrscher. Macht gefühlt nach dem ebenso schwachen Aue-Spiele ein „mangelhaft“, ohne Vereinsbrille ist die 4,5 gerechtfertigt.
Dante (Note 2,5): Ob der Kicker so etwas wie besonderen Einsatz beim Zetern, Ärgern und Aufregen berücksichtigt? Da war Dante, den die dürftige Leistung offensichtlich wurmte, stets ganz vorne dabei. Gegeben hat er, wie immer, alles. Traute sich zudem einige Vorstöße zu. Leider fiel ihm häufiger nichts anderes ein als der lange Pass in die Spitze, „bereitete“ so einige Abseitsstellungen vor. Trotzdem souveräner Auftritt mit verdienter 2,5.
Tobias Levels (Note 3): War in der Offensive wie gewohnt präsenter als Daems, wagte aber noch zu selten einen Vorstoß zur Grundlinie. Hinten ohne große Blöße, aber auch wenig gefordert. Was macht der Kicker da? Zückt die berühmte Standard-3. Irgendwas wird er sich dabei ja denken.
Michael Bradley (Note 3): Stets bemühte Leistung des WM-Fahrers. Wobei das nicht immer das beste Zeugnis ist. Schlüpfte merkwürdigerweise häufiger in die Marx-Rolle als defensiver Part der Doppelsechs. Nicht immer genau bei Zuspielen, dafür mit zwei feinen Offensivaktionen (Heber und Schuss). Guter Auftritt minus einiger Fehler macht eine gerechtfertigte 3.
Thorben Marx (Note 3,5): Traute sich einiges nach vorne zu, während er sich neben dem offensiveren Bradley sonst eher zurückhält. Dabei gelang ihm leider nicht allzu viel. Dass aus der Distanz zu viele Schüsse aufs Tor kommen, ist in der Regel seiner und Bradleys „Verdienst“. Abgestellt ist die Krankheit aus der vergangenen Saison noch nicht. Fand ihn vielleicht sogar mehr als eine Nuance schwächer als Bradley. 4 wäre auch in Ordnung gewesen.
Juan Arango (Note 5): „Ich dachte, der wär‘ in Topform“, sagte mir meine Mutter im Stadion mehr als nur einmal und schaute mich fragend an. Seinen Auftritt gegen Liverpool, endlich als Aran-Go, hatte sie leider nicht gesehen. Jetzt schlüpfte er wieder in die alte Rolle von Aran-Stand. Schwache Standards, kaum Einsatz, legte das Flügelspiel so leider lahm. Da geht nur eine 5.
Marco Reus (Note 3): Beim Kicker gehen Torbeteiligungen scheinbar über alles und katapultieren die Note in ansonsten unverdiente Sphären. Marco Reus kam bis auf seinen Pass auf Mo Idrissou 90 Minuten lang nicht in Fahrt, wirkte beinahe vom Arango-Syndrom infiziert und versteckte sich auf der Außenbahn. Zog es ihn nach innen, fehlten Genauigkeit und Durchschlagskraft. Eine 4 hätte es besser getroffen – und da wäre der Assist noch immer anerkennend berücksichtigt.
Karim Matmour (Note 5): Auch zu Beginn des dritten Jahres hat man weder das Gefühl, dass Matmour in Gladbach angekommen ist, noch dass er es überhaupt jemals sein wird. Verschwindend wenige Ballkontakte, brachte nur vier von neun Pässen zum Mann. Der Applaus des Publikums bei seiner Herausnahme schien Dankbarkeit zu signalisieren – für die Auswechslung selbst. Eine 5 aus dem Lehrbuch.
Mo Idrissou (Note 2): Der Kicker scheint sich ganz in den Überschwang einzureihen, dass der VfL – man mag es noch gar nicht glauben – da vielleicht wirklich einen mit Torjägerqualitäten verpflichtet hat. Zum Tor und großem Bemühen gesellten sich zwar noch einige Abstimmungsprobleme. Macht unterm Strich aber eine verdiente 2.
Raul Bobadilla (64. eingew., keine Note): Womöglich konnte der wieder genesene Argentinier froh sein, nicht vier Minuten früher und damit rechtzeitig für eine Kicker-Bewertung eingewechselt worden zu sein. Sein Nicht-Tor (aus sieben Metern fünf Meter über den Kasten) sorgte für eine angenehme Mischung aus blankem Entsetzen und Erheiterung. Wir warten – auf den Knoten.
Patrick Herrmann (83. eingew., keine Note): Seinen frischen Wind hätte es vielleicht etwas früher gebraucht. So brachte er nur noch den feinen Linksschuss in Richtung Winkel zustande, den Schäfer glänzend rausfischte. Defizite im körperlichen Bereich wird er weiterhin haben. Aber derzeit gehört er sicher zu den ersten 14.
Kicker-Schnitt: 3,36
Mein Schnitt: 3,50





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