Ein bisschen legendär

Saison 2012/2013: 18. Spieltag – Hoffenheim 0:0 Gladbach

Auch ohne auf einer echten Erfolgswelle zu schwimmen, fehlt von echten Aufregern am Niederrhein derzeit jede Spur. Wo diese Saison hin will, hat sich nicht in Hoffenheim entschieden und wird sich auch nicht gegen Düsseldorf entscheiden. Da würdigt man doch eine Legende, die alle lieben, ohne sie zu lieben.

Borussia Mönchengladbachs prominenteste Neuzugänge sind eine nackte Frau und ein nackter Mann, die Rücken an Rücken auf dem Boden sitzen. Sie telefoniert, er friert. Vielleicht sind die beiden auch gar nicht nackt, sondern tragen Trikots des Herstellers, dessen Logo sie zieren. Kappa hat die ultra-körperbetonten Dinger Anfang des Jahrtausends quasi mit erfunden. Vielleicht gibt es die Trikots ab Sommer 2013, wenn die Borussia erstmals darin aufläuft, ja auch in der extended Bierwampen-Edition.

Aber was soll ich großartig meckern? Mein erstes Gladbach-Trikot war von Asics, dann kam Reebok, um 2003 von Lotto abgelöst zu werden. Was den Ausrüster angeht, ist die Zeit seit dem Pokalsieg 1995 ähnlich verlaufen wie auf dem Platz – wenige Aufs, viele Abs. Immerhin haben es die mit den beiden Nackten mal geschafft, drei Bundesligabrüste gleichzeitig zu zieren. Werder Bremen (2004) und Borussia Dortmund (2011, 2012) sind in Kappa-Trikots sogar Meister geworden. Okay, und Kaiserslautern ist abgestiegen.

Überhaupt ist es in der Bundesliga in dieser Hinsicht eintönig geworden. Oligopol nennt es der Wirtschaftswissenschaftler, wenn wenige Wettbewerber den Markt unter sich aufteilen. Adidas liegt mit sechs Vereinen aktuell vorne, es folgen Puma und Jako (sic!) mit je vier. Nike rüstet nur noch drei Klubs aus, davon mit Mainz und Freiburg sicherlich keine Premiumpartner von eminenter Bedeutung für den Weltmarkt. Mit Lotto ist Gladbach regelrecht alternativ unterwegs und wird es auch mit Kappa in Zukunft sein. Wobei drei Millionen Euro pro Jahr nicht gerade Indie-Style sind. Aber auch hier gilt: Wer wird sich ernsthaft beschweren?

Zwei Schultern, viele wichtige Tore

Beinahe unbemerkt hat die Rückrunde begonnen – mit einem 0:0 in Hoffenheim, das sich jeder drehen und wenden kann, wie er will. Kurz davor gab es die Nachricht, dass Igor de Camargo den Verein verlassen darf, wenn er will und vor allem einen neuen findet. All das geschah vor dem Hintergrund, dass jeder weiß: Kaum jemand hat den Belgier in zweieinhalb Jahren je richtig lieb gewonnen. Doch de Camargo hat Geschichte geschrieben in einer Zeit, die auch dann geschichtsträchtig gewesen wäre, wenn seine überraschend zahlreichen Heldentaten auf mehrere Schultern verteilt worden wären.

November 2010: De Camargo schießt seine ersten beiden Bundesligatore in den furiosen Spielen gegen den FC Bayern (3:3) und den 1. FC Köln (4:0), bevor die Borussia bis Weihnachten sechs Pflichtspiele in Folge verliert.

Januar 2011: De Camargo trifft zum entscheidenden 1:0 bei Eintracht Frankfurt, ohne das – mal angenommen, es wäre schlichtweg beim 0:0 geblieben – der VfL vermutlich noch heute in der 2. Liga spielen würde. Offenbar hat man sich auch in Frankfurt daran erinnert und will ihm jetzt ein neues Zuhause geben.

Februar 2011: Ja, ich weiß – was jetzt kommt, ist in etwa so umstritten wie die Evolutionstheorie an manch einer amerikanischen High School. Achtung, es folgt ein kleines Konjunktiv-Massaker: Wäre de Camargo gegen den FC St. Pauli nicht so ungestüm auf Matthias Lehmann zugestürmt, wäre der nicht zu Boden gegangen und hätte eine unberechtigte Rote Karte provoziert, dann hätte die Borussia vielleicht nicht am Millerntor verloren, Michael Frontzeck wäre noch eine Weile Trainer geblieben, Lucien Favre wäre nicht gekommen und der Verein würde selbst mit de Camargos Siegtor in Frankfurt noch im Unterhaus spielen. Ich glaub’ dran, traut euch auch!

Mai 2011: De Camargo macht ein geflügeltes Wort namens “Colautti-Tor” vergessen, dreht den Borussia-Park mit dem unkonventionellsten Abstauber seit Jahren auf links (wer dabei war, wird dies nicht als Metapher betrachten) und sorgt in der 93. Minute des Relegations-Hinspiels gegen den VfL Bochum für den Siegtreffer. Im Rückspiel wird er wieder eingewechselt und bereitet das entscheidende Tor durch Marco Reus auf eine Art und Weise vor, die man als ersten Zeugungsversuch von “Borussia Barcelona” bezeichnen kann.

August 2011: De Camargo lässt in München gleich zwei Nationalspieler so schlecht aussehen, dass der Rekordmeister anschließend vor lauter Wut 1147 Minuten lang kein Tor mehr kassiert. Nebenbei sorgt der Treffer am ersten Spieltag für den ersten Gladbacher Sieg bei den Bayern seit 1995, den erst zweiten in der Bundesliga-Historie – und die Borussia ist ja jetzt nicht der SSV Ulm.

September 2011: De Camargo erzielt mal wieder ein 1:0-Siegtor. Diesmal hat es nur zur Folge, dass der Hamburger SV seinen Trainer Michael Oenning entlässt. Langweilig.

Februar 2012: Fußball ist dieser merkwürdige Sport, in den man einen Assist dafür erhält, wenn man im Strafraum eine Kopfnuss des Gegners vortäuscht. In Berlin bei der Hertha meinen sie sicherlich immer noch, dass sie abgestiegen sind, weil de Camargo sich im Viertelfinale des DFB-Pokals (!) nicht als astreiner Sportsmann gezeigt hat. Die Sache kocht so hoch, dass der Borussia-Park das Schauspiel-Schaf eine Woche später solidarisch in Schutz nimmt. Er gehört doch zur Familie.

März 2012: Man kann in einer WG-Küche verdammt viel anstellen. Lucien Favre jedoch würde sich vermutlich in 99 Prozent aller Fälle für einen ruhigen Gesprächsabend bei einer Flasche Rotwein entscheiden. Wäre die BayArena in Leverkusen eine WG-Küche, dann hat die Fußball-Bundesliga den VfL-Trainer mindestens einmal betrunken zu “Never Forget” auf dem Tisch tanzen sehen. Es war die 89. Minute, als de Camargo – mal wieder eingewechselt – alleine aufs Tor zulief und die Borussia zum Auswärtssieg schoss. Völlig enthemmt sprintete Favre in Richtung Eckfahne. Und am nächsten Morgen roch es zwischen leeren Bierflaschen und der zerbrochenen “Bravo Hits 11″ schwer nach Europapokal.

