Reif für die Couch

Es gibt inzwischen genügend Gründe, in Weltuntergangsstimmung zu verfallen. Aber man kann es genauso gut auch lassen. Dass die Borussia gegen Bremen in der Abwehr ähnlich verfahren ist, war nicht so schön. Immerhin gibt es glaubhafte Entschuldigungen – man kann sogar darauf sitzen.

Ich war mit diesem Verein inzwischen in der Ukraine und auf Zypern. Doch vor lauter Europapokal und heiler Borussia-Welt habe ich völlig vergessen, wie lange es her ist, dass ich ein Gladbach-Spiel bei meinen Eltern auf der Wohnzimmercouch gesehen habe, dem Synonym für völlig geerdeten Fußball-Konsum. Es war der 15. April 2011, der Tag, an dem der VfL zum bislang letzten Mal aus der Fußball-Bundesliga abstieg. Zumindest fühlte es sich damals so an.

Zum Glück war die Saison 2010/2011 aber eine Spielzeit, in der man während eines Jahres mehrfach ab- und sofort wieder aufsteigen konnte. Nach dem 0:1 in Mainz – André Schürrle traf kurz vor Schluss ins Tor und in zehntausende Herzen – gelang der Borussia schon im nächsten Spiel zu Hause gegen Dortmund der direkte Wiederaufstieg. Und so hält sich der Verein nun seit 18 Monaten ununterbrochen in der ersten Liga. Gefühlte Abstiege: Fehlanzeige.

Ich mag nicht nur meine Eltern, ich mag auch ihr Wohnzimmer. Aber in Bezug auf die Borussia habe ich nicht nur wegen des Mainz-Spiels verdammt schlechte Erinnerungen an diese vier – genau genommen sind es sechs – Wände. Seit einem Auswärtssieg in Bielefeld im November 2008 habe ich 20 Mal dort vor dem Fernseher Platz genommen und dabei 18 Niederlagen erlebt. Einmal gab es ein 0:0 in Karlsruhe, einmal köpfte Dante in der Nachspielzeit das 1:1 in Bremen. Ansonsten war es egal, wo die Borussia wann gegen wen spielte – es setzte mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Niederlage.

Alles für den Klub!
Als ich am Samstagabend auf dem Sofa Platz nehme, ist mir die Tragweite meines Handelns aber nicht so richtig bewusst. Bielefeld 2008, klar! Aber 20 Spiele, 18 Niederlagen? Wie gesagt, es ist lange her, dass ich nicht im Stadion, nicht in Saarbrücken oder völlig verhindert war. Und wenn es um meine verdammten Rituale geht, dreht sich in der Regel auch alles um die Frage, wie man den Erfolg erzwingen kann. Das reine Verhindern von Misserfolg steht selten zur Debatte.

Immerhin ist die Sitzgarnitur inzwischen eine andere. Meine Eltern haben verstanden. Klappt es nicht mehr, sich das Trikot mit Senf zu besudeln – neues Trikot kaufen. Haut das mit den auftauenden Eiswürfeln nicht mehr hin – neuen Kühlschrank kaufen. Hat die grüne Ampel keine Wirkung mehr – neues Auto kaufen (oder neue Ampel). Alles für den Klub!

Die Länderspielpause war wohltuend, weil Gladbach 13 Tage lang ungeschlagen blieb. Nach zuvor sieben Spielen in 23 Tagen ist das zwar nicht verwunderlich, aber dennoch bemerkenswert. Bis Weihnachten gibt es nun maximal fünf Tage Pause. Zum Auftakt dieser rastlosen acht Wochen hat sich Lucien Favre entschlossen, erstmals in dieser Saison nicht die Startformation zu ändern. Das heißt in aller Kürze: Thorben Marx spielt immer noch.

Ein sehr gutes Auswärtsspiel
Die erste halbe Stunde sieht wirklich ordentlich aus. Vergangene Saison hätte man wahrscheinlich gesagt: Joa, ganz nett, da ist aber noch Luft nach oben. So aber steht Max Eberl in der Pause am Spielfeldrand und konstatiert: “Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht.” Sein nächster Satz beginnt mit “aber”. Würde im Wohnzimmer meiner Eltern eine Michael-Frontzeck-Puppe mit Gesangsfunktion stehen, wäre sie in diesem Moment wahrscheinlich angesprungen. Und wäre ich eine Katze, hätte ich mich wohl unter dem Sofa verkrochen.

Den ersten Grund für das Eberl’sche “aber” bringt die 37. Minute. Zuvor hat Havard Nordtveit nach einer Ecke die Latte getroffen. Der Rest ordnete sich unter allen Auswärtsspielen der vergangenen 15 Jahre sicherlich in der oberen Hälfte ein. In der Schlussphase der ersten 45 Minuten vertändelt die Borussia also vorne den Ball. Blitzschnell kontert sich Werder an den Gladbacher Strafraum. Man muss es beinahe nachschlagen, aber der VfL hat sich sein erstes Konter-Gegentor vergangene Saison am 32. Spieltag in Dortmund gefangen. Ich verstehe alte Leute, wenn sie kopfschüttelnd von einer “immer schnelleren Welt” reden.

Martin Stranzl setzt an der linken Strafraumecke zu einer seiner berüchtigten Grätschen an, bei denen er meistens nicht nur dem Gegner, sondern auch sich selbst eine Verletzung zufügt. Es gibt einen Freistoß, aus dem für Bremen ein paar Yards Raumgewinn und damit eine Ecke resultieren. In der Mitte gibt Stranzl Dominguez offenbar Deutsch-Unterricht. Arango hält sich fein raus, weil Fremdsprachen für jemanden, der kaum spricht, genauso sinnvoll sind wie Autos in Millionenmetropolen.

50 Quadratmeter Platz
Das wäre alles noch zu verkraften, weil Nils Petersen trotz einer Zwei-Zimmer-Wohnung Freiraum den Ball nicht wuchtig ins Tor, sondern eher parallel zur Linie köpft. Nur macht Marx, zunächst noch auf jener nicht unwichtigen Linie stehend, einen Schritt nach links. Das bedeutet in diesem Fall: ins Tor, wohin ihm der Ball brav folgt. Werder führt 1:0, dabei hatte doch nicht nur Sportdirektor Eberl bis dahin “ein sehr gutes Auswärtsspiel” gesehen. Wo Frontzeck wohl geguckt hat?

In der Folge ist die Mannschaft wieder völlig verunsichert. Tony Jantschke spielt grausame Fehlpässe im Minutentakt. Nordtveit steckt all das Grauen in einen einzigen Rückpass, den Marc-André ter Stegen gerade noch entschärft. Ich habe kaum Zeit, mich ernsthaft mit meiner Mutter zu streiten, da fällt schon das 2:0 für Werder. Aaron Hunt schickt Marko Arnautovic auf die Reise, der locker über ter Stegen hinweg ins Tor lupft. Es ist das erste Bundesliga-Tor des Österreichers seit sieben Monaten. Binnen wenigen Minuten verkommt “ein sehr gutes Auswärtsspiel” zu einer Blitz-Karikatur der vergangenen 15 Jahre (minus eins).