November 2012: Niemand weiß, ob die Borussia auch ohne einen Sieg gegen Limassol in der Europa League überwintert hätte. Aber de Camargo hat sich in zweieinhalb Jahren Mönchengladbach dadurch ausgezeichnet, dass er lieber auf Nummer sicher geht. Schließlich hätte sich der VfL rein rechnerisch ja auch ohne sein Last-Minute-Tor in der Relegation gegen Bochum durchgesetzt. Also beendete er das Gegurke gegen die Zyprer. Neu war nur, dass er sich gleich zweimal nicht bitten ließ.

Sollte der Deal mit Frankfurt doch noch platzen, wäre dieser Abgesang zwar umsonst geschrieben. Selbst dann hätte es der ewig Ungeliebte aber verdient, dass jeder Fan diese Meilensteine runterbeten kann wie die Hauptstädte der Bundesländer. Man muss ja auch nicht immer lieben, um zu lieben. Irgendwie passt es zu dieser Zeit ohne echte Aufreger, dass da einer mit diesen Verdiensten quasi vom Hof gejagt wird, jedoch auf geradezu elegante Weise, so dass es wahrscheinlich nicht einmal dem Spieler selbst sauer aufstößt.

Besser als “Herumdümpeln”

Wenn die Geschichten nicht auf dem Platz erzählt werden, hilft häufig ein Köpper ins Schwimmbecken der Statistiken. Irgendwo kurz vor Mittelmaß befindet sich die Borussia. “Herumdümpeln” wäre nicht nur vor dem Hintergrund der vergangenen zwei Jahre viel zu negativ. Jedenfalls sieht es derzeit folgendermaßen aus: die meisten Unentschieden, aber nur die Bayern und Dortmund haben seltener verloren, neuntbeste Abwehr, achtbester Angriff, siebtbestes Auswärtsteam, neuntbestes Heimteam. Das ist in allen Belangen so solide, dass man sich immer wieder zwingen muss, es ausreichend zu würdigen.

Wo soll es noch hingehen in dieser Saison? Es sagt einiges über den Stellenwert dieser Spielzeit aus, dass die Antworten meistens Städte sind, einige davon außerhalb Deutschlands. Seit dem 0:4 in Bremen Ende Oktober hat die Borussia keine Rückschritte mehr gemacht. Klammert man sich an die FIFA-Regel, dass Niederlagen in der Verlängerung keine sind, hat Gladbach von 15 Spielen nur noch ein einziges verloren – durch das “Eigentor des Jahres” von Roel Brouwers gegen Stuttgart.

Und irgendwie ist da bei mir ein unerschütterlicher Glaube, dass es mindestens so weitergeht. Was ist das für eine großartige Saison, in der es keine echten Ziele gibt, sondern nur noch Träume? An ein 0:0 in Hoffenheim werden sich in ein paar Jahren nur noch die erinnern, die dabei waren oder sich sowieso an jedes Ergebnis erinnern. Ich schaue mir bis zum Spiel gegen Düsseldorf lieber ein paar De-Camargo-Tore an und fange an, fürs Kappa-Trikot zu fasten.

24. Januar 2013 von Jannik Sorgatz
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Frohe Weihnachten!

Liebe Leser,

mir geht es gut und auch “Entscheidend is auf’m Platz” existiert noch immer. Es mag ruhig geworden sein auf dieser Seite, aber so wird es nicht ewig bleiben. Ich hatte in den vergangenen zwei Monaten viel um die Ohren und bin an einem gewissen Punkt einfach nicht mehr nachgekommen mit der Schreiberei.

Nun stand der wahnsinnige Terminkalender der Borussia aber stellvertretend für die großartige Entwicklung, die dieser Verein genommen hat, seit Lucien Favre Trainer am Niederrhein ist. Deshalb gilt weiter: Genießen, genießen, genießen. Nach Kiew, Zypern, Marseille und Istanbul geht es in Rom weiter. Damit sind alle Geschenke aus Borussensicht auch ausreichend verteilt. Zudem sollte 2013 nicht mit einer Hiobsbotschaft beginnen wie 2012. Jeder kann sich also entspannt unter den Weihnachtsbaum setzen – alles ist gut!

Um eine kleine Weihnachtstradition in meiner Familie dreht sich ja das erste Kapitel von “Gegen Gladbach kann man mal verlier’n” (an dieser Stelle sei allen gedankt, die es dieses Jahr auf dem Wunschzettel stehen hatten oder es anderen darauf notiert haben).

Auf dem Bild rechts seht ihr den Weihnachtsbaum meines Opas. Selbst wenn einem die Gladbach-Kugel nicht direkt ins Auge springt, ist sie leicht zu finden. Platz acht zur Winterpause bedeutet: Knapp über der Mitte, in ruhigen Gefilden, mit Blick nach oben. Zur Erinnerung: 2010 hing die Christbaumkugel an einem Heizungsrohr im Keller.

Ich wünsche euch allen wunderschöne Weihnachten, lasst es auch gut gehen und kommt gut ins neue Jahr! Dann soll es auch hier endlich weitergehen.

 

Euer Jannik

24. Dezember 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | 5 Kommentare

Die Pflegemutter aller Derbys

Achtung, dieser Bericht enthält Schimpfwörter, ist meinungsmäßig unausgewogen und offenbart keine Liebe zu Fortuna Düsseldorf! Aber was soll man auch erwarten, wenn die Borussia ein Pokalderby in Düsseldorf unverdient mit 0:1 nach Verlängerung verliert und in diesen 120 Minuten dennoch die fußballerisch beste Hälfte der Saison unterbringt? Eben.

Jahrelang war mein Verhältnis zu Fortuna Düsseldorf nicht anders als das zum KFC Uerdingen (sic!), zu Eintracht Braunschweig, zum FC Homburg oder zur SG Wattenscheid 09. In der Tageszeitung meiner Eltern war das Treiben der DEG in der Deutschen Eishockey-Liga eine viel größere Nummer. Am Niederrhein fragte sich jeder, warum die Fortuna sportlich unbedeutend in der dritten oder vierten Liga herumkrebst. Nur war die Antwort nach kurzem Überlegen dann gar nicht mehr so interessant. Ganz ehrlich: Who cared?

Mittlerweile führt an Fortuna Düsseldorf aber kein Weg mehr vorbei. Die Toten Hosen haben dieses Lied geschrieben, das dem Sommer tatsächlich ein paar Wochen lang Magie verliehen hat. “An Tagen wie diesen” beendete die Borussia die Saison mit 60 Punkten auf Platz vier. “An Tagen wie diesen” fuhren wir mit dem Auto in den Niederlanden durch den Bungalow-Park, die Boxen aufgedreht, die Fahnen aus den Fenstern. Mario Gomez hatte sich wund gelegen und dennoch das Siegtor gegen Portugal erzielt.

Seit Mario Balotelli im EM-Halbfinale den Stecker gezogen hat, ist es damit aber vorbei. Kaum ein Mensch außerhalb des Fortuna-Dunstkreises kann “Tage wie diese” noch hören. Und ich glaube, dass selbst die Toten Hosen aus finanziellen Gründen zwar noch dankbar für diesen Erfolg sind, aber mittlerweile auch genug davon haben, immer wieder dieselbe Story zu erzählen. Zumindest wäre ihnen diese Erkenntnis zu wünschen.