Favre wechselt zur Halbzeit Patrick Herrmann ein. Bevor ich es vergesse, weil die zweite Hälfte keinen Anlass bietet, näher auf Herrmann einzugehen: Der 21-Jährige steht immer mehr stellvertretend für die Frage, ob der Erfolg der vergangenen Saison nicht nur ein ausgedehnter Lauf zwischen dem 11. und 22. Spieltag gewesen ist, als die Borussia 29 Zähler in zwölf Partien holte und Herrmann neben fünf Toren noch acht Assists beisteuerte. Denn im Weserstadion ist rein gar nichts von ihm zu sehen.

Wintersemester 2011/2012
Was war denn wirklich überragend, bevor dieser Lauf losging und nachdem Herrmann sich in Kaiserslautern das Schlüsselbein brach? Davor war Gladbach die Binärcode-Borussia, die zum Glück (und manchmal auch durch Glück) häufiger 1:0 gewann als verlor. Danach gab es noch genau fünf Siege aus 20 Bundesliga-Spielen. War dieses zauberhafte und wundersame Wintersemester 2011/2012 etwa nur eine Laune dieses Sports, in dem deutlich unterlegene Schweden in weniger als einer halben Stunde aus einem 0:4 ein 4:4 machen können?

Jetzt bin ich zwar mächtig abgedriftet von diesem Fußballspiel in Bremen. Aber in diesen Wochen scheint es bei der Borussia ja um mehr zu gehen als um reine Resultate. Von Spiel zu Spiel denken? “Am Arsch geleckt!”, würde Bruno Labbadia sagen. Von der Pause bis zum Abpfiff gedacht, bringen die zweiten 45 Minuten im Weserstadion noch viel mehr Unheil.

Der VfL fällt auswärts zum zweiten Mal in Folge auseinander. Inzwischen ist es wieder so weit, dass ter Stegen keine zwei Gegentore pro Spiel kassiert – es sind leider noch mehr. Das 0:3, das erst eine Viertelstunde vor Schluss die endgültige Entscheidung bringt, ist viel zu grausam, um es von vorne bis hinten zu beschreiben. Aber wenn ein Faust-Eigentor von Logan Bailly der Maßstab ist, muss man da zweifellos durch.

Bloß nicht zurückschauen
Stranzl spielt einen Zehn-Meter-Pass in der gegnerischen Hälfte nur einen Tick zu hart. Nordtveit bringt das aber völlig aus dem Konzept, als habe man ihm die Knie zusammengetackert. Als Stranzl lossprintet, um die Lücke in der Viererkette zu schließen, ist Arnautovic bereits so viel schneller unterwegs, dass er nicht mehr einzuholen ist. Netterweise wartet der Österreicher im Strafraum auf seinen Landsmann, übernimmt sogar kurz dessen Job als Deutsch-Lehrer für Dominguez.

Doch Stranzl, inzwischen hinten angekommen, fällt auf den billigen Enkeltrick herein. Unbeeindruckt von all der fußballerischen Kleinkriminalität hat sich der eingewechselte Füllkrug am zweiten Pfosten positioniert und schiebt ein zum 3:0. Filip Daems hat es geschafft, 50 Meter zu sprint-traben, ohne sich einmal umzusehen. Es gibt keine Liga in keinem Land der Welt, in der die Kuhhäute groß genug sind, so dass der ganze Wahnsinn darauf Platz findet.

An dieser Stelle müsste es doch reichen. Sogar Günter Perl, der zuvor schon zweimal einen Drei-Tore-Sieg von Werder gegen Gladbach gepfiffen hatte, ist zu seinem Recht gekommen. Aber dann schlägt Mehmet Ekici eine Ecke herein, Mike Hanke köpft sie genau vor die Füße von Zlatko Junuzovic. Wenigstens ist das Sofa, in dem ich versinke, nagelneu. Aber der Wohnzimmerfluch ist definitiv nicht mit der alten Couchgarnitur auf dem Sperrmüll gelandet.

Gegen den Fluch
21 Spiele, zwei Unentschieden, 19 Niederlagen – das ist so schlecht, das geht eigentlich gar nicht. Klar, es waren allesamt Auswärtsspiele und die Borussia in den vergangenen vier Jahren in der Fremde nur selten eine Macht. Aber nur zum Vergleich: Im selben Zeitraum habe ich 34 Auswärtsspiele gesehen, 15 davon gewonnen, neun Unentschieden und zehn Niederlagen erlebt. Mit diesen 54 Punkten landet man in den meisten Jahren im Europapokal.

Und falls sich jetzt jemand fragt: Muss er denn bald wieder zu Hause im Wohnzimmer gucken? Ja, wahrscheinlich am 25. November gegen Augsburg. Aber das wird wohl auf eine Einladung an meine Eltern und meinen Bruder hinauslaufen, zu mir in die WG zu kommen. Meine Gladbach-Bilanz in allen WGs der Welt: Sechs Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen. Das klingt schwer nach einem Plan.

Als ich diesen Text begonnen habe, hatte ich gerade keine Rituale und mein Aberglaube war etwas eingeschlafen. Eine Lösung für alle Probleme habe ich aber auch nicht gefunden. Alle fragen, was los ist bei der Borussia, und sind dabei nicht einmal hämisch. An der Stelle wird es immer gefährlich. Zum Glück habe ich ja meine Freunde, die mein Inventar um einen Einrichtungsgegenstand erweitert haben. Die Rote Laterne ist zurück, nach fast auf den Tag genau eineinhalb Jahren.

Niemand weiß nichts
Ich weiß, Letzter ist die Borussia nicht. Als die Laterne zuletzt monatelang in meiner Wohnung stand, sah das anders aus. Nun steht sie wieder auf dem Regal, weil sich in meinem Freundeskreis keine Hoffenheim-, Nürnberg-, Augsburg-, Fürth- und Wolfsburg-Fans befinden (was meinen Freundeskreis auf jeden Fall ehrt). Platz 13 ist trotzdem kurz vor Keller. Montagabend wollte ich das Drei-Euro-Ding von Ikea anzünden, fand aber nirgendwo ein Feuerzeug.

Kurioserweise fielen zwischen die beiden Laternen-Besuche die besten 18 Monate meines – und sicherlich nicht nur meines – Fanlebens. Wo wir gerade beim fröhlichen Serien-Aufzählen sind: 57 Pflichtspiele, 29 Siege, 14 Unentschieden, 14 Niederlagen in fünf verschiedenen Wettbewerben.

Dennoch darf niemand so tun, als wisse er ganz genau, wie es nun weitergeht. Ganz drastisch ausgedrückt, bin ich davon überzeugt, dass die Borussia sowohl absteigen als auch in der Rückrunde noch in Richtung Europapokal durchstarten kann. Und dafür müsste sie auf beiden Seiten der Wunder-Skala nicht einmal neue persönliche Bestleistungen aufstellen.

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sich Wut und Gelassenheit bei mir immer noch die Waage halten. Alles andere wäre doch unglaubwürdig und übertrieben. Ich kann mich doch nicht über Leute aufregen, die bei 20 Grad ihre Winterjacke tragen, nur weil es Ende Oktober ist, und gleichzeitig bei neun Punkten aus acht Spielen die Welt untergehen lassen. Die Champions League ist punktemäßig genauso nah wie der Relegationsplatz. Noch nie in 50 Jahren Bundesliga hatte der Vierte nach dem 8. Spieltag so wenige Punkte. Ich kann doch auch nichts dafür, dass dieser Sport so bescheuert ist.

24. Oktober 2012 von Jannik Sorgatz
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Ohne Frankfurt wär’n wir gar nicht hier!

Hätte die Borussia sich erinnert, wie einfach Gewinnen ist, wären seit dem 2:1 in Kiew womöglich nicht 39 Tage vergangen. Doch es ist ihr früh genug wieder eingefallen. Unterm Strich steht die erste Niederlage für Überflieger Frankfurt zu Buche. Und Gladbach beschert sich eine ruhige Länderspielpause.

Verlieren ist wie Fahrradfahren. Dass ich mich schneller wieder an die Krise gewöhnt habe als an den Höhenflug der vergangenen Saison, glauben mir wahrscheinlich nur Gladbach-Fans. Und selbst von denen werden noch einige widersprechen. Nämlich all jene, für die Verlieren nach dem Ende der glorreichen 70er niemals ein immer einkalkuliertes Übel war.

Dementsprechend bin ich wenig optimistisch, als ich am Sonntagmittag in den Zug von Dortmund nach Mönchengladbach steige. Aber sieben Spiele ohne Sieg waren noch nie ein Grund, von Kopf bis Fuß Trübsal zu blasen. Die Borussia hat lediglich wieder die Umlaufbahn betreten, auf der sie von 1996 bis 2011 gekreist ist. So fühlt es sich für mich an. Aber das könnte auch einfach so ein Generationending sein.

“Weißte was…?”
Freitagabend habe ich mir tatsächlich Häme von einem Frankfurt-Fan anhören müssen. Sein einziger Besuch im Borussia-Park: beim 0:4 in der Saison 2010/2011. “Weißte was?”, habe ich nur trocken entgegnet, “am Saisonende konnte ich mit der Klatsche ziemlich gut leben.” Es ist immer wieder schön, zu beobachten, wie viele Fans vieler Vereine auf der Erfolgswelle die Bodenhaftung verlieren. Auch Gladbach ist davon nicht verschont, lediglich die Zahlen hinter “viele” variieren. In Frankfurt genügen 16 Punkte aus den ersten sechs Spielen nach dem Wiederaufstieg allemal.

Noch hat sich die Euphoriebremse namens Krise nicht auf den Zuschauerandrang ausgewirkt. 51.193 sind es gegen die Eintracht. Das macht bislang 49.942 im Schnitt, wobei das Mittwochspiel gegen den Hamburger SV die Zahl noch deutlich drückt. So richtig lässt es sich erst sagen, wenn die Mannschaft in den kalten Monaten auf Platz zwölf rumdümpelt. Aber bis hierhin ist die Freude am Verein ungebrochen. Die paar Schrammen lassen sich verkraften.

In der Startelf hat Lucien Favre drei Änderungen vorgenommen. Tony Jantschke spielt wieder rechter Außenverteidiger, dafür rückt Havard Nordtveit auf die Sechserposition. Zu Tolga Cigerci schreibt der Kicker, dass er “passen musste” – weiß nicht, ob die Doppeldeutigkeit Absicht war. Alvaro Dominguez löst Roel Brouwers in der Rotationsschleife ab und auf rechts feiert Lukas Rupp sein Startelf-Debüt in der Bundesliga anstelle von Alexander Ring.

Gar nicht so viel rotiert
Nun kann man beklagen, Favre habe seine erste Elf noch immer nicht gefunden. Längst ist aber klar, dass er es weder muss noch wird. Die Stützen, die ihm aus dem vergangenen Jahr geblieben sind, haben an nichts eingebüßt. Viel eher verblüfft es mich, dass in der Bundesliga gleich sechs Spieler immer in der Startelf standen. Mit Granit Xhaka ist nur ein Neuzugang dabei. Zudem war Martin Stranzl einmal gesperrt und Luuk de Jong einmal verletzt. Bis auf die Nummer von Nikosia war Favre in Sachen Rotation geradezu zurückhaltend.

Einer, der auf Zypern schmerzlich vermisst wurde, eröffnet das Spiel in der 8. Minute. Doch ein Juan Arango ist rein fußballerisch nicht für leise Töne zu haben. Der Mann kann nur Sinfonieorchester oder Stadionrock für 50.000. Und manchmal spielt er auch mit einem Drumstick Kontrabass. Wie eben in dieser 8. Minute, als Frankfurts Olivier Occean ein fürchterlicher Ballverlust unterläuft.

Aus irgendeinem Grund denke ich wieder, es sei abgepfiffen. Schon gegen Fenerbahce war zweifelnde Freude nur halbe Freude, weil der Schiedsrichter so merkwürdig mit ausgestrecktem Arm auf die Jubeltraube um de Jong zuging. Diesmal ist es die Passivität der Frankfurter, die mich stutzig macht. Man kann in einem Zweitligajahr viel versäumen, aber doch nicht, Juan Arango auf die Liste der Spieler zu setzen, die man auch aus 33 Metern nicht schießen lassen darf.

18-mal Schönheit
Und so tut er es einfach. Arango schießt, Infos über den Fuß sind überflüssig. Der Ball verschwindet kurz im Sonnendunst unter dem Tribünendach. Dass dem Jahrhundertfußballer Venezuelas da gerade eines der schönsten Tore gelingt, seit er für die Borussia spielt, wird mir erst klar, als der Ball wieder auftaucht, gegen die Unterlatte klatscht und das Tornetz streift. Falls ich irgendwann in meinem Leben einmal ein perfektes frühes Tor malen sollte, wird es dieses sein.

Man täte ja so vielen seiner 18 Pflichtspieltore unrecht, wenn man dieses Ding nun als schönstes Arango-Tor im Gladbach-Trikot bezeichnen würde. Da sind schließlich allein sechs direkt verwandelte Freistöße. Hinzu kommen dieses wahnsinnige Außenrist-Ding vergangene Saison gegen Werder und das noch viel wahnsinnigere Außenrist-Ding in Kaiserslautern. Für Arango müsste eine Sportart erfunden werden, bei der die Spieler ausschließlich mit links aus der Distanz schießen dürfen. Ein Torwart kann sich aussuchen, ob er sich das antun will.

Wer nun ruft: “Tjaha, ein bisschen Glück gehört eben auch dazu!”, der hat die 18. Minute noch nicht gesehen. Marc-André ter Stegen leistet sich einen Bock, wie man ihn in dessen zweitem Bundesligajahr auch von Manuel Neuer desöfteren gesehen hat. Doch Occean vergeigt die Szene dermaßen, dass sich alle Welt im Nachhinein fast noch mehr fragt, was dem Kanadier da durch den Kopf gegangen ist. Alex Meier kann das Nicht-Tor des Tages nicht verhindern, weil er Abseits steht. Wer so viel Glück wie in dieser Szene hat, steht normalerweise nicht in der zweiten Tabellenhälfte.