Wo alles begann
An diesem Mittwochabend Ende Oktober, Halloween, bekommt die Borussia also das zweite Derby innerhalb von zwei Monaten aufgezwungen. Das erste war in einer halbleeren Düsseldorfer Arena erst Recht eine Light-Version. Im DFB-Pokal wird es nun eben eine Light-Version vor vollen Rängen. Was habe ich mich im Mai über den Abstieg des 1. FC Köln gefreut. Was macht es Spaß, sich allein schon über dessen Fahrt nach Aalen an sich zu freuen. Aber, lieber FC: Es gibt nun wirklich nur ein einzig wahres Rheinisches Derby. Dafür muss eine der beiden Städte nicht einmal am entsprechenden Fluss liegen.

Dass es mich gar nicht berührt, vom Parkplatz den Fußweg in Richtung Arena zu nehmen, wäre dennoch gelogen. Am 5. August 1995 bin ich dort zum ersten Mal in meinem Leben auf ein Stadion zugelaufen. Gladbach spielte im alten Rheinstadion gegen Borussia Dortmund um den Supercup. Nur von der Fortuna war nichts zu sehen, genauso wenig in den Jahren danach bei Länderspielen gegen Südafrika, die Schweiz und Norwegen. Mein einziges Gladbacher Ligaspiel in Düsseldorf – war gegen Bayer Leverkusen.

Selbst eine Stunde vor dem Anpfiff – 31. Oktober 2012, 20:30 Uhr – ist von den Düsseldorfern auch diesmal keine Spur. Sind es die Öffnungszeiten auf der Kö? Ist der DFB-Pokal kein Grund, in den hippen Werbeagenturen ausnahmsweise vor acht die Arbeit niederzulegen? Oder war dieses Relegations-Rückspiel im Mai eine Produktion derselben Firma, die 1969 die Mondlandung inszeniert hat? Düsseldorf sehen, und niemanden sehen.

Nicht aufregen!
Die ARD-Sportschau hat ein paar Gebührengelder in circa 30.000 Fortuna-Fähnchen investiert. Mit meinem Vater sitze ich hinter dem Tor zum Glück fünf Meter von der Fähnchen-Grenze entfernt. An alle Borussen, die gerade anfangen, einen Brief an die Sportschau aufzusetzen: Eure Gebühren sind bereits im Januar in entsprechende Gladbach-Fähnchen geflossen. Da werden die Bayern-Fans auch nicht in Ekstase geraten sein. (Nach dem Spiel erst Recht nicht mehr.)

Statistisch gesehen, gewinnt also immer die Fähnchen-Mannschaft. Bereits in den ersten fünf Minuten hat die unveränderte Borussen-Startelf jedoch alle Möglichkeiten, die Quote auf 50 Prozent zu senken. Juan Arango betätigt sich als größter Ecken-Herausholer und -Hereinschlager unter der Sonne. Erst lenkt Fortuna-Torwart Giefer den Ball gerade noch über die Latte. Dann rettet Johannes van den Bergh gegen Alvaro Dominguez mit einer Körperregion, in der gelegentlich ebenfalls Querbalken zu finden sind, wenn sie in der Zeitung abgedruckt wird.

Die Gastgeber lassen sich nur sporadisch hinter der Mittellinie blicken. Bei den Gästen hat nach einer knappen halben Stunde fast jeder Feldspieler eine Torchance auf dem Konto. Selbst bei Marc-André ter Stegen ist nicht auszuschließen, dass er einen verunglückten Fortuna-Steilpass über Giefer hinweg ins Tor bugsiert. Sonst noch im Angebot: Igor de Camargo, der den rechten mit dem linken Fuß verwechselt, ein Distanzschuss von Marx sowie Patrick Herrmann, der im Laufduell mit Tobias Levels eher den Ex-Kollegen als den Gegner sieht – auf keinen Fall fallen.

Nicht von dieser Saison
Vom Kicker-Sportmagazin gibt es an dieser Stelle das Wort “einlullen” zu klauen. Die Lull steht. Dass “Lumpi” Lambertz, Robbie Kruse und Axel Bellinghausen in dieser Reihenfolge die ersten Düsseldorfer Torschüsse abgeben, sagt alles – Fußballer, die in der Bundesliga nur bestehen können, weil sie es bewiesen haben. Das gilt es zu akzeptieren. So aus dem Stegreif weiß ja auch niemand, warum Pi in etwa 3,14 ist.

Zwischendurch – wenn sie sich nicht gerade selbst eingelullt hat – zeigt die Borussia sogar Kombinationen, die nicht von dieser Saison sind. Steilpass, prallen lassen, Steilpass, prallen lassen, Steilpass – das ist sowas von 2011/2012. Dass Herrmann kurz vor der Pause durchbricht, ist zwar eher ein Zufallsprodukt. Umso willkommener wäre in dieser Szene aber ein gelungener Querpass zu Arango. Der bricht sich vor Wut fast die Hand, weil er gegen den Pfosten schlägt. Auch das sagt alles.

Dass Halbzeitpausen immer nach 45 Minuten nötig sind, darf – im Gegensatz zu Pi – gerne angezweifelt werden. Manchmal sind sie auch reine Unterhaltungselemente. Und damit sind nicht einmal drei Songs von den Toten Hosen, sinnlose Gewinnspiele und Bratwurst-Beschaffungsmaßnahmen gemeint. Nein, es kann auch unterhaltsam sein, wenn eine Mannschaft in der Pause an Halbzeit-Demenz erkrankt und im zweiten Durchgang keine Ahnung mehr hat, was für ein einseitiges Spiel das über 45 Minuten war. Alle lachen, außer die Erkrankten.

Hipster-Tanten und Herrenausstatter
Düsseldorf geht das Spiel zwar weiter in der Underdog-Rolle an, aber nach und nach verdienen sich die Gastgeber das Adjektiv “aufmüpfig”. Plötzlich ist auch die Esprit-Arena da, die den Elan ja schon im Namen trägt. Man fragt sich reflexartig, wo all diese lauten Menschen 15 Jahre lang gesteckt haben. Wenn aber die Hipster-Tante aus der Werbeagentur zusammen mit dem Herrenausstatter von der Königsalle ein riesiges Brimborium veranstaltet, dann muss man das neidlos anerkennen. Und die Hartgesottenen vom Flinger Broich sind ja auch noch da. Ich sag nur: Adler Osterfeld.

In der Mutter aller Rheinischen Derbys würde an dieser Stelle vielleicht der Himmel aufgehen und ein Wolkenbruch den Rasen in das deutsche Freibad mit den längsten Öffnungszeiten verwandeln. Aber die Fortuna ist nur bei der Pflegemutter Bundesliga untergekommen, so fühlt es sich an. Da können die Düsseldorfer noch so viel triezen, Graffiti auf Mauern am Borussia-Park sprühen, Fahnen klauen (oder auch nicht), die Ultras können blutverschmierte T-Shirt mit dem Aufdruck “Die VfL Scum” verkaufen – es lässt einen kalt. Selbst die Abwertung der “Fohlen” durch den Begriff “Ponys” ist unterm Strich eher putzig als provokant.