Erstmal klarkommen
Nach nicht einmal einer halben Stunde spielt Nordtveit einen Pass vom Favre-Index. Carlos Zambrano leistet sich einen Stellungsfehler, wie er überall auf der Welt auf dem Index steht. So wunderschöne Dropkicks wie von de Jong sind dagegen immer gerne gesehen. Zweimal setzt der Ball auf, dann knallt ihn der Niederländer mit links in die rechte Ecke. Und wieder kann ich nur sagen: Wenn er das 15-mal pro Saison macht, sei ihm jeder Anflug Kahê’scher Ballverarbeitung sowas von verziehen.

Und plötzlich führt die Borussia 2:0. Das gab es bislang für wenige Sekunden beim Pokalspiel in Aachen und nur für wenige Minuten in Kiew. Knapp 50.000 Borussen werden also Zeuge eines absolut seltenen Ereignisses und trotzdem tanzt niemand nackt in der Kurve. Darauf muss man ja auch erst einmal klarkommen. “Für ein Heimspiel seid ihr ganz schön laut!”, ironisiert der Gästeblock. Knapp 17 Monate nachdem die Eintracht eine Acht-Punkte-Rückrunde vollendete und die Borussia dafür in die Relegation durfte, will ich zurückrufen: “Ohne Frankfurt wär’n wir gar nicht hier!”

In der Folge hat es den Anschein, Favre hätte auf einer Serviette einen Nichtangriffspakt unterzeichnet. Die Eintracht darf kommen, tut es aber nicht. Das kennt man sonst nur von der Bahn. Stattdessen ist die Borussia ohne größeren Aufwand noch zweimal dem 3:0 ganz nah. Erst wird Rupp zu Recht aus dem Abseits zurückgepfiffen, dann fällt Xhaka der Ball kurz vor der Pause eigentlich perfekt auf den Kopf. Aber das Wörtchen “eigentlich” gibt es ja eigentlich gar nicht.

1042 Zeichen für ein halbes Eigentor
Der Spielbericht auf kicker.de ist meist ein guter Indikator, um auf die Klasse und die Intensität eines Spiel zu schließen. Drei Absätze oder auch 163 Wörter oder auch 1042 Zeichen genügen dem Sportmagazin, um die zweite Halbzeit zusammenzufassen. Dem dritten Tor des Spiels am nächsten kommt Jantschke, als er ter Stegen mit einem Rückpass-Aufsetzer aus 30 Metern testet.

Nach dem Spiel regt sich Frankfurts Trainer Armin Veh auf, dass sich eine Heimmannschaft gegen einen Aufsteiger 60 Minuten lang hinten reinstellt. Gleichzeitig stellt er aber fest, dass es wohl das probate Mittel war. Vielleicht ist das etwas, was die Borussia aus den ersten vier Europacupspielen mitgenommen hat: Unbequem sein, die Räume enger machen, bei Freistößen auch mal den Ball blockieren, ein klein wenig provozieren, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. In der 70. Minute lässt sich Xhaka 30 Sekunden Zeit, um vom Platz zu traben. Diese Langsamkeit bei Auswechslungen war zuletzt so selten, dass man sie jetzt schon genießen muss.

Es gibt Siege, die sind glücklich, ja sogar unverdient. Dieser ist es mit Sicherheit nicht. Gladbach hat ein spektakuläres und ein schönes Tor geschossen. Ansonsten galt es, hinten alles dafür zu tun, dass sich zu neun Gegentoren in gut einer Woche kein weiteres gesellt. Hätte die Eintracht nach diesem Saisonauftakt auf die gleich Weise gewonnen, hätte sie sich vielleicht ansatzweise rechtfertigen müssen. Nicht aber der VfL nach sieben Pflichtspielen ohne Sieg.

Sprachliche Feinheiten
Wenn Lucien Favre die Worte “sehr, sehr schwer” benutzt, spricht er meistens über die Zukunft. Diesmal darf er den Konjunktiv II benutzen und es tut einfach nur gut: “Es wäre sehr, sehr schwer geworden” – ohne diesen Sieg vor der Länderspielpause. Nun aber ist der völlige Bundesliga-Fehlstart abgewendet. Überhaupt hat Gladbach seit 1996 nur dreimal mehr als neun Punkte aus den ersten sieben Spielen geholt. 2005 rutschte die Mannschaft noch auf Platz zehn ab, 2006 folgte auf vier Siege aus den ersten sieben Spielen der Abstieg. Und was vor genau einem Jahr passiert ist, hat sich ohnehin auf einem anderen Planeten abgespielt.

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PS: Ganze drei Bundesliga- und zwei Europa-League-Spiele habe ich noch nicht verarbeitet – zumindest nicht textlich. Das wird ab jetzt stetig nachgeholt. Ich bin lediglich mit dem aktuellsten Spiel eingestiegen, weil ich dieser kleinen Zwangspause sonst noch bis Weihnachten hinterherschrieben hätte. Aber manchmal ist eine Länderspielpause auch für so etwas gut.

09. Oktober 2012 von Jannik Sorgatz
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Entscheidend is auch auf ander’n Plätzen

Es war ein Abenteuer, es war großartig auf Zypern – daran konnte auch ein verschossener Elfmeter in der 98. Minute nichts ändern. Jetzt ist dieses 0:0 gegen Limassol bereits das vorletzte Spiel der Borussia. In Leverkusen gab es ein 1:1, bei dem das Aluminium alles versucht hat, sich mit dem VfL zu versöhnen.

Leider muss ich euch noch vertrösten, was die Berichte über beide Spiele sowie das am Mittwoch gegen Hamburg angeht. Ich habe diese Woche meinen Umzug zu stemmen und der Terminkalender ist auch ansonsten pickepackevoll. Deshalb wird vor kommendem Sonntag nichts fertig werden. Und Samstag steht ja auch schon wieder ein Spiel an in der Stadt, in die ich am Freitag ziehen werde.

Bis dahin hoffe ich, dass das folgende Video ein Trost sein kann. “Fokus Fußball” ist ein Projekt von Jens Peters (Leverkusen-Blogger) und Klaas Reese (Hannover-Blogger), die dort in den vergangenen Wochen allerhand ausprobieren. Ihre neueste Idee ist eine Art Live-Video-Podcast, der über die Google-Anwendung Hangout in Echtzeit auf YouTube ausgestrahlt wird. Weil es an dieses eine Medium da erinnert, nennen sie es “Fokus Fußball Fernsehen”. In der Premierensendung habe ich mich mit den beiden und Stuttgart-Blogger Philipp Maisel über die Europa League unterhalten – 77 Minuten lang. Schaut mal rein!

24. September 2012 von Jannik Sorgatz
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Verdient, aber unverdient

Bei der Pleite gegen Nürnberg kam vieles zusammen. Während die Mannschaft nach dem Umbruch noch nicht im Gleichgewicht ist, hielten sich wenigstens Pech und Unvermögen die Waage. Aber alle Probleme, die den VfL derzeit plagen, dürften lösbar sein. Und wenn nicht, dann ist es das größte Problem, dass ich dennoch fest daran glaube.