Lucien Favre ist dem Aberglauben offenbar auch nicht abgeneigt. Nach 70 Minuten ruft er Mike Hanke und Peniel Mlapa an die Bank. So war es auch in Hannover. Nur macht Teilzeit-Atheist Marx seinem Trainer einen Strich durch die Rechnung. Der Sechser, dem vielleicht nicht die Zukunft aber momentan die Gegenwart gehört, muss angeschlagen raus. Mlapa darf sich wieder anziehen, Granit Xhaka kommt stattdessen rein. An dem Punkt wäre ich als Trainer ja nach Hause gegangen.

Keinen Hunger
Das Pärchen vor mir und meinem Vater schlittert derweil in eine kleine Beziehungskrise. Sie sitzt seit eineinhalb Stunden inklusive Halbzeitpause regungslos auf ihrem Platz. Er steht immer wieder auf, setzt sich beim nächsten Pass hin, stößt beim wiederum nächsten Pass anfeuernde Brunftschreie aus, dann geht er sich die nächste Doppelladung Bier holen, ohne ihr wenigstens eine Cola mitzubringen. Etwa in der 80. Minute kommunizieren die beiden erstmals: Sie hält ihm ein Stück von ihrer Brezel hin. Er rastet beinahe aus und schreit: “Ich will jetzt nix essen, verdammte Kacke!” Das kann man einfach mal so stehen lassen.

Unmittelbar an diese nicht spielentscheidende Szene schließt sich eine Aktion an, die den Abend beinahe vorzeitig beendet – vorzeitig, weil in der 83. Minute bereits alles einer Verlängerung entgegendümpelt. Arango will die Situation im eigenen Strafraum spielerisch klären. Auch ohne Wolkenbruch ist der Rasen plötzlich so seifig, dass der Venezolaner mit seinem Zauberbein einfach wegrutscht. Besoffen in der Kneipe würde man in diesem Moment nach dem Barhocker greifen. In der Düsseldorfer Esprit-Kaschemme heißt der Barhocker Robbie Kruse und fällt. Schiedsrichter Knut Kircher zeigt sofort auf den Punkt.

Meine Hand geht sofort in die rechte Hosentasche – Handy raus. Auf Zypern wollte ich den ersten Europa-League-Sieg der Gladbacher Vereinsgeschichte für die Nachwelt festhalten, aber Oscar Wendt hatte etwas dagegen und die Latte sprach auch noch ein gewichtiges Wörtchen mit. Gegen Marseille ließ ich die Kamera stecken, Filip Daems erledigte seinen Job gewohnt zuverlässig. Was in dieser 84. Minute in Düsseldorf meine Pflicht ist, liegt im wahrsten Sinne auf der Hand.

Lionel Langeneke
Bevor Jens Langeneke anläuft, sind noch die beiden Mittelfinger des Brezel-Verschmähers zu sehen. Vielleicht ist das sein persönliches Ritual. Dann der Schuss – sein Name ist “gehalten, festgehalten”. Auf dem Video schreit jemand mit meiner Stimme Dinge, die ich hier so leider nicht wiedergeben kann. Jedenfalls pariert ter Stegen sein vierten Elfmeter in Folge. Dass zweimal der Pfosten geholfen hat und die anderen beiden unterirdisch schlecht geschossen waren (Jens Messi und Lionel Langeneke, welch ein Duo!), muss der Bundes-Torwarttrainer ja nicht wissen.

Man kann dem Momentum nur gratulieren, dass es sich nach der starken ersten Hälfte samt Einlullen plus schwacher zweiter Hälfte doch noch für die Borussia entschieden hat. Aber das Momentum will keine Blumen, es hat einen festen Plan. In der ersten Minute der Verlängerung sieht der zunächst vor, dass Martin Stranzl eine Levels-Flanke an den eigenen Pfosten lenkt. Von dort springt der Ball an Roel Brouwers’ Kopf und von dort ins Toraus. Man muss dieses Spiel nicht verstehen.

Noch vor dem Elfmeter für Düsseldorf ist Nando Rafael ins Spiel gekommen. Der angolanisch-niederländische ehemalige deutsche U21-Nationalspieler war einst der Schrecken der Ostgerade im Borussia-Park, weil seine Schüsse tendenziell eher dort als im Tor landeten. Davor brachte er seine Ausbilder bei Ajax Amsterdam mit seinem Talent an den Rande der Ejakulation. Es soll Leute in den Niederlanden gegeben haben, die von den besten fußballerischen Anlagen seit Johan Cruyff schwärmten. Meine Quelle ist reines Hören-Sagen. Aber selbst die Tatsache, sich so etwas auszudenken, würde Rafael ja schon zu einem bemerkenswerten Fall machen.

Cool oder bescheuert?
Dagegen ist der Australier Robbie Kruse so unspektakulär, dass sein einfallsreicher Spitzname “Skippy” Bände spricht. Doch das Känguru setzt den Cruyff-Nachfolger in der 97. Minute in Szene. Zum ersten Mal in diesem Spiel sieht Brouwers schlecht aus. Nur ein Tor durch Tobias Levels wäre in dieser Situation bitterer gewesen. Triumphierend posiert Rafael vor der Kurve, in der mehrheitlich Gladbacher stehen. Ob es cool oder bescheuert aussehen soll, muss der Stürmer selbst beantworten. Mit dem Frust des 0:1 im Kopf ist meine Tendenz eindeutig.

Kräftemäßig sieht bei der Borussia auch nach dem letzten Seitenwechsel noch alles gut aus. Mlapa versucht es. Bei Hanke geht es nach einer schönen Flanke von Daems schon über den reinen Versuch hinaus, Giefer hat die Greifer noch irgendwie dran. All die Fehlversuche wären sogar zu verkraften, wenn auch Gladbach in der 113. Minute einen klaren Elfmeter bekommen würde. Viel deutlicher kann van den Bergh Nordtveit von hinten nicht in die Beine grätschen. Zum zweiten Mal binnen vier Tagen verstehe ich diese Sportart nicht. Manchmal ist der Fußball einfach nur ein riesiges Arschloch.

In 99 von 100 Fällen hätte die Borussia aus einem 0:2 in Hannover keinen Sieg mehr gemacht. In neun von zehn Fällen – und das ist eher noch bescheiden – hätte die Borussia aus diesen Chancen gegen die Fortuna allein in der ersten Hälfte mindestens ein Tor gemacht. Und schon bewegen wir uns im Promillebereich, was diese Abfolge von zwei merkwürdigen Auswärtsspielen angeht.

Wünscht man sich Endlichkeit
Unmittelbar nach dem Abpfiff bewegt sich die Freudetrunkenheit der Fortuna-Fans mindestens im zweistelligen Promillebereich. Ich kann – trotz all meiner Erfahrung mit dem VfL – unfassbar schlecht verlieren. Verstärkt werden diese Emotionen, wenn 50.000 Düsseldorfer “Tage wie diese” anstimmen und ich einfach nur weg will. Aber überall auf den Treppen stehen diese Menschen, die von Adler Osterfeld wahrscheinlich noch nie gehört haben, und blockieren den Weg. Sie dürfen jubeln, die Freude mit dem Handy festhalten. “An Tagen wie diesen” – kann mich die Unendlichkeit mal kreuzweise. Und bevor mich einer missversteht: Das wäre nicht anders, wenn Düsseldorfs Postleitzahl mit 6 oder 7 beginnen würde, die Stadt also weit von meiner Heimat entfernt wäre.

05. November 2012 von Jannik Sorgatz
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Alte Schweden!

Ab und zu winkt das Schicksal so sehr mit dem Zaunpfahl, dass es weh tut. Und trotzdem kapiert man es manchmal nicht. Aber aus einem 0:2 ein 3:2 machen? Auswärts? In Hannover? Das zu erwarten, ist nach objektiven Maßstäben auch halbwegs verrückt. Umso besser, dass der Fußball einen immer wieder verblüfft, wenn man meint, doch so ziemlich alles schon erlebt zu haben.

Ich hatte innerlich bereits abgeschlossen mit dem Wohnzimmer meiner Eltern. Es war ausgemacht, dass ich erst wieder ein Gladbach-Spiel dort gucken werde, sobald die Fernseh-Krise an anderen Orten ähnlich dramatische Züge angenommen hat. Am 25. November gegen Augsburg wollte ich Mutter, Vater und Bruder in die WG einladen. Doch dann klingelt am Tag des Marseille-Spiels das Telefon.

Mein Chef ist dran und ahnt mit Sicherheit nicht, dass die folgenden 63 Sekunden vielleicht den Wendepunkt der Post-Wunder-Saison bringen. Es geht um einen einfachen Dienstetausch, spät gegen früh. Ein Telefonat könnte im Hinblick auf die Borussia scheinbar nicht irrelevanter sein.

Aber der Tag, über den wir sprechen, ist Sonntag, der 28. Oktober: 9. Spieltag, 17:30 Uhr, auswärts in Hannover. Erst als ich wieder aufgelegt habe und meine Arbeitszeit im Kalender ändern will, wird mir klar, in welche Bredouille mich mein Entgegenkommen gebracht hat. Will ich ernsthaft den Besuch bei meinen Eltern verweigern und nach Dienstende in der Redaktion verharren, um das Spiel bloß nicht im Krisen-Wohnzimmer schauen zu müssen? Ich spüre einen kurzen Schmerz am Hinterkopf. Das Schicksal hat mit dem Zaunpfahl gewinkt. Das Engelchen auf der Schulter sagt: “Nein, tu’ es nicht.” Der Teufel schreit: “Tu’ es, gib’ dem Wohnzimmer noch eine Chance, wie geil das wäre!” Aberglaube ist ein Arschloch.

Ampel mal anders
Also stehe ich fünf Minuten vor dem Anpfiff auf der Matte. Die ominöse Glücks-Ampel ist genauso rot gewesen wie mein Hannover-farbener Pullover. Aber Rot ist das neue Grün. Denn Ampel ist natürlich nicht gleich Ampel, wenn man aus der Richtung kommt, in die man sonst links abbiegt. Will heißen: Die Ampel, auf die es ankommt, war so grün wie am Donnerstag auf dem Weg zur Europa League.

Das sind soweit die Grundlagen, die nichts mit elf Borussen und ihrem Trainer zu tun haben. Bei den elf Borussen fehlt einer, der bislang fast immer dabei war und nun voraussichtlich erst einmal sechs Wochen gar nicht dabei sein wird. Die Rede ist von Luuk de Jong. Mit “den Kürzeren gezogen” habe ich es am Ende viel zu optimistisch umschrieben, wie sehr der Niederländer im Duell mit Joey Barton vernichtet wurde. “Offene Kapselverletzung mit Knochenödem” klingt nach einer Blessur, mit der man nicht nur in Mönchengladbach länger ausfällt.

Ob diese Diagnose die Bezeichnung “Hiobsbotschaft” verdient, wird man erst sagen können, wenn de Jong wieder fit ist. Und ob die Borussia mit ihm in dieser Phase nun bessere, schlechtere oder exakt gleiche Resultate eingefahren hätte, wird ohnehin für immer ungeklärt bleiben. Deshalb versucht man am besten erst gar nicht, sich mit Mutmaßungen aufzuhalten.

De Camargo als de-Jong-Ersatz
Fest steht, dass es für den Rekordtransfer (nach “22-Jähriger” und “Niederländer” ist das nun einmal das naheliegendste Synonym) verdammt schade ist, weil er zuletzt sicherlich nicht auf einem schlechteren Weg war als zu Beginn der Saison. Der letzte Satz zu dieser Verletzung sei mit dem Hinweis verbunden, dass es in dieser Szene gegen Marseille übrigens Freistoß für die Franzosen gab.

Lucien Favre entscheidet sich für Igor de Camargo als de-Jong-Ersatz. Der Weg von der Tribüne auf den Platz ist in dieser Saison verdammt kurz. Für den gehirnerschütterten Tony Jantschke rückt Roel Brouwers in die Startelf und schiebt Martin Stranzl auf die rechte Seite der Viererkette. Ansonsten setzt der Trainer auf Nachhaltigkeit: Thorben Marx und Lukas Rupp machen ihr fünftes bzw. viertes Spiel in Folge von Anfang an. Patrick Herrmann darf als Neuneinhalber wieder in den Fußstapfen von Marco Reus versinken.

Nach dem 0:4 in Bremen haben viele geunkt, dass das Ergebnis doch ein erkennbarer Aufwärtstrend im Vergleich zum 0:5 in Dortmund gewesen sei. In Hannover beginnt die Borussia so, dass ein Hobby-Zyniker nach der Anfangsviertelstunde tatsächlich im schlimmsten Fall ein 0:3 fürchtet. 22 Heimspiele in Folge hat 96 in der Bundesliga nicht verloren. Und ohne die bis dahin letzte Pleite vor eigenem Publikum wäre Gladbach 2011 nur aufgrund der mehr geschossenen Tore in die Relegation gekommen. Ganz optimistisch ausgedrückt, war der Knaller von Reus vor eineinhalb Jahren also verzichtbar.

0:0 und nicht einmal glücklich
Mit der Verunsicherung der vergangenen Auswärtsklatschen in den Beinen erinnert der Auftritt des VfL eine halbe Stunde lang an die Jahre nach dem ersten Wiederaufstieg. Jede gelungene Kombination ist ein Hoffnungsschimmer, jede überstandene Druckphase ein Schritt zu einem erschluderten Auswärtspunkt. Da aber niemand ein Feuerwerk à la Borussia Barcelona erwartet hat, lässt es sich damit sehr gut leben. Nur einmal taucht 96 gefährlich vor dem Tor auf. Aber Marc-André ter Stegen packt gegen Mame Diouf eine Parade aus, von der Jörg Stiel damals lediglich träumen konnte.

Im Spiel nach vorne muss sich der VfL keineswegs für unverschämtes Glück schämen. Lars Stindl trifft Juan Arango so am Fuß, dass ein Elfmeter rein theoretisch fällig wäre. Rein praktisch kann Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer die Berührung aber allenfalls erahnen. Es ist keine Fehlentscheidung, um vor lauter Ungerechtigkeit eine ganze Woche nicht schlafen zu können. Kurz vor der Pause nähert sich der derzeit wohl spektakulärste Linksfuß der Liga dem Tor an. Mehr als eine Visitenkarte, falls Ron-Robert Zieler noch nie bei YouTube war, gibt Arango aber noch nicht ab.