Jetzt müssen alle Traumdeuter bitte gut aufpassen. Ich war nämlich schon wieder in Kiew. Allerdings habe ich diesmal im Bett gelegen und geschlafen. Dennoch war es im Traum verdammt real, aber nicht annähernd so friedlich und harmonisch wie beim Ausflug Ende August.

Das Spiel fand in einer alten sowjetischen Betonschüssel statt. Ein Teil der Tribüne war sogar gesperrt, weil alles noch viel, viel maroder war als die Toiletten im Kiewer Shevchenko-Park. Wenigstens war dieser Traum geruchlos. Noch vor dem Anpfiff knirschte es in ein paar Metern Entfernung so gewaltig, als würde sich ein Elefant durchs Laub wälzen. Plötzlich knickte das Tribünendach ab und stürzte in den abgesperrten Stadionbereich. Was war denn da los?

Zudem hielt sich die Gastfreundschaft der Ukrainer diesmal in Grenzen. Was sie während des Spiels an pyrotechnischem Material abfeuerten, stand einer militärischen Luft- und Bodenoffensive in nichts nach. Wir selbst konnten wenig sehen, weil unsere Plätze nicht mit Sichtbehinderung, sondern sogar mit -verhinderung ausgestattet waren.

Was will mein Kopf mir sagen?
Das Spiel plätscherte so dahin und konnte den spektakulären Ereignissen abseits des Platzes nicht annähernd standhalten. Kiew ging früh in Führung, dann passierte zumindest in meinem Traum rein gar nichts mehr. Kurz vor Schluss gab es nur noch die Riesenchance zum Ausgleich: Mario Götze traf aus fünf Metern das leere Tor nicht. Richtig, Mario Götze. Was mir die fürs Träumen zuständige Hirnregion mitteilen will, indem sie mich zu einem Auswärtsspiel des BVB in die Ukraine schickt, habe ich mich nach dem Aufwachen auch gefragt. Lediglich das Ergebnis war wenig überraschend.

Aber ansonsten ist alles in Ordnung. Früher waren Länderspielpausen im Vergleich zum tristen Gladbacher Bundesligaalltag Thermalbad-Besuche mit Rundumversorgung im Wellnessbereich. Inzwischen ist das Wasser aber dauernd zu kalt und in der Sauna trifft man ständig alte Oberstufenlehrer. Am Samstagmorgen, ein paar Stunden vor dem Anpfiff gegen den 1. FC Nürnberg, kommt es mir vor, als sei ich sechs Wochen lang nicht im Stadion gewesen. Ich bin völlig unterspielt.

Aber sieben Spiele in 23 Tagen werden schon dafür sorgen, dass die nächste Länderspielpause Mitte Oktober dann doch wieder für ein wenig Entspannung sorgt. “Generalprobe” werden Partien wie die gegen den Club aus dem Frankenland gerne genannt. Davon halte ich relativ wenig. Ich vergleiche ja auch nicht meine Fahrt mit dem Shuttle-Bus vom Gladbacher Hauptbahnhof zum Borussia-Park mit einem vierstündigen Lufthansaflug von Frankfurt nach Larnaca.

Was die erste halbe Stunde betrifft, gleicht dennoch vieles einem Streik des Bordpersonals. Das Hin- und Hergeschiebe wäre allenfalls wohltuend, wenn die Borussia zuletzt sechsmal gegen den FC Barcelona gespielt hätte und dabei insgesamt nur siebenmal an den Ball gekommen wäre. So aber ist es einfach nur langweilig und ungefährlich, was vor allem Havard Nordtveit, Granit Xhaka und Tolga Cigerci im Zentrum veranstalten.

Serienbündelriss
Nun hat Gladbach in einem Bundesliga-Heimspiel zuletzt im Dezember 2011 ein Gegentor in der ersten Halbzeit kassiert. Der uninspirierte Fußball müsste also genügen, um nach der Pause beim Stand von 0:0 endlich richtig loszulegen. Allerdings hat die Borussia in sieben von zehn Heimspielen seit jenem 1:1 gegen Borussia Dortmund vor neun Monaten nach 45 Minuten geführt. Doch schon nach 17 Minuten bricht ihr diese Basis weg.

Tony Jantschke hat auf der Außenbahn gefoult. Den Freistoß für Nürnberg bringt Hiroshi Kiyotake herein. In der Mitte kommt Timm Klose nur noch leicht an den Ball, weil er sich gegenüber der Haarschneide-Zunft zuletzt nicht ganz so solidarisch gezeigt hat. Der Anzeigetafel im Borussia-Park dürfte es letztendlich egal sein, wen sie als gegnerischen Torschützen anzeigen muss – sie tut es nur nicht sonderlich gern.

Nach zehn Spielen darf jede Serie reißen. Dabei muss sie aber nicht gleich eine zweite mitreißen, so dass das ganze zum Serienbündelriss mutiert. Nur acht Minuten nach dem Nürnberger Führungstreffer – Nennenswertes ist in der Zwischenzeit nicht passiert – bringt Kiyotake eine Ecke herein. Diesmal wird wenigstens deutlich, wie die Zuordnung bei Standards aussehen sollte. Timmy Simons hindert das jedoch nicht daran, eingeengt zwischen Martin Stranzl und Alvaro Dominguez mit Leichtigkeit eine Etage höher zu springen. Gladbach liegt 0:2 hinten, Marc-André ter Stegen frisst vor Wut beinahe die Torkamera auf. Zuletzt lag der VfL so früh mit zwei Toren zurück, als das Torwartduell noch Logan Bailly gegen Christofer Heimeroth hieß. Klingt, als seien seitdem 17 Jahren vergangen. Es sind aber fast genau zwei: 23. Oktober 2010, Heimspiel gegen Werder Bremen.

Arango und ein paar Ausrutscher
Borussias Standard-Problem ist mittlerweile ein Standardproblem. Vorne hat die Mannschaft von Lucien Favre zwar bereits per direktem und indirektem Freistoß sowie nach einer Ecke getroffen. Angesichts der ansonsten schwachen Standards – abgesehen von Arangos Wunderdingern – wirkt diese positive Bilanz jedoch wie ein Ausrutscher. Hinten resultierten im Heimspiel gegen Kiew ebenfalls zwei Gegentore aus ruhenden Bällen. Eines ist die Art und Weise, wie die Borussia gegen Nürnberg binnen 25 Minuten zwei Gegentore kassiert: konsequent.

Es hat aber auch keinen Zweck, jedesmal in Untergangsstimmung zu verfallen, wenn ein Naturgesetz aus der Wundersaison 2011/2012 den Geist aufgibt. Womöglich wird es sich sogar noch als besonders hilfreich erweisen, wenn allen Beteiligten möglichst drastisch klargemacht wird, dass auf fast alles, was vergangenes Jahr nach gegolten hat, kein Verlass mehr ist.