An dieser Stelle wollte ich ursprünglich ein Loblied auf eine torlose erste Halbzeit singen, weil die Borussia in der vergangenen Saison nach einem 0:0 zur Pause vermeintlich so viele Punkte geholt hat. In 15 Bundesligaspielen passierte 45 Minuten lang nichts Nennenswertes, aber nur viermal hat Gladbach anschließend noch gewonnen und gleich sechs seiner acht Niederlagen kassiert. Die gute Nachricht: Von den vier Spielen in der laufenden Saison, bei denen es zur Pause 0:0 stand, ging wiederum keines verloren. Dagegen sollte man sich jetzt auch nicht wehren.

Hätte ich diese Statistik vorher gekannt, hätte ich exakt drei Minuten hoffen dürfen. Dann packt Hannover zum ersten Mal seine berüchtigte Zehn-Sekunden-Regel aus. Vorne verliert de Camargo den Ball. Den Gastgebern genügt ein Gut-Glück-Pass in die Spitze, Didier Ya Konan lässt mit der Brust abtropfen und schon ist Gladbachs Mittelfeld überbrückt. Vier Hannoveraner laufen auf vier Borussen zu. Keiner geht raus, weil Drei-gegen-Drei gefühlt noch gefährlicher ist. Jan Schlaudraff verlässt sich aus 22 Metern erst gar nicht auf Gefühle und zimmert den Ball gegen ter Stegens Hand, die das Ding in den Winkel lenkt.

Um Antwort wird gebeten
Gladbachs Keeper steht genau fünf Meter vor dem Tor, tendenziell einen Tick zu weit. Aber was, liebe Hobby-Torwarttrainer, wäre optimal? Vier, drei, zwei, ein Meter? Im Tor stehen und dem Ball mit Schwung entgegenfliegen? Ich finde es eher verblüffend, dass ter Stegen die Hand so schnell hochbekommt. Wenn er unterm Strich dennoch nicht gut aussieht, sind die Haltungsnoten jedoch so wertvoll wie eine bestandene Fahrradprüfung.

In der Folge ist das 0:0 zur Pause völlig wertlos, weil es der Borussia offenbar egal ist, wann sie nun nach dem ersten Gegentor einbricht. Einstudierte Freistoßvarianten sind nicht nur effektiv, sondern auch demütigend. Konstantin Rausch wird links freigespielt. Drei Mann wollen reparieren, was scheinbar gar nicht zu Bruch gehen konnte. Und schon hat Diouf den Platz, um mit der Wade das 2:0 zu erzielen. Ich frage meine Eltern, ob sie für den 25. November eine schriftliche Einladung haben wollen oder die mündliche in der 54. Minute genügt.

Diesmal aber ist das zweite Gegentor nicht der Aufruf zum völligen Auseinanderbrechen. Es gehört immer eine Mannschaft dazu, die den geschlagenen Gegner zurückkommen lässt. Aber der muss erst einmal in der Lage sein, diese Geschenke anzunehmen. De Camargo scheitert an Zieler wie Diouf in der ersten Halbzeit an ter Stegen. Müsste ich wetten, würde ich zu diesem Zeitpunkt davon ausgehen, dass viel zu spät der Anschlusstreffer fällt und der Ärger über Hannovers Doppelschlag am Ende riesengroß ist.

Katzen-Video-Fans aus Hannover
Fast eine Viertelstunde schaut sich Favre an, wie sich seine Mannschaft bemüht, irgendwie ins Spiel zurückzukommen. Dann bringt er Mike Hanke und Peniel Mlapa für de Camargo und Herrmann. Arango steht gerade bereit, um eine Ecke auszuführen. 15 Sekunden, nachdem er das getan hat, liegt Gladbach auf einmal nur noch 1:2 zurück.

Zunächst verdient sich die Ecke das Sportschau-Prädikat “brachte nichts ein”. Aber der Ball bleibt im Spiel. Havard Nordtveit bringt ihn eher ungefährlich zurück in den Strafraum, wo Hannovers Sakai genau vor die Füße von Arango klärt (wobei ja nur der linke Fuß wirklich relevant ist). Zweimal setzt der Ball noch auf. Arango könnte ihn fast signieren, da seine Gegenspieler bei YouTube offenbar nur Katzen-Videos gucken. Zieler denkt, er sei fein raus, weil er den Schuss lehrbuchmäßig zur Seite abwehrt. Doch da steht Alvaro Dominguez und staubt ab.

Mit 20 Minuten bleibt viel mehr Zeit als erwartet für den Ausgleich. Das verwirrt den VfL aber nur kurz. Hannover leistet sich so viele überflüssige Fouls, ich schäme mich beinahe fremd. Beim nächsten Arango-Freistoß steht Brouwers dann auch noch so frei, dass ein verblüffter Fehlschuss kein Wunder wäre. 77 Minuten sind rum, es steht 2:2 und ich entdecke die wunderbare Jubelschneise, die sich zwischen dem neuen Tisch und dem neuen Sofa auftut. Ein tolles Wohnzimmer!

YouTube weiß Bescheid
Falls ein Statistik-Student das hier liest und noch ein Thema für eine Hausarbeit sucht, hätte ich einen Vorschlag: Irgendjemand müsste mal untersuchen, ob sich seit dem 4:4 gegen Schweden verrückte Aufholjagden nicht unfassbar häufen. Bevor ich den Themenvorschlag ausformuliert habe, steht Arango jedoch schon wieder zum Freistoß bereit. Alter Schwede!

Hannover meint, es sei ausreichend, einen Ex-Gladbacher mit Pläte als Ein-Mann-Mauer hinzustellen. Arango meint, es sei ausreichend, den Ball einfach zum 3:2 in die kurze Ecke zu setzen. Recht hat am Ende wohl der, dessen Name bei YouTube inzwischen mit dem Suchvorschlag “Traumtor” verknüpft wird. Ich gehe mal nicht davon aus, dass da eine Unterlassungsklage droht.

Wie die Borussia das Ding über die Zeit schaukelt, ist fast schon beängstigend. Nach den Rückschlägen der vergangenen Wochen lässt man das gerne über sich ergehen. Als Kinhöfer abpfeift, reißen so viele Serien, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Fangen wir an bei der längsten: Zum ersten Mal seit 1994 hat die Borussia auswärts aus einem Zwei-Tore-Rückstand noch einen Sieg gemacht. Überhaupt ist ihr das in 45 Bundesligajahren erst zum sechsten Mal gelungen. Die Wahrscheinlichkeit, so etwas zu erleben, beträgt weniger als einen Prozent. Der Rekord für eine solche Aufholjagd lag bei 15 Minuten, der neue liegt bei neun.

Zwei Drittel Kopf, ein Drittel Arango
Nach 18 Monaten verliert Hannover 96 zudem wieder ein Heimspiel. Das wäre aus Borussensicht ja erst einmal uninteressant, wenn sich nicht ein Kreis schließen würde. Und zu guter Letzt ist nicht nur eine Serie gerissen, sondern ein regelrechter Fluch gebrochen. Ich habe meinen Frieden gemacht mit dem Wohnzimmer meiner Eltern – der erste Sieg seit fast vier Jahren. Es gibt Räume, die haben eben 22 Chancen verdient.