Und so ist es erst einmal ein positives Zeichen, dass die Mannschaft nach dem 0:2 nicht lange hadert. Plötzlich geht es schnell nach vorne, zwar nicht in die Spitze, aber vermeintliche Umwege über die Flügel sind ja mehr als erwünscht. Besonders Patrick Herrmann kommt diese Spielweise zugute. Auch Granit Xhaka spielt befreiter, nachdem er von der Sechser- auf die Zehnerposition gerückt ist.

Herrmann besinnt sich auf seine Wurzeln
Fast folgerichtig kommt Luuk de Jong seinem ersten Tor für die Borussia in der 37. Minute so nah wie nie zuvor. Pech dürfte die einzige Erklärung sein, warum er das Bein von Torwart Raphael Schäfer trifft und der Ball von dort an den Pfosten springt. Herrmann hatte geflankt. Und vielleicht erinnert sich ja noch jemand, auf welche Weise der 21-Jährige vor fast drei Jahren sein Bundesligadebüt feierte: Gegen Bochum wurde er eingewechselt für Filip Daems und bereitete sofort – noch mit dessen Kapitänsbinde in der Hand – mit einer schönen Flanke den Anschlusstreffer vor.

In der Nachspielzeit der ersten Hälfte geht es nicht hoch, sondern quer über Herrmann. Von Xhaka schön in Szene gesetzt, schiebt er den Ball rüber zu de Jong, der gerade so hinter der Abseitslinie steht und zum 1:2 trifft. Wenigstens einen Serienriss erspart sich die Mannschaft: Das Auswärtsspiel in Wolfsburg vor anderthalb Jahren bleibt weiterhin das letzte, in dem die Borussia zur Pause mit zwei Toren zurücklag.

Unter den 52.000 Zuschauern ist niemand so richtig unruhig geworden. Dabei ist die Zeit nach dem Umbruch für jeden eine Herausforderung, unabhängig von der Frequenz seiner Stadionbesuche. An Misserfolg gewöhnt man sich niemals richtig, Erfolg wird dagegen ganz schnell Alltag. Und so hätte ich es sowohl 2010 als auch 2011 und 2012 gehasst, zur Pause einem Rückstand gegen den 1. FC Nürnberg hinterherzulaufen.

Japan-Tag
Als die Mannschaften aus der Kabine zurück sind, hält ter Stegen seinen gefühlt ersten Ball der Saison (abgesehen von einem Elfmeter gegen so ein ewiges Talent von einem spanischen Nischenverein). Wieder ist es Kiyotake, der für Unruhe sorgt. Alle Vereine springen erfolgreich auf den Japaner-Zug auf, nur Ex-Borusse Yuki Otsu räumt inzwischen bei den “Zwei Brüdern” in Venlo XXL-Frikandel-Packungen in die Tiefkühltruhe.

In der 53. Minute ist es zur Abwechslung die Nürnberger Hintermannschaft, die im Geiste einen kollektiven Wochenendausflug unternimmt. Herrmann muss sich nicht einmal sonderlich anstrengen, um mit Tempo in den Strafraum zu ziehen. Sein Rückpass auf Xhaka mit dem Außenrist ist ziemlich lässig. Der Abschluss des Schweizers nicht, aber vielleicht trifft er gerade deshalb zum 2:2. Wenn Maccambes Younga-Mouhani in seinen zwei Bundesligaspielen für Gladbach getroffen hätte, wäre das Torschützen-Alphabet des VfL nun komplett. Jetzt bleibt alles an Amin Younes hängen.

Seit dem Wiederaufstieg 2008 hatte die Borussia erst zweimal einen Zwei-Tore-Rückstand noch ausgeglichen – beide Male gegen den FC Bayern. Es ist und bleibt ein Tag der reißenden Serien. “Ich will uns ja nicht unter Druck setzen”, sage ich zu meiner Mutter, “aber jetzt müssen wir das Spiel auch gewinnen.” Sekunden später spielt Stranzl einem Nürnberger den Ball ohne Not in die Füße. Wieder ist Kiyotake da. Mir fällt gerade kein japanischer Volkstanz ein, aber vielleicht erfindet der kleine Mann auch einen, als er alle schwindelig spielt und zum Abschluss Dominguez den Ball durch die Beine schießt.

Fussballdaten.de kollabiert
Wahrscheinlich ist nach einer knappen Stunde die bekannteste aller Serien gerissen, seit Lucien Favre Trainer in Gladbach ist: Noch nie hat seine Mannschaft unter ihm in der Bundesliga drei Tore kassiert. Darauf muss man erst einmal klar kommen. Wahrscheinlich gehen die Zugriffszahlen von fussballdaten.de in den kommenden Monaten dramatisch zurück, weil es keinen Grund mehr gibt, mich durch die Saison zu klicken, um herauszufinden, wann dies oder das zum letzten Mal passiert ist.

Als erster Joker kommt Mike Hanke für Nordtveit. Unter der Woche hat einer der Helden der vergangenen Saison – und das Wort “Held” haue ich wirklich nicht oft in die Tastatur – ein wenig gestänkert. In sechs Pflichtspielen ist Hanke viermal nur eingewechselt worden und hat zweimal von Beginn an gespielt. Ihm scheint die Rolle als zwölfter Mann im Kader weder zu liegen noch zu gefallen. Doch Hanke muss langsam kapieren, dass die Saison 2011/2012 vorbei ist und nicht so schnell wiederkommen wird – geschweige denn Marco Reus. Die berühmte “Antwort auf dem Platz” bleibt Hanke in 25 Minuten schuldig.

Vieles ist bei der Borussia momentan noch mit den Vorsilben Fast- und Beinahe- versehen. Da passt es, dass Luuk de Jong mit einem Fast-Tor des Monats beinahe noch für den Ausgleich sorgt. Zuvor war er bei einem Konter nicht schnell genug gewesen, hatte aber offenbar selbst nicht gemerkt, dass es genügt hätte, den Ball sauber mitzunehmen. Stattdessen legte ihn sich der Niederländer zu weit vor.

Mit Standbild und Geodreieck
Aber zurück zur spektakulärsten Szene dieses Spiels. Von rechts bringt Tony Jantschke ausnahmsweise eine vernünftige Flanke in die Mitte. De Jong steigt hoch, schnell ist sein Fuß über seinem Kopf. Für mich ist es ein Fallrückzieher, andere sprechen von einem Seitfallzieher. So genau ließe sich das nur mit Standbild und Geodreieck klären. Ist der Winkel zwischen Bein und Boden größer als 45 Grad? Fest steht: De Jongs Fallseitrückfallzieher klatscht an den Pfosten. Daran könnte der 22-Jährige verzweifeln, aber hoffentlich hat er nicht vor, genau das zu tun. Denn der teuerste Neueinkauf der Vereinsgeschichte ist angekommen, die Mannschaft – insbesondere Patrick Herrmann – hat ihre Spielweise de Jongs Bedürfnissen erstmals angepasst. Die Niederlage könnte ein Opfer gewesen sein, das sich im Nachhinein noch lohnt.

In den letzten Minuten gerate ich seit Ewigkeiten mal wieder verbal mit meiner Mutter aneinander, deren Frust mir etwas zu sehr in Außer-Favre-könnt-ihr-alle-gehen-Bereiche abdriftet. Doch auch das ist schnell gegessen. Die Emotionen gehören eben dazu. Der Europapokal sorgt ohnehin dafür, dass Frust mindestens bis Weihnachten eine viel kürzere Halbwertszeit hat. Früher dauerte es zwei Tage, bis der Ärger nur noch halb so groß war. Mittlerweile genügt einer. Stand Montagmittag bin ich also bereits bei einem Frustlevel von 25 Prozent angelangt. Am Mittwoch werde ich mich am Strand von Larnaca auf Zypern kaum noch an Nürnberg erinnern können.

Es ist ja nicht so, dass die Mannschaft nach solch einem Spiel schulterzuckend auf dem Rasen steht. Erst Recht liegt sie nicht am Boden. Die Fehler sind so offensichtlich, die Klasse ist so groß, dass all das Negative schon bald abgestellt sein sollte. Ich gönne mir einfach mal die Naivität, davon auszugehen, dass Gladbach bis Weihnachten in keinem weiteren Spiel zwei Gegentore nach Standards kassieren wird. Und individuelle Fehler wie der von Martin Stranzl vor dem 2:3 lassen sich wahrscheinlich mit einem “Lass’ es doch einfach sein” abstellen. Wie leicht oder schwer dieses Unterfangen wird, lässt sich aber weder heute noch morgen abschließend bewerten. Die Pleite gegen den Club war unverdient, aber irgendwie auch verdient.

Momentan betrachte ich die Doppelbelastung noch als Segen, weil die Mannschaft alle vier Tage zeigen kann, ob sie dazugelernt hat. Die Meinung könnte sich aber schon am Sonntag  in Leverkusen ändern, falls die Spieler nach dem 5500-Kilometer-Trip nach Zypern wie verkaterte Jugendliche über den Platz laufen – und außer Erfahrund nicht dazugewonnen haben. Dagegen habe ich es ja leicht mit meinem Fan-Triathlon: Fliegen, am Strand liegen, Fußball gucken. Falls ich mal einnicke, werde ich selbst einen Kiew-Albtraum gelassen hinnehmen.

 

 

 

 

17. September 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , , | 8 Kommentare

C wie Champions League

Bis in die Weihnachtszeit werden die Borussen nicht zur Ruhe kommen. Während die Mannschaft von Hochzeit zu Hochzeit tanzt, stecken die Fans in teils kuriosen Reiseplanungen. Aber wir haben es so gewollt. Da handelt man selbst das erste Derby gegen Düsseldorf eher im Vorbeigehen ab.

Alle sprechen von der Doppelbelastung aus Bundesliga und Europacup, ja von der Dreifachbelastung mit dem DFB-Pokal, von den vierfach belasteten Nationalspielern. Dabei ist es in Wirklichkeit doch eine Fünffachbelastung! Auslosungen, Auslosungen, Auslosungen – danke, lieber Fußballgott, dass sich die Kugelöffnerei mit Einführung der Gruppenphase in der Europa League etwas verringert hat. So eine Auslosung nimmt mich nämlich mindestens so sehr mit wie ein Tagestrip ins knapp 2000 Kilometer entfernte Kiew.

Am 10. August in Nyon war es noch eine vergleichsweise entspannte Angelegenheit: fünf Länder, fünf mögliche Gegner. Und nun der 31. August in Monaco: 21 Länder, 36 Gegner. Das macht 1728 verschiedene Konstellationen, wenn man mal außer Acht lässt, dass nicht zwei Mannschaften aus einem Land in einer Gruppe landen können.

Aber wir denken nur von Auslosung zu Auslosung. Deshalb konnte ich mir bis zum Abend davor auch noch gar keine Gedanken über Wunschgegner oder vielmehr Wunschreiseziele machen. Erst Aachen, dann Kiew, dann Düsseldorf – welches Trio würde diesmal aus den Lostöpfen geholt werden?

Kopenhagen war so greifbar in den Champions-League-Play-offs. Braga, Moskau, Athen – alles weg. Doch dann kam Kiew. Am Freitagmittag, Auslosung der Europa-League-Gruppen, ist Kopenhagen wieder im Rennen. Diesmal ist die Wahrscheinlichkeit geringer, aber immerhin würde einer von elf möglichen Gegnern aus Topf 2 ein Telefon zum Schellen bringen.

Wünsche und Anti-Wünsche
Und sonst so? Vielleicht eine Revanche für die Büchsenwurf-Affäre gegen Inter Mailand, vielleicht ein bisschen Anfield Road in Liverpool, vielleicht ein Wiedersehen für Luuk de Jong mit Twente Enschede. Was braucht eine wohldosierte Europacup-Gruppe noch? Ein kleiner Exot darf es gerne sein, aber nicht im reisepasspflichtigen Ausland, und vor allen Dingen: Nicht schon wieder die Ukraine!

Gianni Infantino und Giorgio Marchetti sind wieder da. Die Herren der Töpfe, Kugeln und Loszettel schreiten zum letzten Mal zur Tat, bevor sie bis zum Ende der Gruppenphasen wieder arbeitslos sind – they put the “loser” in Ausloser. Patrick Kluivert schaut als offizieller Botschafter des Endspielortes Amsterdam vorbei. Der Niederländer ist erst 36 Jahre alt, was mich daran erinnert, wie jung er war, als Ajax 1995 die Champions League gewann. Ganz so sportlich sieht Kluivert nicht mehr aus, aber die Kugeln sollte er schon irgendwie aufgedreht bekommen.

“Liverpool!”, entfährt es mir beim ersten Los, als sei damit alles entschieden. Der Puls ist bereits im dreistelligen Bereich, obwohl die zwölf Mannschaften aus Topf 1 lediglich auf die zwölf Gruppen verteilt werden. Vereinsnamen und Buchstaben vereinigen sich. Jede Teleshopping-Sendung ist interessanter. Und dennoch: It smells like Königsklasse, was Kluivert da ans grelle Kunstlicht des Grimaldi Forums in Monaco befördert. Zwei Kilometer Luftlinie vom noblen Auslosungsort hatte die Borussia 1996 ihr letztes Auswärtsspiel in Europa absolviert. “Hatte absolviert” – nie war das Plusquamperfekt so schön. Vollendete Vergangenheit, das heißt so viel wie: Willkommen in der Zukunft!

Spende in der BayArena
Kaum ist Topf 2 an der Reihe, hat es sich mit dem Traum von Kopenhagen auch schon wieder erledigt. Der VfB Stuttgart drängelt sich vor. Und dann stecken Bukarest und Rom auch noch im selben Topf wie die Borussia. Rotterdam ist am Vorabend ausgeschieden. Damit ruht die Hoffnung auf Mailand und irgendeinem Teneriffa-Ersatz, wo sich “eine Woche Sandstrand” einrichten lässt. Wenigstens hat Leverkusen das Traumlos Charkow gezogen. Dnjepropetrowsk kann es auch nicht werden. Die elf Griwna aus der Ukraine lasse ich gerne in der Spardose ruhen. Oder ich lege sie beim Auswärtsspiel in der BayArena Ende September auf meinen Sitz.