Noch drei Stunden vorher habe ich mit meinem Chef darüber philosophiert, dass es einen Punkt im Leben eines Fans geben muss, an dem man wahrscheinlich alles einmal erlebt hat – von einem 6:3 in Leverkusen über ein 3:3 in Bochum nach 3:0-Pausenführung bis zu einem 7:1 in Offenbach. Aber da draußen lauern noch so viele Überraschungen der Kategorie “in neun Minuten auswärts aus einem 0:2 ein 3:2 machen”, die man gar nicht für möglich hält.

Dieser Sieg in Hannover war zwei Drittel Kopf und ein Drittel Arango (dessen Kopf ist bei den zwei Dritteln natürlich mitgerechnet). Dass jetzt alles gut wird, will ich erst behaupten, wenn es so weit ist. Wir werden diesen Sport nie zu 100 Prozent verstehen und werden trotzdem nie aufhören, es zu versuchen. Football, bloody hell!

30. Oktober 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , | 11 Kommentare

Mlapaukenschlag

In Europa sind sogar die Krisen komprimierter. Ein Unentschieden auf Zypern und eine Heimpleite gegen Istanbul besiegeln beinahe das Ausscheiden. Aber zum Glück gleicht ein einziger Erfolg in diesem Wettbewerb einer berauschenden Siegesserie. Ein Spiel in Folge hat die Borussia in der Europa League gewonnen – und sie weiß nun immerhin, dass zwei weitere folgen müssen.

Mannschaftsfotos sind eine Kunst für sich. Wahrscheinlich denken die meisten bei diesem Stichwort zuerst an wacklige Bierbänke, üppig beklebte Medizinkoffer und Torhüter, die Bälle sponsorengerecht in die Kamera halten. Dabei sind die Gruppenbilder unmittelbar vor dem Anpfiff doch viel authentischer, emotionaler und nicht annähernd so inszeniert. Da ist keine Bierbank, kein Medizinkoffer, nicht einmal ein Ball. Die Bilder sind Dokumente der fußballerischen Zeitgeschichte, Teil der Zeremonie genau wie der Wimpeltausch.

Elf Spieler stellen sich auf, vertrauen völlig ihren Instinkten, ob sechs Mann oben stehen oder unten hocken, wo der Torwart seinen Platz hat. Im Champions-League-Sonderheft des Kicker sind 16 der 32 Mannschaften in dieser puristischen Form abgebildet. In 13 von 16 Fällen umfasst die obere Reihe sechs Spieler, bei fast jeder zweiten Mannschaft steht der Torwart oben links. Das schafft Respekt, weil das Auge des Betrachters ihn zuerst erfasst.

Die Südeuropäer tendieren in der unteren Reihe dazu, den Oberkörper nur so weit vorzubeugen, dass die Hinterleute nicht verdeckt werden. Das vermittelt ein “Aux armes!”, eine Auf-geht’s-Mentalität. Wer tief in der Hocke sitzt, hat vielleicht beim Skispringen gute Karten, kommt aber in keinen Zweikampf.

Reihe aus dem Lehrbuch
Insofern macht die Borussia gegen Olympique Marseille bereits vor dem Spiel fast alles richtig. Marc-André ter Stegen steht oben links. Er schaut konzentriert, verübt mit seinem Blick aber keine Mordanschläge auf die Fotografen. Oben rechts spreizt Filip Daems den Arm mit der Kapitänsbinde genau so weit ab, dass es Respekt einflößt. Hervorragende obere Reihe!

Nach unten hat es die Kleinen wie Patrick Herrmann, Tony Jantschke und Lukas Rupp verschlagen. Sie hocken zwar, genau wie Havard Nordtveit. Aber die leichten Defizite in der Haltung macht Juan Arango wett, der in der leichten Hocke noch einmal kurz die Oberschenkelmuskulatur anwärmt. Der Mann ist definitiv bereit für einen großen Europapokal-Abend. Ansonsten: Trikots, die gar nicht mehr so schlimm aussehen, und elf Frisuren, von denen keine einzige haarsträubend ist.

Es gibt aber noch einen letzten Punkt, der aus einem vermeintlich schnöden Teamfoto ein starkes Signal machen kann. In dieser Hinsicht gilt ein Dank den gut 1000 Marseille-Fans, die mit ihrer Fackelei und Böllerei zwar dafür gesorgt haben, dass die “Elf vom Niederrhein” wahrscheinlich zum allerersten Mal nicht bis “Und geht das Spiel auch mal verlor’n” gekommen ist. Aber dieser Dunst im Hintergrund, gepaart mit dem Flutlicht und den Schattenwürfen, ist einfach genial. Um dieses Loblied auf das Vorspiel-Mannschaftsfoto auf den Punkt zu bringen: Hätte mir jemand beim Anpfiff sofort einen Abzug dieses Bildes in die Hand gedrückt, wäre ich in den folgenden 90 Minuten weitaus entspannter gewesen.

Kathedralenbesichtigung mit Kopf
So aber geht es los mit der Gewissheit, dass die letzten drei Gruppenspiele bei einer Niederlage höchstwahrscheinlich zu einer Abschiedstour aus Europa würden. Will heißen: Das Abenteuer wäre sportlich vorbei, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Diese internationale Saison soll schließlich nicht nur ein einziges Fest im Herzen werden, sondern hat auch einen sportlichen Zweck. Das ist in etwa wie damals auf der Abschlussfahrt in der Oberstufe: Bis zum Morgengrauen wurde gefeiert, aber trotzdem war die Besichtigung der Kathedrale von Canterbury am nächsten Vormittag Pflicht, Kater hin oder her.

Ich hoffe, dass die Mannschaft insgesamt besser auf die Gegner vorbereitet ist als ich selbst. Immerhin kenne ich diesmal sechs Spieler aus Marseilles Startformation beim Namen, während ich mich an keinen einzigen Limassol-Spieler mehr erinnere – bis auf den Torwart mit der langen, schwarzen Mähne, besser bekannt als “Tim Wiese”. Gut, Mathieu Valbuena ist der Kleine, der Dortmund vergangene Saison den Gnadenstoß versetzt hat. Aber wer erkennt schon Joey Barton am Laufstil, wenn er dabei nicht gerade Faustschläge verteilt? Und welcher der Ayew-Brüder war es nun, der beim Friseur so schlecht beraten wurde?

Da hat es beinahe Service-Charakter, dass sich OM nach ein paar Minuten in Gladbachs Hälfte einnistet, also genau vor der Nordkurve. Loïc Remy hinterlässt die auffälligsten Visitenkarten. Erst bekommt ter Stegen noch rechtzeitig den Arm hoch. An einer Ecke springt Gladbachs Torwart mit einem bislang unbekannten Faible fürs Segelfliegen aber vorbei und hat Glück, dass Marseille nicht das und vor allem nicht ins Tor trifft.

Wer nie schießt, schießt kein “Tor des Monats”
Gäbe es eine Meldepflicht für ernsthafte Torschüsse, würde von Gladbacher Seite erst nach einer knappen halben Stunde die erste Nachricht eingehen. Arango versucht es aus 30 Metern von halblinks. Jeden anderen Spieler würde man gefühlt auswechseln, der Venezolaner dagegen weckt die Hoffnung, dass schon hinter dem nächsten Schuss ein “Tor des Monats” lauert.