Dann ist die Hälfte der Auslosung rum und der wichtigste Teil beginnt. Noch immer bin ich mir nicht sicher, was es denn sein darf. Bevor ich zu einer Entscheidung gelange, ist es auch schon passiert: Borussia Mönchengladbach landet in Gruppe C – C wie Champions League. Ich bin nicht schockiert über Marseille und Istanbul, sondern darüber, so plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Einmal Mittelmeer und einmal Bosporus.

Doch eine Gruppe, die noch gar nicht komplett ist, kann man weder gut noch schlecht finden. Zumal in Topf 4 so ziemlich alles wartet: Reisen in die skandinavische Kälte, europäische Hauptstädte, Trips nach Israel, das Todeslos Machatschkala und sein böser Bruder Baku am Kaspischen Meer. Ach ja, und natürlich eine Woche Sandstrand auf Zypern oder Madeira. Wobei ich bereits im Vorfeld erfahren habe, dass Madeira nicht für Badeurlaube taugt. Aber immerhin wäre es schöner als kurz vor Sibirien an einem Donnerstagabend in der Kälte zu stehen – das taugt nur für Tränen.

Ein bisschen Willkür
Patrick Kluivert lässt andauernd die Kugeln auf den Boden fallen. Aber Giorgio Marchetti lächelt nur milde und winkt ab wie eine Großmutter, die sagen will: “Ach lass’ mal, ich heb’ das gleich auf.” Immer wieder dürfen Lose und Gruppen aus irgendeinem Grund nicht zueinander finden. Es wirkt ein bisschen wie Willkür, wenn ein Team nicht in Gruppe B, sondern in J landet. Aber Giorgio, wir vertrauen dir.

Als Gruppe C auf ihr viertes Mitglied wartet, ist ohnehin klar, dass es das wird, was Kluivert in die Kamera hält. Und es ist – AEL Limassol, Zypern. Vielleicht nach Limassol, eine Woche Sandstrand! Exotisch, aber nicht haarsträubend. Ich habe gerade einmal elf von 27 EU-Mitgliedsstaaten besucht. Da darf der Trip nach Zypern doch gerne das Dutzend voll machen.

Bis in die Weihnachtszeit darf sich die Borussia also in sechs Spielen an drei Gegnern abarbeiten, von denen zwei nach Champions League riechen und der dritte es beinahe geschafft hätte (2:1 und 0:2 gegen Anderlecht). Das ist insofern eine gute Ausgangslage, als niemand behaupten kann, das Weiterkommen sei Pflicht. Dennoch ist es zu schaffen. Genauso wie Kiew zu schaffen war. Und wer dort gewonnen hat, wird sicherlich (oder besser: hoffentlich) nicht mit 0:3 in Marseille untergehen.

Saftloses Derby
Jetzt ist es aber auch gut mit den Auslosungen. Frühestens nach einem Sieg in Düsseldorf im Pokal kann Gladbach wieder als Los in Erscheinung treten. Ansonsten ist entscheidend erst einmal auf’m Platz. Bis zur Winterpause stehen mindestens 22 Pflichtspiele an. Das fünfte der Saison war ziemlich unspektakulär. Aber was soll man vom einem Derby erwarten, das ohnehin nur die Nummer zwei ist? Dann kommt auch noch der DFB mit seinem Urteil und dreht der Spannung zu 40 Prozent den Saft ab.

Ich habe fast meine gesamte Fankarriere ohne Fortuna Düsseldorf verbracht. Dass dieser Verein mal über Jahre eine Macht im Pokal war und den FC Barcelona in einem Europacupfinale an den Rand einer Niederlage brachte, muss ich den Geschichtsbüchern, wie so vieles, einfach glauben.

Es wird nicht viel hängen bleiben von der siebten Nullnummer des Jahres 2012, auf die reguläre Spielzeit gerechnet. Immerhin habe ich diesmal nicht die Einzelspiel-Option auf Sky gegen den Besuch in Saarbrücken verteidigen müssen. Dennoch war es bezeichnend, dass zeitweise vier von fünf Menschen im Raum ein Nickerchen hielten.

Ausrufezeichen mit Beulen
Lucien Favre hat zum ersten Mal in dieser Saison das System gewechselt. Welche Erkenntnis ihm das 4-2-3-1 mit einem offensiven Tolga Cicergi gebracht hat, wird der Trainer hoffentlich wissen. Hätte ich dieses Derby beim Fußball Manager auf dem PC gespielt und es simulieren lassen, hätte ich danach wahrscheinlich schulterzuckend vorm Monitor gesessen. Was nicht schlecht war, muss ja nicht unbedingt so gut gewesen sein. Was nicht so berauschend war, muss nicht schlecht gewesen sein. Der Mathematiker in mir sagt, dass ein einziges Pflichtspiel im 4-2-3-1 nicht genügt, um es auf seine Tauglichkeit zu überprüfen.

Wenigstens hat Luuk de Jong als einzige Spitze mal eine Torchance gehabt. Aber abgesehen von seinem sehenswerten Seitfallzieher hat dieser Auftritt erneut Beulen in die Ausrufezeichen geboxt, die alle vom Rekordtransfer erwarten. Ein Ausrufezeichen mit Beulen ist leider ein Fragezeichen. Vielleicht ist die Angelegenheit aber auch so einfach, dass sich mit de Jongs erstem Tor alle Probleme in Luft auflösen würden. Noch darf man dran glauben, weil er nicht den Gegenbeweis erbracht hat.

Man meint ja, das Von-Spiel-zu-Spiel-Denken sei ein Ritt mit Scheuklappen. Dabei ist es in Wirklichkeit eine Geradeaus-Fahrt mit dem Auto. Kurzer Blick in den Rückspiegel – kann man mit dem Punkt in Düsseldorf leben? Ja, weil die Reise nach Kiew doch mehr geschlaucht hat, als ursprünglich erwartet. Ja, weil es gegen Hoffenheim den Dreier gab. Kurzer Blick auf die Schilder über der Autobahn – was muss gegen Nürnberg in zwei Wochen her? Klar, ein Sieg, denn andernfalls wäre die Borussia nach der berühmten Hans-Meyer-Rechnung im Minus.

Zunächst einmal beängstigend
Jetzt kommt die Länderspielpause, was in diesen Zeiten lediglich für Martin Stranzl, Roel Brouwers, Filip Daems, Mike Hanke und ein paar ihrer Kollegen Ruhe bedeutet. Erst zwischen dem 8. und 15. Dezember wird Favre alle in Mönchengladbach beisammen haben, ohne dass eine Englische Woche ansteht oder die Nationalspieler weg sind. Das klingt zunächst einmal beängstigend, wenn man keine Ahnung hat, wie die Mannschaft es wegstecken wird. Aber da müssen wir jetzt durch. Es sollte zu schaffen sein – schließlich stehen erst einmal keine nervenaufreibenden Auslosungen mehr an.

02. September 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | 1 Kommentar

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