Nur kurz darauf erhält das Spiel die entscheidende Wendung. Jantschke wird ausnahmsweise nicht übersehen und stellt sich mit einem mutigen “Je m’appelle Tony” am gegnerischen Strafraum vor. Gegenspieler Lucas Mendes aber ist Brasilianer und weiß sicherlich selbst am besten, welcher fieser portugiesische Satz ähnlich klingt wie “Je m’appelle Tony”. Den U21-Nationalspieler deshalb gleich niederzustrecken, ist aber auch keine Lösung. Während Jantschke am Spielfeldrand alle Ministerpräsidenten aufzählen soll und bei “Bouffier” wieder benommen zusammensackt, bringt Arango den Freistoß herein. Es ist so ein Ding der Kategorie “Bitteschön, Torwart, schau’ mal, was du daraus machst”: möglichst hart, möglichst schnittig aufs Tor gezogen.

Mandanda bekommt gerade noch die Beine zusammen. Der Abpraller fliegt in Richtung Strafraumgrenze, wo Nordtveit ihn gleich wieder in Richtung Tor befördern will. Aber Kabouré hat seine Hände so sehr im Spiel, dass ein Elfmeter nur noch fälliger wäre, wenn er den Ball gefangen hätte.

Der 15. Streich
Ein Daems tut, was ein Daems tun muss. Zum 15. Mal bewegt sich der Belgier im Borussentrikot in Richtung Elfmeterpunkt. Und während er seines Amtes waltet, bin ich in Gedanken wieder auf Zypern. Wieder braucht der Ball scheinbar ewig, bis er endlich an der Latte angekommen ist. Dann dauert es erneut eine gefühlte Ewigkeit, bis er genau auf die Torlinie springt. Als ich aufwache, ist schon alles vorbei. Hat auch gar nicht weh getan. Daems hat verwandelt, zum 15. Mal. Jede verdammte Pflichtspielminute hat der Kapitän in dieser Saison absolviert. Lediglich am 20. September war er nicht auf Zypern. Vermutlich stand Daems in Mönchengladbach auf dem Trainingsplatz und übte vor lauter Langeweile Elfmeter.

Im fünften Europacupspiel der Saison ist der VfL zum vierten Mal in Führung gegangen. Seine beiden Heimspiele hat er anschließend verloren. Wahrscheinlich wäre ich zu diesem Zeitpunkt auch dann noch nervös, wenn ich ein Polaroid des Mannschaftsfotos in der Jackentasche hätte. Zur Pause applaudiert der Borussia-Park. 45.000 Karten sind verkauft worden. Zum Vergleich: Die drei Europacup-Heimspiele des VfB Stuttgart haben in dieser Saison insgesamt 52.855 Zuschauer besucht. Bayer Leverkusen wäre wahrscheinlich nicht einmal in der Lage, so viele Karten zu verschenken.

Doch da wären auch entsprechend viele Zeugen, wenn die Borussia zum dritten Mal im eigenen Stadion eine Führung aus der Hand geben würde. Marseilles Chancen nach der Pause sind allein aus Chronistensicht ein Thema. Richtig hoch geht der Puls erst, als Keeper Mandanda schlecht aussieht und der Ball frei im Fünfmeterraum herumliegt. De Jong und Barton rauschen heran. Es ist so ein Zweikampf, den zwangsläufig einer der beiden verlieren muss, zur Not per Sudden Death in der fünften Verlängerung. Dass es Gladbachs Niederländer ist, kann man nicht einmal dem Enfant terrible von der Insel ankreiden. Dennoch ist es fast schon zynisch, dass de Jong nicht mit einer, sondern gleich drei Wunden am Knie ausgewechselt werden muss.

Der erste magische Moment
Komischerweise ist mir in diesem Moment gleich klar, dass Favre Peniel Mlapa bringen wird – kein Gedanke an Hanke. Und er tut es, lässt den U21-Nationalspieler zum ersten Mal seit dessen Wechsel aus Hoffenheim länger als ein paar Minütchen ran. Vorher redet Favre dem 21-Jährigen noch so viel Mut zu, dass das, was in der 67. Minute passiert, fast schon folgerichtig erscheint.

Eigentlich macht Mlapa in dieser Szene fast alles falsch. Aber eigentlich soll man das Wort eigentlich auch gar nicht benutzen, weil es eigentlich überflüssig ist. Eigentlich müsste Mlapa eben zu Rupp abspielen, der genau im richtigen Moment startet. Doch Mlapa ist offenbar noch so angefixt von seiner Balleroberung gegen Barton, dass er aus 25 Metern einfach abzieht. Im besten Fall ist dieses Hammertor zum 2:0 exakt 121 Sekunden nach seiner Einwechslung der Beginn einer wunderbaren Karriere, ein echter Mlapaukenschlag. Wenn nicht, dann kann Mlapa später zumindest erzählen, der Gladbacher Europacup-Saison 2012/2013 den ersten magischen Moment verpasst zu haben – zumindest einen, der sportlich auch nach dem Abpfiff von Bedeutung ist.

Die Borussia lebt wieder in Europa. Das muss im Hinblick auf die Bundesliga rein gar nichts bedeuten. Aber immerhin darf nun gerechnet werden: Siege in Marseille und zu Hause gegen Limassol bedeuten definitiv das Weiterkommen. Ein Punkt in Frankreich und der Pflichtdreier gegen die Zyprer sind genug, solange Fenerbahce in Marseille gewinnt. Es sind ganz konkrete und vor allem realistische Rechenspiele, so konkret und realistisch wie ein Ultraschallbild von einem Fötus in der 20. Schwangerschaftswoche.

Kämpfen für den Schrägstrich
Vor dem Spiel ging es im Grunde nur darum, wie hoch die Borussia verliert. Dabei ist es doch vollkommener Blödsinn, sich die erste Europapokal-Saison seit 1996 madig machen zu lassen, nur weil es in der Bundesliga nicht rund läuft. Wer weiß, wann die nächste kommt und wer weiß, wie bitter die Warterei für alle wird, die diesen Herbst nicht in vollen Zügen genießen.

Am Freitagmorgen hat mich der Rückenwind vor den Computer geweht und wie von alleine diverse Flugportale aufgerufen. Dann hat der Rückenwind gesehen, dass es plötzlich Flüge nach Istanbul und zurück für nur 168 Euro gab. Der Rückenwind hat einfach gebucht. Ich wollte die beiden Spiele gegen Marseille abwarten, um auf keinen Fall für ein sportlich wertloses Spiel meine Ersparnisse zu strapazieren. Aber dieser Nikolaustag in der Türkei wird so oder so wegweisend. Entweder geht es darum, sich gebührend vom Europapokal zu verabschieden, weil bis zum nächsten Auftritt unter Umständen wieder 16 Jahre vergehen. Oder aber die Saison 2012 wird um einen Schrägstrich und – noch viel besser – um eine 2013 erweitert. Es wäre lediglich ein kleines Wunder, weil dieser Verein die Latte zwei Jahre lang verdammt hoch gelegt hat.

27. Oktober 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

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